Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
480.084
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Bankvollmacht ausgenutzt ?


07.03.2006 12:07 |
Preis: ***,00 € |

Wirtschaftsrecht, Bankrecht, Wettbewerbsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Christian Kah



Sehr geehrte Damen und Herren,

bei dem folgenden Fall geht es mir darum, zu erfahren, ob die Bankvollmacht zu eigenem Vorteil ausgenutzt wurde und ob es eine rechtliche Möglichkeit gibt, dagegen vorzugehen.

Hier nun der Fall:

In ihren letzten Lebensjahren hat sich meine Großkusine (verwitwet) ihrem Krankengymnasten freundschaftlich verbunden gefühlt und, da selbst kinderlos, wohl auch Muttergefühle entwickelt. Er hat sich um sie auch privat gekümmert, das heißt, er hat für sie Einkäufe erledigt, ist mit ihr am Wochenende ins Grüne gefahren und hat sie mit in die Gemeinde der neuapostolischen Kirche genommen. Sie selbst hat sich aber gegenüber ihrer Freundin oder Familie nur wenig über dieses Verhältnis geäußert und das Verhältnis zur Freundin wurde distanzierter. Bei einem Geburtstag hat er sich dahingehend geäußert, dass er alle Vollmachten hätte, woraus die Familie schließen konnte, dass es sich um Bankvollmachten handele.
Nachdem sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert hatte, fasste ich die Absicht, sie zu besuchen. (Ich lebe im Ausland.) Sie lebte allein in ihrer Wohnung, wurde durch ambulante Pflege und Essen auf Rädern versorgt. Da er der einzige war, der den Schlüssel zu ihrer Wohnung besaß, musste ich ihn kontaktieren, um zu erfahren, ob er mich überhaupt zu ihr ließ, da sie nicht mehr in der Lage war, alleine zu laufen. Vor Ort angekommen, habe ich ihn dann gefragt, warum er das alles für meine Großkusine tut, woraufhin er mir sagte, dass sie in seiner Praxis Anteile hat, ihm also finanziell geholfen habe, eine Aussage, die nicht vor Zeugen gemacht wurde. Aus einer Bemerkung gegenüber ihrer Freundin wissen wir, dass sie ihm 20 000 Euro geliehen hat, allerdings ohne dies schriftlich festzuhalten. Im Laufe meiner Reise wurde beschlossen, sie in einem Pflegeheim unterzubringen, da es bei ihrem Gesundheitszustand zu riskant war, sie alleine in der Wohnung zu lassen. Bei diesem Schritt wurde ich von vor Ort wohnenden entfernten Verwandten unterstützt, die auch nach meiner Abreise dafür sorgten, dass ein Teil ihrer Sachen ins Heim gebracht wurden. In diesem Zusammenhang wurde ihr Sparbuch gefunden: zwischen Oktober 2003 und April 2005 wurden rund 90 000 Euro abgehoben, es blieben lediglich 50,00 Euro auf dem Konto. Aus ihren eigenen Aussagen wissen wir, dass sie ihre Rente nicht aufbrauchte, es also auszuschließen ist, dass sie diese Summen für sich verbraucht hat.
Zum Schluss möchte ich noch anführen, dass meine verstorbene Großkusine ein herzensguter und sehr großzügiger Mensch war und sie sich sicherlich für die Aufmerksamkeit erkenntlich zeigen wollte. Ich kann mich aber nicht des Eindrucks erwehren, dass hier ein gewisser Missbrauch vorliegt, wobei sie gegen Ende ihres Lebens sich mehrfach dahingehend geäußert hat, dass alle nur ihr Geld wollten.

Meine Frage wäre also, ob man eine Bankvollmacht zu eigenem Vorteil ausnutzen darf, und wenn nicht, ob es Sinn hat, bei dieser mageren Beweislage rechtliche Schritte einzuleiten. Wenn ja, was können wir tun, welche Kosten kämen auf uns zu.

Ich bedanke mich im Voraus für Ihre Antwort und verbleibe mit freundlichen Grüssen

Notfall?

Jetzt vertrauliche kostenlose Ersteinschätzung von einem erfahrenen Anwalt erhalten!

Feedback noch heute.

Kostenlose Einschätzung starten
Guten Tag,

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Zunächst gehe ich davon aus, dass die von Ihnen erwähnte Bankvollmacht nicht auf bestimmte Rechtsgeschäfte gegenüber der Bank beschränkt war und der Bevollmächtigte daher berechtigt sein dürfte, auch über das Sparbuch der Großcousine zu verfügen.

Dennoch darf der Bevollmächtigte die Vollmacht nur in soweit im Rechtsverkehr verwenden, als dies auch vom Willen des Vollmachtgebers gedeckt ist.

