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Auskünfte u.a. zum Steuerrecht

15.02.2013 08:30 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von


Sehr geehrte Frau Rechtsanwältin, sehr geehrter Herr Rechtsanwalt,

im Zusammenhang mit der Gründung eines Einzelunternehmens (Kleinunternehmens) haben sich bei mir einige rechtliche Fragen ergeben. Darum möchte ich Ihnen den folgenden Sachverhalt schildern dürfen: Am 01.04.2013 beabsichtige ich die Gewerbeanmeldung (Onlinebüro) vorzunehmen. Über dieses Onlinebüro sollen zukünftig importierte Handelswaren aus Südamerika (Kolumbien) sowie Ostasien (Thailand und Indien) in Deutschland angeboten werden. Da ich selbst in Teilzeit beschäftigt bin, möchte ich das anzumeldende Unternehmen erst einmal in Form eines Kleingewerbes führen. Mein Ehemann ist bereits im Ruhestand (Frühpensionär). Er hat sich dazu bereit erklärt ohne Honorierungen die erforderlichen Wareneinkäufe im Ausland durchzuführen. Da es sich um hochwertige Handelswaren handelt, ist es erforderlich, die Wareneinkäufe selbst vorzunehmen. So können die zu erwerbenden Waren direkt vor Ort im Ausland auf die Echtheit und auf die Qualität beurteilt werden. Außerdem wird durch den persönlichen Transport der zu importierenden Waren die Verlust- und Beschädigungsgefahr ausgeschlossen. Weiterhin ist ein Transport durch ortsansässige Logistikunternehmen aufgrund meiner vorausgegangenen Rückfragen nicht zulässig. Auch wurde eine Anfrage bei einem international tätigen Werttransportunternehmen abgelehnt. Durch das Informations- und Wissensmanagement Zoll Dresden wurde mir bereits mitgeteilt, dass mein Ehemann für die Einfuhr nach Deutschland u.a. eine schriftliche von mir ausgestellte Vollmacht benötigt. Unter Schilderung des vorgenannten Sachverhalts möchte ich um die Beantwortung der folgenden Fragen bitten:

1) Sind die Reisekosten unter Berücksichtigung des o.g. Sachverhalts (z.B. das erforderliche Flugticket, Übernachtung, Verpflegung sowie An- und Abfahrt zu bzw. von dem Zielorten zum Flughafen) steuerrechtlich absetzbar und – falls ja – ggfls. über welchen Zeitraum und in welcher prozentualer Höhe der entstehenden Gesamtkosten? Existieren zu der vorgenannten Frage Ihrer Kenntnis nach ggfls. bereits rechtskräftige Entscheidungen / rechtswirksame Vergleiche, die von Gerichten erlassen wurden und einen gleichgelagerten Sachverhalt beinhalten? Sollte dieses der Fall sein, so bitte ich höflich um die Bekanntgabe von mindestens einem Geschäftszeichen sowie die Angabe der aktenführenden Behörde, die diese Entscheidung erlassen hat.
2) Ist es ebenfalls für die Finanzbehörde ausreichend, wenn lediglich eine auf meinen Ehemann lautende Vollmacht meinerseits für die Zollabfertigung ausgestellt wird, oder sollte aufgrund der Rechtssprechung ggfls. noch eine separate schriftliche Vollmacht für das Finanzamt – insbesondere für den Fall einer späteren Betriebsprüfung –ausgestellt werden, dass ich meinen Ehemann dazu ermächtigt habe, die erforderlichen Reisen durchzuführen, um die im Ausland notwenigen Wareneinkäufe sowie die Durchführung des Importes für meinen Geschäftsbetrieb durchzuführen?
3) Existieren zur Frage 2) Ihrer Kenntnis nach ggfls. rechtskräftige Entscheidungen bzw. rechtswirksame Vergleiche, die von bundesdeutschen Gerichten erlassen wurden und einen gleichgelagerten Sachverhalt beinhalten? Sollte dieses der Fall sein, so bitte ich höflich um die Bekanntgabe von mindestens einem Geschäftszeichen sowie die Angabe der aktenführenden Behörde, die diese Entscheidung erlassen hat.

