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Beerdigungskosten (Aufteilung unter den Kindern)

18.11.2014 12:01 |
Preis: ***,00 € |

Generelle Themen


Zusammenfassung: Es geht um die Bestattungskosten und um die Ausgleichspflicht einer Erbengemeinschaft im Innenverhältnis.

Neulich erwähnte meine (90-jährige) Mutter, dass sie für ihre Beerdigungskosten keine Vorsorge getroffen hat und auch garnicht treffen will. Für mich war das überraschend, denn sie stand und steht als Rentnerin vergleichsweise gut da. Sie leistet sich eine große Wohnung, ein Auto, machte Reisen und hat ein Opern- oder Ballett-Abo. Ein Erbe wird auch nicht vorhanden sein. Wir sind 4 Brüder und mein Vater ist tot. Klar scheint zu sein, dass wir als Kinder dann für ihre Beerdigungskosten aufkommen müssen. Aber wie wird das aufgeteilt? (Falls das eine Rolle spielen sollte: Meine Mutter und meine 3 Brüder leben in Baden-Württenberg, ich in Bayern.)

Unsere Situation:

Mein Bruder G, verheiratet, keine Kinder, gutes Einkommen, hat ein Haus gekauft und renoviert, hat deshalb noch Schulden und meint, sich deswegen raushalten zu können.

Ähnlich mein Bruder P, verheiratet, keine Kinder, gutes Einkommen, hat ein Haus gebaut, hat deshalb noch Schulden.

Mein Bruder F, alleinstehend, Hartz IV-Empfänger. Seine Beerdigungskosten werden dann wohl ebenfalls die restlichen Brüder tragen müssen.

Ich selbst bin alleinstehend, gutes Einkommen (als Rentner), bin Mieter, habe einige Rücklagen.

Meine Frage: Nach welchen Gesichtspunkten werden die Beerdigungskosten meiner Mutter unter uns aufgeteilt? Klar scheint, dass mein Bruder F mangels Masse ausscheidet. Können sich meine Brüder G und P unter Verweis auf ihre Schulden raushalten? (Obwohl sie ja andererseits ein Haus besitzen.) Werden die Beerdigungskosten meines Bruders F dann nach denselben Kriterien unter den verbliebenen Brüdern aufgeteilt?

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

1. Die Kosten für die Beerdigung sind gem. § 1968 BGB von den Erben zu tragen, nach der gesetzlichen Erbfolge also von Ihnen und Ihren 3 Brüdern.

Für die Bezahlung der Beerdigungskosten wird grundsätzlich zunächst das Erbe herangezogen (Geldbestand oder Wertgegnstände, welche verkauft werden könnten). Reicht der Wert des Nachlasses jedoch nicht, um die Kosten zu decken, dann haftet der Erbe mit seinem Privatvermögen.

Bei dem Bestehen einer Erbengemeinschaft haften die Erben gemeinschaftlich, vgl. §§ 2058, 2059 BGB. Praktisch bedeutet die gemeinschaftliche Haftung, daß der Rechnungssteller sich ein Mitglied der Erbengemeinschaft aussuchen kann und von diesem die Bezahlung verlangt, sog. Gesamtschuldner gem. § 421 BGB. Der Erbe, der die Kosten zunächst bezahlen musste, hat dann im Innenverhältnis einen Ausgleichsanspruch gegenüber den übrigen Erben anhand der erbrechtlichen Quote. Praktisch kann es jedoch passieren, daß Sie auf den gesamten Kosten sitzen bleiben, da Sie ein gutes Einkommen und Rücklagen haben. Dies wäre jedoch nur der Fall, wenn das Erbe nicht ausreicht und bei Ihren Brüdern im Innenverhältnis kein Ausgleich stattfinden kann, da sie nicht leistungsfähig sind.

