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Barunterhalt für volljähriges Kind im eigenen Haushalt

01.10.2012 21:22 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von

Notar und Rechtsanwalt Oliver Wöhler


Nachfolgend möchte ich Ihnen meine Situation schildern. Ich bin seit ca. 10 Jahren geschieden und lebe mit meinen beiden Kindern ca. 200 km von ihrem Vater entfernt. Als Angestellte arbeite ich halbtags, mein nicht bereinigtes Nettoeinkonmmen beträgt 1800 Euro. Um zu meinem Arbeitsplatz zu gelangen muss ich täglich eine Strecke von 40 Km (einfach) zurücklegen, an 5 Tagen in der Woche.
Mit mir in meinem Haushalt leben meine beiden Kinder, 13 und 18 Jahre alt. Das jüngste Kind besucht das Gymnasium und beansprucht sehr viel Zeit für Nachhilfe, die es z. T. von mir bekommt, z. T. aber auch von älteren Mitschülern gegen Bezahlung. Das älteste Kind geht zur Fachoberschule. Seine Leistungen sind gut, zu Hause ist das Kind aber ein "Messie". in seinem Zimmer häuft sich der Müll und es ist weder durch Bitten,noch durch Drohungen dazu zu bewegen den Dreck wegzuräumen. Die Mithilfe im Haushalt lehnt es ab.
Der Vater der Kinder hat ein bereinigtes Nettoeinkommen von 3300 Euro. Bisher hat der Vater den Kindesunterhalt für beide Kinder auf mein Konto überwiesen und die Kinder haben von mir ein Taschengeld erhalten. Ansonsten habe ich alle Kosten für Kleidung, Nahrung, Wohnen, Schule, Nachhilfe, Heilpraktiker usw. bezahlt. Seit zwei Monaten nun überweist der Vater dem ältesten Kind den Unterhalt auf sein Konto. Das 18 jährige "Kind" lehnt es ab den Barunterhalt des Vaters an mich weiterzuleiten und verlangt nun auch von mir den Barunterhalt, obwohl es bei mir wohnt und ich alle Ausgaben trage. Es möchte eine detaillierte Aufstellung aller Ausgaben.
Gerne hätte ich eine Aussage darüber, ob ich verpflichtet bin Barunterhalt zu zahlen, auch wenn das volljährige Kind bei mir wohnt und ob und wie weit ich die Haushaltskosten auf Heller und Pfennig vorrechnen muss. Ist es zuviel verlangt auf hygienischen Verhältnissen in der Wohnung und einer Mithilfe im Haushalt zu bestehen? Ich bin doch kein Hotel! Sollte dieses Kind weiterhin den Müll nicht beseitigen und mich als Putzfrau benutzen, welche rechtlichen Möglichkeiten bestehen,dem ein Ende zu machen?
Vielen Dank für Ihre Antwort

Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich anhand des von Ihnen geschilderten Sachverhalts beantworten möchte:

Es ist zunächst richtig, dass beide Elternteile barunterhaltspflichtig sind. Sie können auch nicht verhindern, dass der Barunterhalt des Vaters direkt an das volljährige Kind gezahlt wird.

Allerdings haben Sie nach § 1612 II S. 1 BGB das Recht über die Art des Volljährigenunterhalts zu bestimmen. Sie entscheiden auf welche Art Sie dem Kind Unterhalt gewähren, also in bar oder durch Stellung von Unterkunft, Nahrung und Taschengeld. Erforderlich ist nur das Sie auf die Belange des Kindes ausreichende Rücksicht nehmen.

Die Rechtsprechung räumt hier den Eltern aber einen gewissen Spielraum ein. Die Belange des Kindes haben nur in Ausnahmefällen Vorrang vor dem Bestimmungsrecht der Eltern (vgl. OLG Brandenburg, Beschluss vom 21.05.08 - 9 WF 116/08 -). Sie sind nicht verpflichtet alle Kosten die monatlich entstehen im einzelnen aufzuführen und diese Ihrem Kind "vorzurechnen".

Es reicht aus, wenn Sie den Wohnraum bestimmen und Verpflegung und Taschengeld zur Verfügung stllen, sowie Ihre Leistung im Haushalt und alle anderen Dinge wie Schulkosten. Man muss natürlich im Einzelfall prüfen, wann die Belange des Kindes gewahrt sind und wann nicht mehr.

Ihr Kind hat generell Ihre Entscheidung zu akzeptieren. Sie können dem auch ein Ende setzen, indem Sie Ihren Anteil am Barunterhalt leisten, denn man konkret berechnen müsste und dann eine Kostenbeteiligung für Wohnen und Essen verlangen. Dies wird in der Regel mehr sein als Ihr Haftungsanteil. Sie können das Kind auch "rausschmeissen", dann hat es Anspruch auf Barunterhalt und auf Weiterleitung des Kindesgeldes, wobei der Bedarf dann 670 € beträgt, je nach OLG Bezirk in dem Sie leben.

Auch bei Konflikten, muss das Kind die Entscheidung der Eltern akzeptieren, solange nicht ein völliges tiefgreifendes Zerwürfnis besteht. Dies wäre bei Ihnen sicher noch nicht der Fall.

Sie sind also in der stärkeren Position.




Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen
Oliver Wöhler, Rechtsanwalt

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