4) Bin ich prinzipiell aufgrund der geltenden gesetzlichen Bestimmungen sowie der aktuellen Rechtssprechung verpflichtet in meinen Onlineauktionen die allgemeinen Geschäftsbedingungen anzugeben oder könnte darauf ggfls. verzichtet werden?

Zu Ihrem weiteren Verständnis des Sachverhalts darf ich Ihnen informativ mitteilen, dass sich das Onlinebüro aufgrund der bereits erteilten Baugenehmigung des Bauordnungsamtes in der von meinem Ehemann und mir selbst genutzten Eigentumswohnung befinden wird. Die Baugenehmigung wurde unter der Auflage erteilt, dass zukünftiger Kundenverkehr nur außerhalb der Wohnung stattfinden darf. Somit werden die Räumlichkeiten zukünftig sowohl privat als auch gewerblich genutzt bedingt durch das Onlinebüro. Das im Wohnungsgrundbuch eingetragene Eigentumsverhältnis beträgt 50 % : 50 %. Mein Ehemann hat einen auf seinen Namen lautenden Vertrag für die Stromversorgung der Wohnung abgeschlossen. Dieser laufende Vertrag ist für private Haushalte vorgesehen. Es ist lediglich ein Stromzähler für die Wohnung vorhanden. Zur Zeit ist es aus Kostengründen nicht beabsichtigt einen weiteren Stromzähler lediglich für die gewerbliche Nutzung zu installieren. Der Stromanbieter wurde bereits in schriftlicher Form über die zukünftige teilgewerbliche Nutzung der Eigentumswohnung informiert. Die Rückäußerung des Stromanbieters ergab, dass der bestehende Privatbezug für die Energielieferung zukünftig auch für die nun bald teilweise betrieblich genutzten Räumlichkeiten weiterhin zu den bisherigen Konditionen erfolgen kann. Weiterhin ist an die Verwaltung der Wohnungsgesellschaft monatlich ein Hausgeld zu zahlen. Dieses Hausgeld beinhaltet die folgenden Leistungen: Gasversorgung, Warm- und Kaltwasserversorgung, Abwasserentsorgung, anfallende Reparaturen im Haus sowie in der Wohnung, Entsorgung der Abfälle, Gartenpflege sowie Rücklagen. Zu dem von mir weiterhin geschilderten Sachverhalt bitte ich höflich um die Beantwortung der weiteren folgenden Fragen:

5) Sind sowohl die Kosten für die Stromversorgung als auch die Kosten für das Hausgeld steuerrechtlich - zumindest anteilmäßig - absetzbar obwohl die Wohnung zukünftig sowohl teilweise privat als auch teilweise betrieblich genutzt wird?
6) Sind u.a. die zu Frage 5) genannten Kosten sowie die Zinsen für das Darlehen der Eigentumswohnung und die Grundsteuern erst MIT der Gewerbeanmeldung oder schon zum Zeitpunkt der Vorbereitungsphase, die bereits im Dezember 2012 begonnen hat, als „vorweggenommene Betriebsausgaben" steuerrechtlich absetzbar?
7) Existieren Ihrer Kenntnis nach bereits rechtskräftige bzw. rechtwirksame Entscheidungen in einer gleichgelagerten Fallentscheidung zur Frage 6)?
8) Ist es richtig, dass die bereits im vergangenen Jahr entstandenen Kosten (z.B. die zu entrichtenden Gebühren an das Bauordnungsamt, Einkauf der Bürogegenstände etc.) mit der noch vorzunehmenden Einkommenssteuererklärung für das Jahr 2012 geltend gemacht werden können?
9) Wie werden die bis zum 31.03.2013 entstehenden weiteren vorweggenommenen Betriebsausgaben steuerlich deklariert?
10) Bewirtungskosten sind zu 70 % steuerrechtlich absetzbar. Ist es ausreichend die Liquidation vorzulegen oder müssen ggfls. bei vorzunehmenden Bewirtungen auf einer separaten Erklärung auch Name und Anschrift der Kunden gegenüber der Finanzbehörde bekannt gegeben werden?
11) Werden Fahrten, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln innerhalb des Bundesgebietes zu Kunden vorgenommen werden, gegen Vorlage des Fahrausweises prinzipiell steuerrechtlich anerkannt, sowie die ggfls. entstehende Verpflegung? Sollte dieses der Fall sein: Welcher prozentuale Betrag ist steuerlich Absetzbar? Besteht auch hierbei ggfls. eine Verpflichtung gegenüber der Finanzbehörde, den Namen und die Anschrift des Kunden zu benennen oder ist die Vorlage des Fahrausweises ausreichend?
12) Kann das Honorar für die hier im Anwaltsforum erteilte rechtliche Auskunft ggfls. auch steuerrechtlich geltend gemacht werden?

