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Bei ebay versehentlich falsche Produktbeschreibung

| 09.04.2014 10:01 |
Preis: ***,00 € |

Internetauktionen


Beantwortet von


11:59
Sehr geehrte Damen und Herren,

wir sind gewerblicher Anbieter auf ebay und haben folgendes Produkt für 629,00 EUR verkauft:

http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&item=370896498437&ssPageName=ADME:L:EOISFP:DE:1123

leider ist mir hier ein Fehler in der Beschreibung passiert und es wurde die Beschreibung von folgendem Produkt verwendet (1499,00).

http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&item=370896497223&ssPageName=ADME:L:EOISFP:DE:1123

Der Fehler liegt ganz klar auf unserer Seite, eine Erstattung und Rücknahme steht natürlich außer Frage.

Der Kunde besteht aber auf Lieferung des Gerätes mit dem eigentlichen VK von 1499,00 zum Preis von 629,00.

Haben wir die Möglichkeit den Vertrag zu widerrufen?

Über eine kurz rechtlichen Einschätzung würden wir uns sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen



Einsatz editiert am 09.04.2014 10:08:38
09.04.2014 | 11:11

Antwort

von


(99)
Bleichstraße 6
60313 Frankfurt am Main
Tel: + 49 (0) 69 – 90 55 91 86
Web: http://www.businesslawfrankfurt.de
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Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre Frage.

Der Fall liegt etwas anders als üblich. Oftmals gehen Auktionen für den Verkäufer schlecht aus, d.h. das Letztgebot ist deutlich niedriger als der Marktwert. In diesen Fällen kann der Käufer Erfüllung verlangen. Hier aber wurde ein Produkt preislich falsch ausgezeichnet.

(1) Sie können Ihre Willenserklärung wegen Irrtums anfechten. In Betracht kommt ein so genannter Erklärungsirrtum (§ 119 Abs. 1 Alt. 2 BGB). Damit wird der Vertrag rückwirkend beseitigt (§ 142 Abs. 1 BGB).

Sie wollten das Modell zum Preis von € 629,00 verkaufen, haben aber versehentlich den Text der Maschine für € 1499,00 verwendet. Sie haben daher eine Erklärung abgegeben, die Sie in dieser äußeren Form nicht abgeben wollten.

Allerdings liegt die Beweislast für das Vorliegen des Erklärungsirrtums bei Ihnen als Anfechtendem. Auf den ersten Blick sind für mich - außer dem Preis - keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Angeboten erkennbar. Lediglich im Titel der Auktion fehlt bei dem günstigeren Angebote der Zusatz "Profi". Hierauf würden Sie sich wahrscheinlich stützen wollen.

(2) Die Anfechtung muss nun unverzüglich, d.h. ohne schuldhaftes Zögern, erfolgen (§ 121 BGB). Hier können wenige Tage bereits als zu langes Zögern gewertet werden. Demnach ist Eile geboten.

(3) Als Anfechtender sind Sie dem Käufer gegenüber allerdings zum Schadensersatz verpflichtet (§ 122 BGB). Die Haftung geht jedoch nur auf den Ersatz des sog. Vertrauensschadens.

Der Käufer kann von Ihnen Ersatz verlanen

- der Vertragskosten (hier dürften keine angefallen sein),

- einen etwaigen entgangenen Gewinn (z.B. wenn der die Maschine gewinnbringend weiterveräußeren oder kommerziell nutzen wollte)

- nutzlos gewordene Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Geschäft

- die Differenz zu einem günstigeren Geschäft, welches der Anfechtende verstreichen ließ,

- Ggf. die Mehrkosten eines Deckungsgeschäfts.

Nicht verlangen kann der Käufer allerdings den Erfüllungsschaden. Er kann also nicht so gestellt werden, als wäre der Vertrag wirksam.

Im konkreten Fall kann er demnach nicht ohne Weiteres die Differenz der beiden Preise verlangen. Anders wäre es nur, wenn der Käufer nachweisen könnte, dass ihm zwischenzeitlich ein anderes Geschäft zu einem niedrigen Preis definitiv entgangen ist, weil er auf diesen mit Ihnen Vertrag vertraut hat.

(4) Die negative eBay-Bewertung, die wahrscheinlich fällig ist, werden Sie sich allerdings nicht sparen können.

Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen,


Christian Schilling
-Rechtsanwalt-


Rechtsanwalt Christian Schilling

Nachfrage vom Fragesteller 09.04.2014 | 11:31

Sehr geehrter Herr Schilling,

vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort.

Nur nochmal kurz zum Verständins der evtl. Schadensersatzforderungen, in welcher Höhe müssten wir ungefähr damit rechnen und wie stehen die Chancen.

Die Lieferung des Gerätes für 1499,00 würde uns einen effektiven Verlust von ca. 250 EUR verursachen, können Sie uns bitte eine kurze Empfehlung geben ob sich das Risiko auf evtl. Schadensersatzforderungen lohnt.

Nochmals vielen Dank für Ihre Auskunft.

Mit freundlichen Grüßen

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 09.04.2014 | 11:59

Sehr geehrter Fragesteller,


(1) für mich sind aufgrund Ihrer Schilderung noch keine Umstände erkennbar, die einen erheblichen Schadensersatzanspruch des Käufers begründen. Der Anfechtungsgegner ist so zu stellen, als hätte er die Willenserklärung niemals abgegeben.

Dies wäre nur dann der Fall, wenn der Käufer nachweisen könnte, dass ihm aufgrund der damaligen Willenserklärung ein Geschäft über die teurere Profi-Maschine für beispielsweise ebenfalls € 629,00 entgangen ist, die er jetzt nur noch für € 879,00 kaufen kann. In diesem nachzuweisenden Fall käme eine Haftung auf die Differenz in Höhe von € 250,00 in Betracht, wenn der Käufer nachweist, dass er damals die andere Maschine für € 629,00 kaufen konnte. Der Käufer kann aber gerade nicht geltend machen, dass er jetzt andernorts € 879,00 oder gar mehr zahlen muss. Das wäre das Erfüllungsinteresse, was durch § 122 BGB nicht ersetzt wird (vgl. etwa LG Koblenz, Urteil vom 28.7.2011 - 9 O 353/10).

Wenn der Käufer als Verbraucher gehandelt hat, wird er auch einen entgangenen Gewinn nicht geltend machen. Als Fitness-Studio-Betreiber allerdings könnte der Käufer Nutzungsausfälle darlegen.

(2) Ein weiterer Aspekt noch: Da es sich nicht um eine Auktion, sondern offenbar um einen "Sofort-Kauf" handelte, könnte je nach den Umständen noch garkein wirksamer Vertrag zustande gekommen sein. Die Einstellung einer Produktseite mit einem Preis ist noch kein bindendes Angebot, sondern lediglich eine "Einladung an den Käufer zur Abgabe eines Angebots". Wenn Sie den Kauf noch nicht bestätigt haben, liegt also noch kein wirksamer Vertrag vor. Eine bloße Bestellbestätigung ist - je nach AGB - auch noch keine Annahme. Hier kommt es aber sehr auf die Einzelheiten des Sachverhalts an.

Mit freundlichen Grüßen,


Christian Schilling
-Rechtsanwalt-

Bewertung des Fragestellers 09.04.2014 | 12:45

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