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Auto-Versicherung

18.08.2017 19:33 |
Preis: ***,00 € |

Versicherungsrecht, Privatversicherungsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Silke Jacobi


Guten Tag,

am Samstag den 12.08. hatte ich einen Autounfall. Vor dem Ample fuhr ein Fahrzeug hinter mir ungebremst auf mein Fahrzeug auf.
Polizei war vor Ort und hat die Personalien aufgenommen. Die Schuldlage ist klar.
Seitens Gutachter wurde aber ein Totalschaden bewertet:
Wiederbeschaffungswert etw. 4800 EUR Ca.
Reswert: 2500 EUR Ca.
Reparaturkoste: 6800 EUR Ca.
Die Reparaturdauer 16 Tage

Da der Gutachter von Autohaus bestellt wurde und mir den Kauf eines neuen Autos nahegelegt wurde vermut ich, dass es
die Gutachtung nicht unbedingt zu meinem Vorteil war.
Ich möchte aber, dass mein Auto repariert wird.
Kann ich hierzu ein zweites Gutachten holen? Wird das auch von der Versicherung übernommen?
Kann ich das erste Gutachten wiedersprechen?
Kann ich überhaupt darauf bestehen, dass mein Fahrzeug repariert wird und nicht dafür bezahlt wird?

Das Fahrzeug ist zwar fahrtüchtig, funktionieren jedoch die hinteren Beleuchtungen nicht mehr. Kann ich das Auto stehenlassen und auf Kosten der Versicherung ein Leihwagen benutzen. Ich meine das außerhalb der 16 Tagen Reparaturdauer. Auf Grund dessen, dass das Fhrzeug nicht fahrischer ist.

Ich wurde mich freuen, wenn Sie meine Fragen beantworten und mir sagen, wie ich weiter verfahren soll.

Besten Dank und schöne Grüße
Seyed Saber

Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich auf Grundlage der von Ihnen mitgeteilten Informationen wie folgt beantworten möchte:

Ein wirtschaftlicher Totalschaden liegt vor, wenn die Reparaturkosten den Wiederbeschaffungswert übersteigen. Der BGH definiert den wirtschaftlichen Totalschaden wie folgt: Die Reparaturkosten übersteigen den Wiederbeschaffungsaufwand, wobei der Wiederbeschaffungsaufwand die Differenz aus Wiederbeschaffungswert abzüglich Restwert ist.

Im Gutachten werden die Reparaturkosten mit 6.800 Euro und der Wiederbeschaffungswert mit ca. 4.800 Euro angegeben. Damit übersteigen die Reparaturkosten deutlich die Kosten für ein Ersatzfahrzeug, sodass ein wirtschaftlicher Totalschaden gegeben ist.

Die Rechtsprechung unterscheidet allerdings bei einem wirtschaftlichen Totalschaden noch weiter, und zwar grob gesagt in die Fälle, in denen die Reparaturkosten bis 130% über dem Wiederbeschaffungswert liegen und in die Fällen, bei denen die Reparaturkosten über 130% über den Reparaturkosten liegen.

Es muss daher zuerst festgestellt werden, ab welchem Betrag die 130%-Grenze erreicht ist. Dazu gibt es folgende Berechnungen

130% des Wiederbeschaffungswertes (4.800 Euro) = 6.240,00 Euro
130% des Wiederbeschaffungsaufwands (4.800 Euro – 2.500 Euro Restwert) = 2.990 Euro

Die Reparaturkosten überschreiten hier sowohl den Wiederbeschaffungswert als auch den Wiederbeschaffungsaufwand deutlich über 130%. Es liegt damit ein wirtschaftlicher Totalschaden vor, der auch als solcher von der Versicherung reguliert wird.

Wird die 130%-Grenze überschritten, wie es hier der Fall ist, werden die Reparaturkosten von der Versicherung nicht mehr übernommen oder erstattet. Die Versicherung zahlt in diesen Fällen in der Regel nur noch den Wiederbeschaffungswert abzüglich des Restwertes aus.

Eine Reparatur des Fahrzeugs ist zwar bei Überschreiten der 130% Grenze nicht verboten, doch kann dann von dem Unfallgegner nicht verlangt werden, wenigstens die anteiligen Reparaturkosten bis 100% zu erstatten. Auch bei einer Reparatur wird nur der Wiederbeschaffungswert abzüglich des Restwertes von der Versicherung ersetzt.