Zum Abschluss geht es mir noch um den zu zahlenden Beitragservice an ARD, ZDF Deutschlandradio (GEZ). –Aufgrund meiner vorausgegangenen Anfrage an den Beitragsservice Köln in Bezug auf die Anmeldung des Kleingewerbes in der Eigentumswohnung wurde mir mitgeteilt – ich zitiere: „Auf die Anzahl der vorhandenen Rundfunkgeräte kommt es mit dem neuen Rundfunkbeitragsstaatsvertrag nicht an. Die Betriebsstätte ist anzumelden, wenn sie nur sich im Wohnbereich befindet und nur über die Wohnung erreichbar, ist es ein beitragsfreie Betriebsstätte in der Wohnung." Genau dieser Sachverhalt liegt hier vor. Die Betriebsstätte befindet sich in der Wohnung und ist nur über die Wohnung erreichbar. Meine weitere Frage dazu lautet:

13) Sind in diesem konkreten Einzelfall die zu zahlenden Gebühren für den Beitragsservice ganz oder zumindest teilweise steuerrechtlich Absetzbar, bedingt durch den Computer für das Onlinebüro, und wer sollte in vorliegendem Fall als Vertragspartner für den zu zahlenden Beitragsservice in Anspruch genommen werden? Hinweis: der derzeitige private Anbietervertrag (TV, Telefon, Internet) wird ab dem 01.04.2013 ein Businessvertrag, der das Internet, Telefax und das Telefon für das Büro beinhalten wird.

Für die hinreichende Beantwortung meiner vorgenannten Fragen möchte ich mich bei Ihnen bedanken.

15.02.2013 | 12:55

Antwort

von


(530)
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Web: http://www.rechtsanwalt-andreaswehle.de
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Sehr geehrte Fragestellerin,

Vielen Dank für die eingestellte Frage. Diese möchte ich aufgrund ihrer Sachverhaltsangaben und in Ansehung des Einsatzes wie folgt beantworten.

Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass dem auf Fragen bei „Frag-einen-Anwalt.de" antwortenden Anwaltes nur 2 Zeitstunden zur Verfügung stehen. Dies könnte somit bei der Vielzahl der hier gestellten Fragen Einfluss auf die Detailtiefe haben. Ich werde mich dennoch bemühen die Fragen eingehend zu behandeln.

1) Sind die Reisekosten unter Berücksichtigung des o.g. Sachverhalts (z.B. das erforderliche Flugticket, Übernachtung, Verpflegung sowie An- und Abfahrt zu bzw. von dem Zielorten zum Flughafen) steuerrechtlich absetzbar und – falls ja – ggfls. über welchen Zeitraum und in welcher prozentualer Höhe der entstehenden Gesamtkosten?