Bei Ihrem Bruder, der Hartz IV empfängt, dürfte von einer mangelden Leistungsfähigkeit auszugehen sein, so dass von diesem "nichts zu holen ist". Ihre beiden anderen Brüder können sich jedoch nicht allein auf ihre Schulden wegen des Hauskaufs berufen. Vielmehr ist entscheidend, wieviel Geld sie nach Abzug der Verbindlichkeiten im Monat noch zur Verfügung haben. Bei einem guten Einkommen und keiner Unterhaltsverpflichtung kann hier durchaus von einer Leistungsfähigkeit und demanch von einem Ausgeichsanspruch auszugehen sein.

2. Kosten für die Beerdigung Ihres Bruders:

Sofern es keine Erben gibt (z.B. durch Ausschlagung der Erbschaft) kommt eine Kostentragungspflicht nach § 1968 BGB nicht in Betracht.

Auch eine Kostentragungspflicht aus § 1615 BGB scheidet vorliegend aus, da Sie zu Lebzeiten Ihrem Bruder nicht zum Unterhalt verpflichtet waren.

Jedoch kommt hier eine Kostentragungspflicht aufgrund der öffentlich-rechtlichen Bestattungspflicht in Betracht. Zu dem Personenkreis, den diese öffentlich-rechtliche Kostentragungspflicht trifft, zählen z.B. Geschwister des Erblassers und deren Kinder, Ehegatten bzw. eingetragene Lebenspartner.

Die öffentlich-rechtliche Bestattungspflicht trifft also auch Angehörige, die die Erbschaft ausgeschlagen haben. Ebenso bleibt die Bestattungspflicht bestehen, wenn zwischen dem Verstorbenen und dem Verwandten bereits seit längerer Zeit keine persönliche Beziehung mehr bestand.

Die öffentlich-rechtliche Bestattungspflicht kann nur entfallen, wenn der Bestattungsverpflichtete in finanzieller Hinsicht nicht leistungsfähig ist oder wenn es dem Bestattungspflichtigen nicht zuzumuten ist, wegen grober Unbilligkeit die Kosten zu tragen. Dies ist jedoch nur bei drastischen Störungen der familiären Beziehung zu bejahen.

Grundsätzlich hätten also Sie und ihre anderen beiden Brüder auch die Bestattungskosten Ihres Bruders zu tragen.


Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 18.11.2014 | 15:38

Vielen Dank soweit.
Beim Ausgleich innerhalb der Erbengemeinschaft würde bei meinen beiden gut gestellten Brüdern also ihr Monatseinkommen minus ihrer monatlichen Schuldenrate zugrunde gelegt.
Allerdings fände ich es gerecht, wenn ich dafür meine monatliche Kaltmiete von meinem Einkommen abziehen dürfte. Ich fürchte, dem ist nicht so. Oder doch?
Ausserdem sind beim Schulden bezahlen jeweils auch noch die Ehefrauen dabei.(Beide arbeiten ebenfalls mit gutem Einkommen.)
Sollte deshalb bei meinen gut gestellten Brüdern nicht das Einkommen minus halbe Schuldenrate in Betracht gezogen werden?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 18.11.2014 | 15:51

Gerne beantworte ich Ihre Nachfrage wie folgt:

Sie sehen es völlig richtig, dass von dem Monatseinkommen die Schuldenrate und evtl. andere Verbindichkeiten abzuziehen sind und, sofern die Ehefrauen die Raten mitzahlen, ist dies natürlich auch, wie von Ihnen beschrieben, richtig.

Jedoch geht es hier nur darum, ob bei Ihren beiden Brüdern im Rahmen des Ausgleichs im Innenverhältnis überhaupt etwas zu holen ist. Die Quote für den Ausgleich bemisst sich nach der Erbquote und nicht danach wer über wieviel Privatvermögen verfügt. Insofern ist es irrelevant, ob die Miete von Ihrem Einkommen abzuziehen ist oder nicht, da Sie (nach Ihrer Schilderung) wohl über ausreichend Vermögen verfügen.

Mit freundlichen Grüßen

Christiane Masuch
Rechtsanwältin

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