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Autokäufer (Ebay Auktion) weigert sich zu zahlen


| 01.11.2016 12:13 |
Preis: ***,00 € |

Vertragsrecht


Beantwortet von


Zusammenfassung: Auch Ebay-Auktionen sind Kaufverträge. Verträge sind von beiden Seiten zu erfüllen. Nachverhandeln geht grundsätzlich nicht. Wer den zahlungsunwilligen Käufer in Verzug setzt, kann jedoch den Rücktritt erklären.


Hallo,

ich habe ein Auto (Bastlerfahrzeug) bei Ebay verkauft. Der Käufer war heute da und weigerte sich zu zahlen, bzw es kam noch dreister:
Er behauptete es wären Preistreiber bei der Auktion gewesen und er würde nur sein niedrigstes Gebot bezahlen. Dies waren 870 EUR, das Auto wurde aber von ihm für 1555 ersteigert. Dies ist die Ebay Auktion: *****
Es hat wohl anscheinend schon ein anderer Bieter mehr geboten und danach sein Gebot wieder zurück gezogen, so dass der jetzige Käufer wieder Höchstbietender wurde. Aber es waren auch immer andere Bieter dabei z.B. bei 1450 EUR. Vielleicht wollte wirklich jemand sehen, wie hoch der jetzige Käufer gehen würde.

Mir geht es nicht darum den Käufer jetzt zu verklagen, ich würde nur ganz gerne wissen, wie ich die Auktion neu starten kann ohne dass der jetzige Käufer irgend welche Forderungen an mich stellen kann. Kann ich irgend wie als Verkäufer zurücktreten? Oder wie soll ich jetzt vorgehen?
01.11.2016 | 13:49

Antwort

von


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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Grundlage der Auktionen bei Ebay ist das Kaufrecht des BGB gemischt mit den Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Ebay. Sie als Verkäufer sagen mit einer Auktion, dass Sie einen Gegenstand, hier das Auto, anbieten und das Angebot des Höchstbietenden zu dessen Preis annehmen werden. Die AGB von Ebay regeln dabei die Mechanik hinter den Geboten und bestimmen unter anderem, dass ein selbst Bieten verboten ist und zu einem Scheingeschäft nach § 117 BGB führt.

In Ihrem Fall bedeutet das zunächst, dass der Käufer zu 1.555 € Ihr Angebot angenommen hat. Der Kaufvertrag ist damit zustande gekommen und wirksam. Problematisch ist seine Behauptung, dass ein höheres Gebot zurückgenommen wurde und nun wieder er als vorheriger Bieter Höchstbietender ist. Hier ist Ebay nicht eindeutig, und erklärt in § 6 Nr. 7 AGB nur, ein Vertrag komme nicht zustande. Ich konnte aber aus dem Auktionsverlauf zur Nummer 12219557... nicht herauslesen, dass das wirklich passiert ist.

Besteht ein Kaufvertrag, so können Sie sich nur unter besonderen Umständen davon lösen. Es gilt der Grundsatz Verträge sind zu erfüllen.

Ein erneuter Verkauf der Sache ist Ihnen zwar möglich, birgt aber das Risiko, dass der jetzige Käufer Sie auf Schadensersatz in Anspruch nimmt. Wenn der jetzige Käufer das Auto nicht bekommt, weil Sie nach einem weiteren Verkauf an einen anderen liefern. Der Schadensersatz berechnet sich nach dem tatsächlichen Wert der Sache und dem hier gebotenen Preis. Es kommt also sehr darauf an, wie viel das Auto wert ist. Erzielen Sie zum Beispiel in einer neuen Auktion 2.000 € so wäre das ein Indiz für den Wert und damit der Schadensersatz 450 €. Ansonsten wäre das ein Fall für einen Gutachter und könnte deshalb schon teuer werden.

Sie können sich von diesem Kaufvertrag lösen, wenn Sie zurücktreten (§ 323 BGB). Dieses Recht steht Ihnen aber nur zu, wenn der Käufer seine Leistung, hier den Kaufpreis zu zahlen, nach Fristsetzung nicht erbracht hat. sie können also den Käufer (am besten mit Einschreiben mit Rückschein oder unter Zeugen) auffordern, innerhalb einer angemessenen Frist zu zahlen. Zwei Wochen dürfte hier ausreichend sein. Zahlt er nicht, so können Sie mit einem weiteren Schreiben den Rücktritt erklären.