Eine Ausnahme kann sich allerdings dann ergeben, wenn das Gutachten zunächst Reparaturkosten über 130% des Wiederbeschaffungswertes angenommen hat, die Reparaturkosten tatsächlich nachweislich – also nach Vorlage einer Rechnung – deutlich geringer ausfallen und sich im Toleranzbereich bis maximal 130% über dem Wiederbeschaffungswert befinden.

Kann nachgewiesen werden, dass die Reparatur fachgerecht und nach den Vorgaben des Gutachtens durchgeführt wurde und dass die Durchführung der Reparatur wirtschaftlich sinnvoll war, können die Reparaturkosten u. U. doch noch von der Versicherung erstattet verlangt werden. Das Fahrzeug muss anschließend aber noch mind. sechs Monate weiter genutzt werden.

Ihre Fragen lassen sich daher wie folgt beantworten:

1.
Sie können dem Gutachten zwar nicht direkt widersprechen, Sie können aber Einwände äußern. Dazu müssten Sie darlegen, warum und in welchen Punkten das Gutachten falsch ist oder warum die Reparaturkosten zu hoch angesetzt wurden etc. Hält die Versicherung die Einwände für bedeutsam, wird Sie dazu evtl. Stellungnehmen oder mit dem Gutachter Rücksprache halten. Wichtig ist, dass Sie Ihre Einwände belegen können.

2.
Sie können ein zweites Gutachten einholen, das dann möglichst von einer neutralen Stelle wie z. B. einen Sachverständigen, beim TÜV oder der DEKRA oder ähnlichen Institutionen erstellt werden sollte. Die Kosten für dieses zweite Gutachten müssten allerdings Sie zunächst selbst tragen.

3.
Sie können nicht darauf bestehen, dass das Fahrzeug repariert, dafür aber nicht bezahlt wird, da die Versicherung den Schaden ordnungsgemäß regulieren muss. Wenn Sie sich für eine Reparatur entscheiden, können Sie von der Versicherung allerdings nur den Wiederbeschaffungswert abzüglich des Restwertes verlangen, wenn Sie nicht ausnahmsweise nachweisen können, dass die Reparaturkosten doch noch niedriger ausfallen.

4.
Die Kosten für einen Miet- oder Leihwagen wird die Versicherung nur dann übernehmen, wenn Sie diese Kosten als notwendig nachweisen. Sie können für die Dauer einer Reparatur bzw. hier für die Dauer der Wiederbeschaffung vielleicht einen Mietwagen nutzen und für diese Zeit die Kosten bei der Versicherung zur Regulierung anmelden. Es ist aber nicht möglich, für unbestimmte Zeit auf Kosten der Versicherung einen Mietwagen zu nutzen und sich weder um eine Reparatur- noch um eine Wiederbeschaffung eines Ersatzfahrzeugs zu bemühen.


Wie Sie nun weiterverfahren wollen, müssen Sie letztlich selbst entscheiden.

Sie können das Fahrzeug unter den oben beschriebenen Voraussetzungen reparieren lassen und von der Versicherung den Wiederbeschaffungswert abzüglich Restwert verlangen. Evtl. können Sie für die Reparaturdauer auch die Kosten eines Mietwagens geltend machen. Lassen Sie das Fahrzeug reparieren, müssen Sie es aber auch noch sechs Monate fahren und die Reparatur muss fachgerecht und nach den Vorgaben des Gutachtens durchgeführt werden.

Sie können auch ein Ersatzfahrzeug beschaffen, wie es die Versicherung bzw. der Gutachter vorgeschlagen hat. Verkaufen Sie Ihr Fahrzeug, müssen Sie sich wahrscheinlich den Restwert anrechnen lassen.

Auf jeden Fall müssen Sie bei Ihrer Entscheidung berücksichtigen, dass Sie Ihr Fahrzeug nur dann weiterhin nutzen können und dürfen, wenn die Fahrsicherheit für Sie und die übrigen Verkehrsteilnehmer sichergestellt ist. Darüber hinaus müssen Sie bedenken, dass die Versicherung nur den Schaden reguliert. Das heißt, Sie dürfen dadurch nicht besser gestellt werden als vor dem Schadensfall.

Ich hoffe, Ihnen mit meiner Antwort eine Übersicht über die weiteren Handlungsoptionen und die rechtlichen Voraussetzungen gegeben zu haben. Bei Verständnisfragen nutzen Sie bitte die einmalige, kostenfreie Nachfrageoption auf diesem Portal.

Mit freundlichen Grüßen

Silke Jacobi
Rechtsanwältin


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