Grundsätzlich sind alle Kosten, die Sie für den Warenverkehr zu bestreiten haben steuerlich ansetzbar. Die von Ihnen gewählte Form ist ein wenig unüblich und wird daher in jedem Falle Fragen seitens des entscheidenden Finanzamtes nach sich ziehen. Hier wird es grundsätzlich auf Ihre Argumentation zu der Verfahrensweise und hinsichtlich der angefallen Kosten und der Kostenstruktur kommen. Auf Grund der Tatsache, dass dieses Verfahren, des ausschließlichen Selbsteinkäufers, äußerst ungewöhnlich ist, gibt es ich möchte sagen keine relevanten vergleichbaren Fälle in der bisherigen Rechtsanwendung. So dass auf entsprechende Erfahrungswerte nicht zurückgegriffen werden kann.

2) Ist es ebenfalls für die Finanzbehörde ausreichend, wenn lediglich eine auf meinen Ehemann lautende Vollmacht meinerseits für die Zollabfertigung ausgestellt wird, oder sollte aufgrund der Rechtsprechung ggfls. noch eine separate schriftliche Vollmacht für das Finanzamt – insbesondere für den Fall einer späteren Betriebsprüfung –ausgestellt werden, dass ich meinen Ehemann dazu ermächtigt habe, die erforderlichen Reisen durchzuführen, um die im Ausland notwenigen Wareneinkäufe sowie die Durchführung des Importes für meinen Geschäftsbetrieb durchzuführen?

Die Begründung Ihr Ehemann werde für Sie tätig unter Vorlage einer Vollmacht wird mit Sicherheit durch das Finanzamt argwöhnisch betrachtet werden. Denn Ihr Mann ist weder angestellt bei Ihnen, noch erhält er dafür eine vergleichbaren Vergütung.
Vollmachten dürfen Sie für Ihren Mann so viele ausstellen, wie Sie nur wollen. Entscheidender wird sein die Finanzverwaltung davon zu überzeugen, dass ihr Mann trotz der fehlenden Beauftragung gegen Entgelt so umfänglich für Sie tätig wird.
Die Beantragung der EORI Nummer in Dresden und deren Verwendung beim grenzüberschreitenden Warenverkehr in die EU kann durchaus mittels Vollmacht geschehen. Damit erklären Sie ja nur, dass ihr Mann berechtigt ist diese zu benutzen und die Waren für Ihr Unternehmen eingeführt werden.
Dem Finanzamt hingegen müssen Sie nachvollziehbar erklären, warum Sie das nicht durch Dritte erledigen lassen für das Marktübliche Entgelt.

3)  Nein, auch nach kurzer Recherche innerhalb der verfügbaren Beantwortungszeit war diesbezüglich nichts zu finden.

4) Bin ich prinzipiell aufgrund der geltenden gesetzlichen Bestimmungen sowie der aktuellen Rechtsprechung verpflichtet in meinen Onlineauktionen die allgemeinen Geschäftsbedingungen anzugeben oder könnte darauf ggfls. verzichtet werden?

Sie sind nie verpflichtet AGB´s zu verwenden.
Wenn Sie jedoch wiederkehrende formularmäßige einseitig bestimmte Vertragsbedingungen (AGB) verwenden wollen, MÜSSEN diese vor bzw. bei Vertragsabschluss vorliegen. Sonst werden diese nicht Vertragsbestandteil.

5) Sind sowohl die Kosten für die Stromversorgung als auch die Kosten für das Hausgeld steuerrechtlich - zumindest anteilmäßig - absetzbar obwohl die Wohnung zukünftig sowohl teilweise privat als auch teilweise betrieblich genutzt wird?

Soweit kein übermäßiger regelmäßiger Kundenverkehr stattfindet war die Anzeige einer teilgewerblichen Nutzung ihrer Eigentumswohnung bei den verschiedenen Stellen nach meinem Verständnis entbehrlich.