Es wäre daher unerlässlich festzustellen, ob der Krankengymnast als Bevollmächtigter das Geld vom Sparbuch abgehoben hat und Ihre Großcousine wollte, dass dieser Betrag abgehoben wird.

Nur wenn sich herausstellt, dass die Abhebung gegen den Willen der Berechtigten (Großcousine) durch den Krankengymnast erfolgte, hätte sich dieser sowohl zivilrechtlich, als auch strafrechtlich, zu verantworten.

Ob Ihnen dieser Nachweis gelingt, kann von hieraus leider nicht eingeschätzt werden.

Soweit Sie allerdings befürchten, dass der Krankengymnast Ihre Großcousine finanziell ausnutzt und diese dadurch einen unwiderbringlichen finanziellen Nachteil erleidet, wäre sicher darüber nachzudenken, ob nicht ein gerichtlich bestellter Betreuer die Vermögensgeschicke für die Großcousine in die Hand nehmen sollte.

Die Betreuung kann auch von einem Familienmitglied ausgeführt werden.

Zur Prüfung, können Sie sich an die örtliche Betreuungsbehörde wenden und Ihr Anliegen vorbringen. Die Behörde prüft dann letztlich, ob die Voraussetzungen vorliegen, dass über das Amtsgericht ein Betreuer bestllt wird und beantragt dies auch selbst.

So besteht zumindest die Möglichkeit eine evt. Mißbrauch aufzudecken und zukünftig zu verhindern.


Ich hoffe, Ihre Anfrage hinreichend beantwortet zu haben und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Christian Kah
Rechtsanwalt

www.net-rechtsanwalt.de
www.net-scheidung.de
www.online-einspruch.de
www.strom-und-gas.de
www.net-rechtsauskunft.de




Nachfrage vom Fragesteller 07.03.2006 | 13:02

Sehr geehrter Herr Kah,

vielen Dank für Ihre Antwort. Allerdings haben Sie überlesen,
dass meine Grosskusine inzwischen verstorben ist. Somit können wir nicht mehr in Erfahrung bringen, ob das Geld gegen Ihren Willen abgehoben wurde. Selbst wenn es mit ihrem Einverständnis geschah und ihm die Summe übergeben wurde (Beweislage mehr als schwierig), würde es sich um eine Schenkung handeln, von der das Finanzamt wohl nie etwas erfahren hat. Ich befürchte, dass es keine Möglichkeit gibt, ihn zur Offenlegung seiner Finanzen zu zwingen,um festzustellen, ob die abgehobenen Summen sich auf seine Konten wiederfinden. (Zumindest müsste er sich dem Finanzamt gegenüber verantworten.) Sollten Sie doch solch eine rechtliche Möglichkeit sehen, würde ich mich freuen, wenn Sie mich kurz benachrichtigen.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 07.03.2006 | 14:12

Ich möchte mich zunächst für die irrtümliche Annahme, Ihr Großcousine würde noch leben, entschuldigen aber es war der Anfrage nicht ganz so deutlich zu entnehmen.

Im Nachhinein dürfte es sicher schwierig sein, noch Ansprüche gegen den Begünstigten geltend zu machen. Dies insbesondere, da Sie wohl nicht als Erbe in betracht kommen und es damit an einer zivilrechtlichen Anspruchsgrundlage fehlen dürfte.

Strafrechtlich Relevantes kann sicher heute nur schwerlich nachgewiesen werden. Sollte es sich um Schenkungen gehandelt haben, wäre ggfl. tatsächlich eine Pflicht zur Zahlung von Schenkungssteuer entstanden. Ich bezweifle jedoch, dass sich die Geldflüsse heute noch nachvollziehen lassen. Die Großcousine kann dazu nichts mehr sagen und insofern kann der Begünstigte nach freiem Belieben Behauptungen aufstellen, welche nicht nachprüfbar wären.

FRAGESTELLER 30.12.1899 /5.0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 60078 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Ausführlich, verständlich und klar geschrieben. Sehr zufrieden. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Herr RA Vasel erschien mir sehr kompetent, da er auch bei angedachtem weiteren Verfahren meines Steuerberaters fundierte Bedenken, gerade paradoxerweise bezüglich eventuell sich daraus ergebender steuerlicher Nachteile, hatte ... ...
FRAGESTELLER
3,2/5,0
Ohne Paragraphenangabe, alles pi x Daumen, man hätte zb § 850d ZPO oder sowas erwähnen können, Frage wurde obendrein unvollständig beantwortet aber Alles in Allem eine kleine Übersicht, musste im Endeffekt trotzdem alles Nachschlagen ... ...
FRAGESTELLER