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Bachelor thesis

21. Juli 2019 19:22 |
Preis: ***,00 € |

Schule, Hochschule, Prüfungen


Zusammenfassung:

Plagiat in einer Bachelor-Thesis, Prüfungsmaßstab der Gerichte, Täuschung, fehlende Eigenleistung

Guten Tag,

Ein Freund von mir gab mir seine bereits abgegebene Bachelor Arbeit. Ich Übernahm fast die komplette Arbeit für meine thesis, habe jedoch fast 95% umformuliert und auch die Struktur meiner Arbeit verändert.

Kann dies als Plagiat auffallen?
Seine Bachelor Arbeit wurde an einen Universität abgegeben, meine wird an einer Fachhochschule abgegeben. Werden die Bachelorarbeiten überhaupt für andere Hochschulen zugänglich gemacht?

Ist dies ein Plagiat?

Sehr geehrte Fragestellerin, sehr geehrter Fragesteller,

herzlichen Dank für Ihre Anfrage und die darin übermittelten ersten Angaben zu Ihrem Sachverhalt. Ihre Stichworte sind kurz gehalten und dennoch spricht Ihre Darstellung bereits dafür, dass Sie ein Plagiat erstellt haben dürften, solange Sie den Urheber der Originalarbeit nicht in 95% Ihrer Arbeit als Quelle angeben. Geben Sie ihn entsprechend an, fehlt Ihrer Bachelor-Thesis die erforderliche eigenständige Prüfungsleistung. Aus beiden Gründen dürfte Ihre Thesis daher im Falle der Aufdeckung als ungenügend zu bewerten sein.

Um Ihnen einen Eindruck davon zu verschaffen, welchen Prüfungsmaßstab die Gerichte im "Fall der Fälle" anlegen, verweise ich auf eine aktuelle Entscheidung des Verwaltungsgerichts Bremen. Das Gericht hatte dort zwar über ein Plagiat in einer Promotionsarbeit zu entscheiden, die wesentlichen Leitlinien (Zitiergebot, Varianten des Plagiats, Umformulierungen, Versicherung als Täuschung des Prüfungsgremiums) dürften aber auf Ihre Prüfung zu übertragen sein. Das Gericht schreibt im Wortlaut:

Zitat:
aa) Der Kläger hat falsche Angaben zu einer wesentlichen Verleihungsvoraussetzung gemacht, indem er erklärt hat, er habe alle wörtlich oder sinngemäß übernommenen Gedanken als solche kenntlich gemacht.

(1) Eine wesentliche Verleihungsvoraussetzung ist – wie durch die zweite Tatbestandsllennachweis (Fußnote 426) als auch Anführungszeichen als Kennzeichnung der wörtlichen Übernahme.

Der Kläger hat gegen die ihm bekannten Zitierpflichten bewusst verstoßen. Es handelt sich bei den Verstößen gegen Zitierpflichten nicht um Flüchtigkeitsfehler, sondern um ein systematisches und planmäßiges Vorgehen. Dafür sprechen zum einen die hohe Zahl der Verstöße und zum anderen der Umstand, dass es sich nicht lediglich um kleinere Unzulänglichkeiten der Zitierung handelt (vgl. VG Bremen, Beschluss vom 04.06.2013 – 6 V 1056/12 –, juris, Rn. 52).

Zuletzt ist die Behauptung des Klägers, die Fehler in der Zitierung hätten ihre Ursache darin, dass Herr Prof. Dr. … als der Betreuer der Doktorarbeit des Klägers im Prozess der Überarbeitung des Entwurfs der Doktorarbeit Textpassagen inklusive Fußnoten gestrichen habe, nicht geeignet, den Vorsatz zu verneinen. Das folgt bereits aus der Schilderung des Überarbeitungsvorgangs durch den Kläger in der mündlichen Verhandlung. Danach habe der Betreuer den Entwurf der Doktorarbeit kapitelweise erhalten. Er habe dann jeweils im Änderungsmodus von „Microsoft Word" Änderungsvorschläge und Kommentare gemacht. Eine Übernahme der Änderungen in die finale Doktorarbeit hat demnach eine Zustimmung des Klägers zu den Änderungsvorschlägen erfordert. Eine vom Kläger unbemerkte Änderung des Textes ist also selbst nach eigenem Vorbringen nicht erfolgt. Die Änderungsvorschläge haben auch keine Auswirkungen auf die Verantwortlichkeit des Klägers gehabt. Eine Doktorarbeit ist eine selbständige wissenschaftliche Arbeit, so dass deren Inhalt in der alleinigen Verantwortung des Doktoranden liegt.

Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass das Gericht im Übrigen ohne vernünftige Zweifel davon ausgeht, dass die Behauptung des Klägers, der Entwurf der Doktorarbeit habe keine Mängel in der Zitierung aufgewiesen, nicht der Wahrheit entspricht. Dass die unzureichenden Zitierungen auf das Handeln des Betreuers im Prozess der Überarbeitung des Entwurfs der Doktorarbeit zurückzuführen seien, hat der Kläger erstmals im gerichtlichen Verfahren geltend gemacht. Eine nachvollziehbare Begründung, warum er dies nicht früher geltend gemacht hat, konnte er in der mündlichen Verhandlung nicht geben. Auch handelt es sich bei dem Vorbringen des Klägers erkennbar um eine Behauptung „ins Blaue hinein". Der Kläger hat die Entwürfe der Doktorarbeit, die er an seinen Betreuer gegeben hat, dem Gericht nicht vorgelegt; nach seiner Aussage in der mündlichen Verhandlung besitze er die Dateien nicht mehr. Da knapp zehn Jahre nach der Erstellung der Doktorarbeit auszuschließen ist, dass der Kläger noch eine genaue Erinnerung an die Zitierung in den Entwürfen der Doktorarbeit hat, fehlt es an jeglicher Grundlage für die Behauptung des Klägers. Eine Befragung von Herrn Prof. Dr. … als Zeugen im Hinblick auf die Ermittlungspflicht nach § 86 Abs. 1 Satz 1 VwGO ist deshalb auch aus diesem Grund nicht erforderlich gewesen.

b) Die Ermessensausübung der Beklagten weist keinen Fehler nach § 114 Satz 1 VwGO auf. Die Beklagte hat das ihr zustehende Ermessen erkannt und ausgeübt; dabei hat sie auch mildere Mittel in Betracht gezogen. Ein Ermessensfehlgebrauch liegt ebenfalls nicht vor. Die Beklagte hat ihrer Entscheidung die wesentlichen Gesichtspunkte des Verfahrens zugrunde gelegt. Die von ihr als Plagiate bewerteten 31 Textstellen stellen tatsächlich Verstöße gegen die Zitierpflichten dar. In der Ermessensentscheidung ist auch die Schwere der Eingriffe in Grundrechte des Klägers berücksichtigt worden. Entgegen der Ansicht des Klägers kann zudem nicht davon ausgegangen werden, dass die Beklagte aus sachfremden Erwägungen gehandelt hat. Es bestehen insbesondere keine Anhaltspunkte dafür, dass die Beklagte mit der Entziehung des Doktorgrades die Absicht verfolgt hat, dem Kläger zu schaden und seine Arbeit im … zu entwerten. Zuletzt ist die getroffene Entscheidung nicht unverhältnismäßig. Dass die Beklagte den Schutz der Integrität des Promotionswesens höher als die betroffenen grundrechtlichen Positionen des Klägers bewertet hat, ist wegen der Schwere der Verstöße gegen die Zitierpflichten nicht zu beanstanden.


(VG Bremen, Urteil vom 26. Februar 2019 – 6 K 2334/18 –, Rn. 39 - 55, juris)

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit dieser ersten Antwort bereits weiterhelfen. Diese online-Beratung kann eine anwaltliche Erstberatung nicht ersetzen, aber Sie soll Ihnen einen ersten Eindruck von der Rechtslage vermitteln.

Mit freundlichen Grüßen

Robert Hotstegs
Rechtsanwalt

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