Es besteht trotz dieser Möglichkeit weiterhin das Risiko, dass der derzeitige Käufer klagt. Entweder auf Kauf zu 1.555 € oder nach seinem Vortrag auf 870 € oder auf Schadensersatz, wenn Sie besser weiterverkaufen. Das Risiko der Klage steht und fällt mit der Frage des Kaufvertragsschlusses, den ich als zu 1.555 € abgeschlossen sehe, und der Berechtigung Ihres Rücktritts.

Zusammengefasst: Der Kaufvertrag dürfte geschlossen sein. Verträge sind zu erfüllen oder der Rücktritt zu erklären. Dies setzt ein Recht hierzu voraus, was bei Zahlungsverweigerung trotz Frist bestehen dürfte. Risikolos ist keine Variante. Ich würde Ihnen dennoch raten, nach Abwägung der Risiken den Rücktritt zu versuchen.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen


Rechtsanwalt Stefan Pieperjohanns

Nachfrage vom Fragesteller 01.11.2016 | 14:35

Lieber Herr,

erst einmal VIELEN Dank für Ihre ausführliche Antwort. Leider weiß ich nicht ganz, ob ich das richtig herausgelesen habe:

Wenn ein Anderer mehr geboten hat und sein Gebot wieder zurück gezogen hat, ist kein Kaufvertrag zustande gekommen und ich kann mich auf den angesprochen § 6 Nr. 7 Ebay-AGB per Einschreiben berufen und das Auto (nachdem ich den Nachweis habe, dass die Gegenseite das Einschreiben erhalten hat) neu verkaufen? Ich würde dann die Ebay-Funktion des "Angebots an unterlegenen Bieter" nutzen. Die 100 EUR, die ich weniger erzielen würde wären mir egal.

Aufgrund Ihrer E-Mail ist mir aufgefallen, dass ich als Verkäufer (der Käufer auch) etwas genauere Daten zu dem zurückgezogenen Gebot sehen kann:
Zurückgenommen: EUR 1.601,00
Erklärung: Falscher Gebotsbetrag eingegeben
Geboten: 30.10.16 12:06:39 MEZ
Zurückgenommen: 30.10.16 12:17:12 MEZ
Von: toni77099 (305 Bewertungen)

Oder habe ich das falsch interpretiert und müsste trotzdem den zeitaufwendigeren Weg mit dem Rücktritt probieren?

Mein "Problem" ist, dass ich den Auktionserlös für einen neuen Wagen brauche und deshalb einen "unkomplizierten" und vor allem nicht so zeitaufwendigen Weg suche. Bei der Auktion habe ich mir nichts vorzuwerfen, es hat kein "Bekannter mitgeboten" oder so, es sind alles echte Gebote. Hätte somit auch nicht vor einer Klage der Käufers Angst, da er ja am Ende für die Kosten aufkommen müsste.

Nochmals vielen Dank für Ihre Bemühungen.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 01.11.2016 | 15:20

Sehr geehrter Fragesteller,

ich finde die AGB von Ebay im Punkt zurückgenommene Gebote uneindeutig. Aber ja, man kann das so wie Sie verstehen. Auslegung bedeutet Risko. Wenn Sie es so eilig haben, dann wägen Sie das Risiko, nicht auf eine Frist zu warten ab.

Zum Problem Preistreiber: in Ihrem Fall gibt es trotz Ihrer Versicherung Indizien für Preistreiberei. Der Nutzer T... tastet über Tage hinweg in Kleinschritten das Höchstgebot aus und zieht zurück, wenn er nur 51€ oder gut 3% überzieht. Laut Bietjournal von Ebay zu T... ist das nicht das erste Mal in naher Vergangenheit. Ein Gericht prüft Beweise und Indizien. Sie könnten also unterliegen, da für Sie nur Ihr Wort spricht, auch wenn es noch so wahr ist. Wenn Preistreiberei angenommen wird und Ihr derzeitiger Käufer klagt, dann ist der Schadensersatz Ihr neuer Verkaufspreis minus sein letztes wirksames Gebot. Also ein weiteres Risiko.

Ich rate weiterhin zu Frist und Rücktritt. Vielleicht versuchen Sie parallel den unterlegenen Interessenten für den Fall der Fälle zu erreichen und behelfen sich zwei Wochen ohne Auto. Geduld minimiert in Ihrem Fall das Risiko.

Mit freundlichen Grüßen
Rechtsanwalt

Pieperjohanns


Bewertung des Fragestellers 01.11.2016 | 16:27


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