Zur Frage: Sie sollten den oder die Räume der gewerblichen Nutzung aus den privat genutzten Räumlichkeiten generell ausgliedern. Beispiel haben Sie in Ihrem (häuslichen) Arbeitszimmer eine Couch zu stehen, so werden Sie unter Umständen bei der Beurteilung, ob dies ein Arbeitszimmer sei, Schwierigkeiten haben. Eine klare Trennung ist hier von Vorteil bei der anteiligen Umlage der dafür anfallenden Kosten für Räumlichkeiten, Energie und dergleichen. Die Räumlichkeiten stellen zwar kein häusliches Arbeitszimmer dar, jedoch werden grundsätzlich die gleichen Regelungen zur Anwendung kommen. In wie weit auch die anrechenbare Kostengrenze von jährlich nur 1.250 Euro zum Tragen kommt bleibt mit der Finanzverwaltung zu klären, da hier Räume aus dem Privatbereich in den Gewerbebereich ausgegliedert wurden. Ich verweise hier noch einmal auf die o.g. strikte Trennung derer Räumlichkeiten.

6) Sind u.a. die zu Frage 5) genannten Kosten sowie die Zinsen für das Darlehen der Eigentumswohnung und die Grundsteuern erst MIT der Gewerbeanmeldung oder schon zum Zeitpunkt der Vorbereitungsphase, die bereits im Dezember 2012 begonnen hat, als „vorweggenommene Betriebsausgaben" steuerrechtlich absetzbar?

Kosten sind Kosten, daher sollten auch Zinsen für das Darlehen der Anschaffung anteilig Anerkennung finden. Der maßgebliche Zeitpunkt ist der Anrechenbarkeit von entstandenen Kosten ist der an dem Sie sagen „jetzt geht’s los" und ihrem erstmaligen Auftritt als Unternehmer nach außen. Beispielsweise mit dem Gang zum Notar, der Bank für eine Kontoeröffnung oder aber dem Finanzamt zur Anzeige der selbstständigen Tätigkeit.
Die Gewerbeanmeldung ist nur ordnungspolitisches Mittel, dass letztlich prüft, ob Sie als Unternehmer geeignet sind das Gewerbe auszuüben und ob das Gewerbe genehmigungsfähig ist.

7)

8) Ist es richtig, dass die bereits im vergangenen Jahr entstandenen Kosten (z.B. die zu entrichtenden Gebühren an das Bauordnungsamt, Einkauf der Bürogegenstände etc.) mit der noch vorzunehmenden Einkommenssteuererklärung für das Jahr 2012 geltend gemacht werden können?

Soweit diesen Beschaffungen für das Unternehmen mehr als nur vage Planungen vorausgehen und erkennbar ist, dass hier bereits an der Umsetzung der Gründung einer Unternehmung vollzogen wird, dürfte es hier keine Schwierigkeiten bei der steuerlichen Anerkennung der Anschaffungs- und weiteren Kosten geben.

9) Wie werden die bis zum 31.03.2013 entstehenden weiteren vorweggenommenen Betriebsausgaben steuerlich deklariert?

Sonderausgaben für Vorbereitungskosten zu Unternehmung xyz

Wichtig ist hier, dass ein zeitlicher Zusammenhang zur Geschäftsgründung besteht und auch mehrere Vorbereitungshandlungen aufeinander den Weg bis zur Geschäftsaufnahme nachvollziehbar darstellen.

10) Bewirtungskosten sind zu 70 % steuerrechtlich absetzbar. Ist es ausreichend die Liquidation vorzulegen oder müssen ggfls. bei vorzunehmenden Bewirtungen auf einer separaten Erklärung auch Name und Anschrift der Kunden gegenüber der Finanzbehörde bekannt gegeben werden?

