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Befristete Tätigkeit in der Schweiz

12.06.2020 23:38 |
Preis: 58,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von


Zusammenfassung: Freelancer mit DBA Deutschland-Schweiz

Hallo,
ich habe ein Angebot für 8 Monate für ein Unternehmen in der Schweiz arbeiten zu können. Ich wäre kein Grenzgänger, sondern wohne im Norden Deutschlands. Operativ könnte ich vorwiegend aus dem Homeoffice in Deutschland arbeiten und müsste nur 3-4 mal im Monat in die Schweiz reisen.
Nun meine Fragen:
1. Muss ich für die Zeit zwingend einen Wohnsitz in der Schweiz anmelden (also auch Miete für eine Wohnung/Zimmer zahlen) und wäre dies im Falle einer freiberuflichen Tätigkeit mit Tagessatz ebenfalls so?
2. Brauche ich zwingend ein Schweizer Bankkonto oder kann die Überweisung des Gehaltes auch auf meine Konto in Deutschland erfolgen?
3. Fließt der Verdienst der 8 Monate zwingend in die Einkommenssteuererklärung in Deutschland ein (und damit auch mögliche Werbungskosten)?
4. Mit wieviel Abzügen vom Brutto müsste ich beim Schweizer Steuerrecht ungefähr rechnen (in Deutschland liege ich als als lediger ohne Kinder über der Beitragsbemessungsgrenze)?


Vielen Dank!


14.06.2020 | 10:30

Antwort

von


(292)
Frankenstraße 10
56626 Andernach
Tel: 01747154264
Web: http://www.evdorrien.de
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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

"1. Muss ich für die Zeit zwingend einen Wohnsitz in der Schweiz anmelden (also auch Miete für eine Wohnung/Zimmer zahlen) und wäre dies im Falle einer freiberuflichen Tätigkeit mit Tagessatz ebenfalls so?"

Nein, Sie können Ihren Wohnsitz in Deutschland behalten und müssen keinen Wohnsitz in der Schweiz begründen. Sie werden sich ja nicht mehr als 90 Tage in der Schweiz aufhalten. Allgemein gilt für sog. Freelancers: Dienstleistungserbringer können sich für maximal 90 einzelne Einsatztage pro Jahr ohne ausländerrechtliche Bewilligung in der Schweiz aufhalten und eine Erwerbstätigkeit ausüben, ohne sich in der Schweiz niederzulassen. Die Tätigkeit sowie ihre Dauer muss den Behörden lediglich gemeldet werden. Es ist keine Anerkennung der Selbstständigkeit durch die schweizerische AHV (Alters- und Hinterlassenenversicherung) nötig. Steuern und Sozialversicherungen werden weiter in Deutschland bezahlt. Dauert die Dienstleistungserbringung mehr als 90 Tage, muss eine Aufenthaltsgenehmigung von den Behörden bewilligt werden.

"2. Brauche ich zwingend ein Schweizer Bankkonto oder kann die Überweisung des Gehaltes auch auf meine Konto in Deutschland erfolgen?"

Das Gehalt kann auf Ihr deutsches Konto überwiesen werden.

"3. Fließt der Verdienst der 8 Monate zwingend in die Einkommenssteuererklärung in Deutschland ein (und damit auch mögliche Werbungskosten)?"

Verbleibt der Lebensmittelpunkt und damit die steuerliche Ansässigkeit in Deutschland, hat die Schweiz als Tätigkeitsstaat nur dann ein Besteuerungsrecht für Arbeitnehmereinkünfte, wenn entweder für einen Schweizer Arbeitgeber gearbeitet wird, oder, soweit für einen nicht-schweizerischen Arbeitgeber gearbeitet wird, wenn der Arbeitnehmer mehr als 183 Tage im Kalenderjahr in der Schweiz verbringt. Da letzteres nicht der Fall ist und Sie hauptsächlich aus dem Homeoffice in Deutschland arbeiten, verbleibt es insoweit bei einem Besteuerungsrecht Deutschlands. Die Zuordnung des gesamten Arbeitslohnes ist dann zwischen Schweiz und Deutschland aufzuteilen. Arbeitslohn, der in der Schweiz besteuert wird, ist in Deutschland unter Progressionsvorbehalt steuerfrei gestellt. Dieser Betrag ist nach deutschen steuerlichen Vorschriften im Hinblick auf den Werbungskostenabzug zu ermitteln. Der Progressionsvorbehalt bewirkt, dass zusätzliche inländische Einkünfte, zum Beispiel aus Vermietung+Verpachtung, in der Besteuerung einem höheren Steuersatz unterliegt, als es ohne ein derartiges Einkommen der Fall wäre.

"4. Mit wieviel Abzügen vom Brutto müsste ich beim Schweizer Steuerrecht ungefähr rechnen (in Deutschland liege ich als als lediger ohne Kinder über der Beitragsbemessungsgrenze)?"

Deutschland ist nach dem DBA der Ansässigkeitsstaat, die Schweiz ist der sog. Quellenstaat. Die sogenannte Quellensteuer beträgt 4,5 % vom Bruttogehalt. Dieser Betrag wird auf Ihre deutsche Einkommensteuer angerechnet. Allerdings hängt das auch von der individuellen Gestaltung Ihres Arbeitsvertrages ab, daher kann eine konkrete Aussage zur Besteuerung nur nach Kenntnis aller Fakten getroffen werden. Die Hinzuziehung eines Steuerberaters empfiehlt sich für die Einkommenssteuererklärung des betreffenden Veranlagungszeitraums.

Bitte fragen Sie nach, wenn noch etwas unklar geblieben ist. Vorerst verbleibe ich mit freundlichen Grüßen!

Elisabeth v. Dorrien
Rechtsanwältin


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