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Baugrundgutachten mangelhaft, welche Forderungen sind berechtigt?

08.02.2015 12:55 |
Preis: ***,00 € |

Baurecht, Architektenrecht


Beantwortet von


Wie möchten gerne wissen, welche konkreten Forderungen wir erheben können:

Zum (von uns vorab beauftragten) Baugrundgutachten für unser Bauvorhaben stellte sich zum Ende der Planungen, aber noch vor Baubeginn heraus, dass die im Gutachten aufgeführte Erdbebenzone nicht stimmt. Dies wurde durch den vom Bauunternehmen beauftragten Statiker bemerkt, weshalb uns aufgrund des fortgeschrittenen Planungsstandes ein Nachtragsangebot vorgelegt wurde, aus welchem sich nicht vermeidbare Mehrkosten für eine aufwändigere Statikberechnung sowie Mehrkosten für die statisch erforderliche Bauausführung (Bewehrungen) von insgesamt ca. 6 TEUR ergaben. Der Schaden beschränkt sich also auf Mehrkosten, nicht auf Baumängel. Das Baugrundgutachten haben wir schriftlich zum Vertragsbestandteil gemacht.

Es ist bekannt, dass bei der Feststellung des Schadenersatzanspruches nur diejenigen Kosten geltend gemacht werden können, welche über den Umfang hinausgehen, als wäre die korrekte Erdbebenzone bereits im Gutachten vermerkt.

Hätten wir bei korrektem Gutachten, also vor Bauvertragsunterzeichnung, über diese Mehrkosten gewusst, hätten wir bei gleichem Budget entweder andersweitig Abstriche (Ausstattung) gemacht oder wir hätten diese Mehrkosten in die Baufinanzierung mit einkalkuliert. Der Schaden gg. Mängelfreiheit entspricht also stets dem finanziellen Mehraufwand für Planung und nun notwendige (Nach)Finanzierung. Hier unsere Deutung für berechtigte Forderungen:

1) Finanzieller Schaden durch die Tatsache, dass Nachtragsangebote in der Regel ca. 20% teurer sind als Angebote im Kaufvertrag von vornherein (und damit auch fehlende Berücksichtigung bei verhandelten Nachlässen) -> Forderung ca. 1.200 EUR

2) Finanzieller Schaden in Höhe der Kosten durch erforderliche Nachfinanzierung des Baukredits (wäre die Finanzierungssumme um die Mehrkosten X bei gleichem Zins- und Tilgungssatz höher, würde die Restschuld nach Ablauf der Zinsbindung um Y-TEUR höher ausfallen) -> Forderung ca. 7.500 EUR oder reduziert auf Höhe der Nachtragsforderung von 6.000 EUR

3) Preisminderung der Gutachtenkosten in Höhe von 25% pauschal (die vom Mangel z.B. unabhängigen Bohrungsproben werden ja, zumindest vorbehaltlich, nicht bemängelt) -> Forderung ca. 500 EUR

Über eine Einschätzung, Ergänzung oder Berichtigung wären wir sehr dankbar.

Einsatz editiert am 08.02.2015 16:22:24
08.02.2015 | 18:41

Antwort

von


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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:


Ihre Einschätzung ist im wesentlichen richtig.

Das Gesetz sieht vor:

"Wer zum Schadensersatz verpflichtet ist, hat den Zustand herzustellen, der bestehen würde, wenn der zum Ersatz verpflichtende Umstand nicht eingetreten wäre."

Nach der ZPO müssen Sie den Schaden zudem beweisen bzw. belegen. Wird bestritten, dass Nachtragsangebote teurer sind, so sind Vergelichsangebote vorzulegen oder später ein Gutachten einzuholen. Dies gilt auch für die Nachfinanzierung. Soweit Sie den Schaden der Höhe nach genau beziffern können, stehen Ihnen die genannten Ansprüche zu. Betreffend der Minderung könnte jedoch zunächst eine Nacherfüllung zu verlangen sein; da der eigentliche Zweck aber nicht mehr erreicht werden kann, dürfte eine Nacherfüllung nicht zu fordern sein.



Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen


Rechtsanwalt Tamás Asthoff

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