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Auszahlung des Pflichtteils - Wie errechnet sich der Pflichtteil?

18.10.2004 19:14 |
Preis: ***,00 € |

Erbrecht


Ich habe einige Fragen in Bezug auf den Pflichtteil.

Zur Erklärung: Mein Vater ist verstorben, wir sind insgesamt drei Kinder. Meinen Bruder hat er als Alleinerben eingesetzt, wir anderen beiden bekommen den Pflichtteil. Mein Vater besass ein Haus mit einem grossen Grundstück und einen kleinen Geldbetrag.

Wie errechnet sich der Pflichtteil? Bekommt mein Bruder als Alleinerbe die Hälfte und die anderen 50% werden zwischen mir und meinem Bruder aufgeteilt?

Mein Bruder hat sich zwar entschlossen das Haus und Grundstück zu verkaufen, möchte damit aber noch mindestens bis nächstes Jahr September warten. Da ich einige Neuanschaffungen machen muss, Auto, Wohnung etc. könnte ich das Geld vorher schon gut gebrauchen, kann ich von ihm verlangen mir das Geld auszuzahlen und wie lange muss ich ihm dafür Zeit geben?

Ich habe eine unabhängige Architektin mit einem Wertgutachten beauftragt (Schätzwert). Wenn ich jetzt von meinem Bruder die Auszahlung des Pflichtteils nach dem Gutachten verlange, und er nächstes Jahr das Haus mit einem höheren Gewinn verkauft, steht mir dann noch der restliche Betrag zu oder sind meine Ansprüche mit der Auszahlung bereits abgegolten?

Vielen Dank im voraus.

Sehr geehrte(r) Rechtssuchende(r),

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Ihre Angaben soweit als richtig und vollständig unterstellt ist folgendes zu sagen:

Sofern als gesetzliche Erben nur Sie und Ihre beiden Brüder in Betracht kommen, beträgt der gesetzliche Erbteil eines jeden von Ihnen 1/3 der Erbmasse.

Sofern Sie auf den Pflichtteil beschränkt sind, beträgt Ihr Anteil am Erbe wertmäßig die Hälfte des gesetzlichen Erbteils, in diesem Falle also 1/6.

Voraussetzung für die Berechnung Ihres Pflichtteilsanspruches ist die Kenntnis von Umfang und Wert des Nachlasses. Daher steht Ihnen gegen Ihren Bruder ein Auskunftsanspruch zu, § 2314 BGB. Ihr Bruder muss Ihnen ein Verzeichnis der Nachlassgegenstände und der Nachlassschulden zukommen lassen.

Maßgeblich ist hier der Verkehrswert (Verkaufswert) aller Nachlaßgegenstände, also auch des Hauses und des Grundstücks. Insbesondere die Wertermittlung bei Grundstücken und Häusern ist in der Praxis oft schwierig. Abzuziehen von diesen "Aktiva" sind die Nachlaßverbindlichkeiten, also die Schulden des Erblassers und die Kosten, die durch den Erbfall entstanden sind (Beerdigungkosten u. ä.).

In dieses Verzeichnis werden auch Schenkungen des Verstorben an den während der letzten zehn Jahre aufgenommen, da diese auf den Pflichtteilsanspruch angerechnet werden. Das gleiche gilt für ausgleichs- und anrechnungspflichtige Zuwendungen, die gegenüber den anderen Pflichtteilsberechtigten gemacht wurden.

Sollten Sie gegenüber Ihrem Bruder kein Vertrauen bezüglich der Richtigkeit der Auskunft haben, können Sie verlangen, dass das vermögen von der zuständigen Behörde oder einem Notar bestimmt wird. Die Kosten dafür fallen dem Nachlaß zur Last. Die entsprechenden Auskünfte könne Sie als Pflichtteilsberechtigte(r) auch vor Gericht einklagen.

Der Anspruch auf den Pflichtteil entsteht mit dem Erbfall und kann ab diesem Moment gegen den Erben geltend gemacht werden. Er verjährt binnen 3 Jahren ab Kenntnis des Erbfalles. Mit Auszahlung des Pflichtteils erlischt der ANspruch des Pflichtteilsberechtigten gegenüber dem Erben.

Ich hoffe, Ihnen damit weitergeholfen zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

Oliver R. Klein
Rechtsanwalt

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