Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
480.252
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Ausstieg Göttinger Gruppe


18.01.2007 14:31 |
Preis: ***,00 € |

Generelle Themen



Sehr geehrte Damen und Herren
Ausstieg Göttinger Gruppe.
Die Anlage ist von Herbst 2000 Einmaleinlage und monatliche Raten.
Da ich damals gewerbetreibend war, erhielt ich die Vermittlungsprovison
Ist ein Ausstieg noch möglich?
Gibt es ein Fehlverhalten der Göttinger Gruppe?
Gerne eine Rückmeldung auch nicht öffentlich
Bitte um Rückantwot

-- Einsatz geändert am 18.01.2007 17:35:50
Sehr geehrter herr Kolbert,

Anleger der Göttinger Gruppe können ihre Einlagen zurückverlangen und erhalten Schadensersatz.

Eine Vielzahl von Urteilen ist zwischenzeitlich zu Gunsten von Anlegern der Göttinger Gruppe/Securenta AG ergangen. Wer sich bei Unternehmen der "Göttinger Gruppe" als stiller Gesellschafter beteiligt hat, kann danach grundsätzlich von „seinem“ Anlageberater Schadensersatz und von der Beteiligungsgesellschaft seine Einlage zurückverlangen.

Falls der Anlageberater Ihnen Sicherheit und eine hohe Rendite versprach und es sich um leere Versprechen hanelte, verweise ich auf das Urteil des OLG Frankfurt (Urteil vom 15.07.2004 - 3 U 135/02) Es sprach einer Anlegerin Schadensersatz zu, da sie über die Risiken dieser Beteiligung nicht hinreichend informiert worden sei. Bei der in Verruf geratenen Göttinger Gruppe ist das wohl kein Einzelfall.
Zu Tausenden wurden Beteiligungen als atypisch stille Gesellschafter an der Göttinger Vermögensanlagen AG in den vergangenen Jahren vertrieben. Dargestellt wurden durch die Vermittler in der Regel nur die vermeintlichen Chancen, nicht jedoch die mit der Beteiligung verbundenen hohen Risiken mitgeteilt. Dabei droht nicht nur der Totalverlust der Einlage sondern sogar die Gefahr, über die geleistete Einlage hinaus zu Nachschüssen herangezogen zu werden. Der Anlagevermittler wäre verpflichtet gewesen, im Rahmen seiner Beratung auf diese möglichen Gefahren hinzuweisen. Die Aushändigung des Emissionsprospektes reichte hierzu in den Augen des OLG Franfurt nicht aus. Gerade bei einem sehr umfangreichen und unübersichtlichen Prospekt könne ein Vermittler nicht davon ausgehen, durch bloße Übergabe des Prospekts ausreichend informiert zu haben. Vielmehr, so die Frankfurter Richter, bedürfe es einer zusätzlichen mündlichen Information. Erschwerend kam in den Augen des OLG Frankfurt hinzu, daß der Vermittler nicht auf die negative Berichterstattung über die Göttinger Vermögensanlagen AG in den Medien hingewiesen hat. Auch dies Versäumnis sei geeignet, den Schadensersatzanspruch der Anleger zu begründen.

Die geleisteten Einlagen können Sie zurück erhalten, wenn der Vertrag nach dem 01.01.1998 geschlossen wurde und eine spätere Auszahlung des Guthabens in Form einer Rente vorsieht. Dies hat der Bundesgerichtshof in mehreren Urteilen, zuletzt mit Urteil vom 21.03.2005 - BGH II ZR 149/03 festgestellt. Auch das Landgericht Göttingen folgt inzwischen dieser Rechtsprechung. Weil die Zulässigkeit der Rentenzahlung nach dem neuen Kreditwesengesetz unklar war und ist, hätten die Unternehmen der Göttinger Gruppe ihre Anleger auf die Rechtslage hinweisen müssen. Wenn dieser Hinweis nicht erfolgt ist, haben die Anleger, ein Recht auf fristlose Kündigung und Rückzahlung ihrer Einlagen.
Falls das Modelle der "Göttinger Gruppe" vorsah, daß Anleger alle drei Jahre Beteiligungen an einem neuen "Unternehmenssegment" erwerben und nach Ablauf der Gesamtvertragslaufzeit von bis zu 40 Jahren eine Rente verlangen können, handelt es sich um eine unsichere Rechtslage.
Das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen untersagte der "Göttinger Gruppe" im Oktober 1999 die Durchführung dieses Rentenmodells, da dieses aufgrund einer Änderung des Kreditwesengesetzes zum 01.01.1998 unzulässig geworden sei. Die "Göttinger Gruppe", hätte über die unklare Rechtslage informieren müssen.
Die Anleger können ihre Einlagen in voller Höhe zurückfordern, unabhängig von deren aktuellem Wert, wenn die Rentenzahlung am Ende der Vertragslaufzeit von der "Göttinger Gruppe" als sicher dargestellt wurden, ohne daß auf die Möglichkeit einer Änderung der Rechtslage hingewiesen worden ist. Das dürfte in der Regel der Fall gewesen sein. Die Rückforderung ist jedoch nicht für Verträge möglich, die vor 1998 geschlossen wurden. Denn nach der alten Rechtslage war die Rentenzahlung zulässig.

Aber auch hinsichtlich der vor 1998 geschlossenen Verträge bestehen Chancen die Einlagen zuruckzufordern. Und zwar dann, wenn die Werber der "Göttinger Gruppe" den Anlageinteressenten die Risiken der Anlage verschwiegen oder dazu falsche Angaben gemacht haben. Sollte sich beispielsweise beweisen lassen, daß nach dem Anlagekonzept nur ein ganz geringer Teil der Anlegergelder für die Investitionstätigkeit bestimmt war und der weit überwiegende Teil die Kosten, wie etwa die Provisionen für die Werber und die allgemeinen Verwaltungskosten, abdecken sollte, wäre die "Göttinger Gruppe" zur Rückzahlung der Einlagen verpflichtet. In diesem Fall wäre ein Gewinn der Anleger unwahrscheinlich, ein Verlust dagegen wahrscheinlich gewesen. Auch darüber hätten die Anleger gegebenenfalls aufgeklärt werden müssen.

Sie müssen also prüfen, ob Sie über alle Risiken, die ich angeführt habe, ausreichend aufgeklärt wurde. Wenn Sie trotzdem den Vertrag eingehen wollten, wird eine vorzeitige Vertragsaufhebung auch gerichtlich kaum Durchsetzbar sein. Wurden Sie jedoch nicht ausreichend aufgeklärt, können Sie den Vertrag fristlos kündigen und die Einlage zurückverlangen. Sollte das von der "Göttinger Gruppe" abgelehnt werden, müssten Sie den Anspruch gerichtlich geltend machen und dürften nach dem genannten Urteil gute Erfolgsaussichten haben. Dazu ist es jedoch anzuraten, dann anwaltliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Ich hoffe, Ihnen mit dieser Aussage weitergeholfen zu haben.

Ich wünsche Ihnen viel Glück und verbleibe mit besten Grüßen

Hartmut Stoll
Rechtsanwalt

FRAGESTELLER 30.12.1899 /5.0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 60124 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Meine Frage wurde verständlich und ausführlich beantwortet. Vielen herzlichen Dank! ...
FRAGESTELLER
4,6/5,0
Klar und unumwunden im Ganzen zu empfehlen ! ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Die Antworten auf meine Fragen waren ausführlich und verständlich. ...
FRAGESTELLER