Bewirtungskosten sind ein Thema für sich, hier wurde viel getrickst, so dass die diesbezüglichen Regelungen sehr strikt einzuhalten und nachzuweisen sind.
Soweit Sie vorsteuerabzugsberechtigt sind, können Sie diese zu 100% geltend machen. Vom Nettobetrag sind 30% als Unternehmerkosten nicht abzugsfähig und werden gesondert gebucht. Die restlichen 70% der Nettokosten werden als Aufwendungen verbucht.
Der entsprechende Beleg muss enthalten, die Daten über Ort, Tag, den Gastgeber, die Gäste (vollständig mit Adresse, Unternehmen – am besten machen sich dabei Visitenkarten), der Anlass der Bewirtung, die Höhe der Bewirtungskosten, Trinkgelder, Ort und Datum sowie die Unterschrift des Bewirtenden/Gastgebers.
Dazu sind unter dem Stichwort „Bewirtungsbeleg" zahlreiche Beispiel im Netz verfügbar.

11) Werden Fahrten, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln innerhalb des Bundesgebietes zu Kunden vorgenommen werden, gegen Vorlage des Fahrausweises prinzipiell steuerrechtlich anerkannt, sowie die ggfls. entstehende Verpflegung? Sollte dieses der Fall sein: Welcher prozentuale Betrag ist steuerlich Absetzbar? Besteht auch hierbei ggfls. eine Verpflichtung gegenüber der Finanzbehörde, den Namen und die Anschrift des Kunden zu benennen oder ist die Vorlage des Fahrausweises ausreichend?

Ja, jegliche Fahrten egal auf welche Weise sind unabhängig von den entstehenden Kosten steuerlich anzuerkennen, soweit Sie nachweisen können, dass hierfür ein unternehmerischer Zweck vorliegt. Eine Benennung des Kunden wird dabei unerlässlich sein.
Der entsprechende Verpflegungsmehraufwand gehört nach den allgemeinen Regeln dazu.

12) Kann das Honorar für die hier im Anwaltsforum erteilte rechtliche Auskunft ggfls. auch steuerrechtlich geltend gemacht werden?

Selbstverständlich sind die hier entstehenden Kosten Rechtsberatungskosten im Hinblick auf die bevorstehende Geschäftseröffnung anzurechnen. Sie könne auch weitere Beratungen diesbezüglich durchführen und diese steuerlich ansetzen. Alles was erforderlich ist für die Gründung und die Unterhaltung der Unternehmung sind ansetzbare Kosten.

13) Sind in diesem konkreten Einzelfall die zu zahlenden Gebühren für den Beitragsservice ganz oder zumindest teilweise steuerrechtlich Absetzbar, bedingt durch den Computer für das Onlinebüro, und wer sollte in vorliegendem Fall als Vertragspartner für den zu zahlenden Beitragsservice in Anspruch genommen werden?

Schwierig zu beurteilen, da der noch sehr neue „Beitrag" noch nicht so recht klassifiziert ist was er denn nun sein soll. Er hat den Charakter einer Steuer, wird aber als Beitrag oder Gebühr bezeichnet. Nach meiner rechtlichen Einschätzung ist er aufgrund der derzeitigen gesetzlichen Grundlage eine unzulässige Steuer.
Ich kann hier nur sagen versuchen Sie es, diese zumindest hälftig als Kosten in das Unternehmen einzubringen.
Bei Telefonkosten achten Sie bitte darauf, dass Sie entweder die entstandenen Telefonkosten pauschal nur zu 50% ansetzen oder nach Einzelverbindungsnachweis konkret abrechnen, wobei die Grundgebühr nach dem Anteil der durchgeführten geschäftlichen Telefonate abzurechnen ist oder aber Sie haben mehr als nur ein Telefon und können hier die Kosten des geschäftlich genutzten Telefons zu 100% ansetzen beachten Sie hier jedoch dass Sie hier tatsächlich nur geschäftlich telefonieren. Bei einer Prüfung sollten hier keine EVN vorliegen aus denen private Kontakte hervorgehen, dies würde ggf zu gar keiner Anrechnung führen.


Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen
Andreas Wehle, Rechtsanwalt


Rechtsanwalt Andreas Wehle

Rückfrage vom Fragesteller 14.04.2013 | 14:03

Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt,

erst einmal möchte ich mich bei Ihnen für die für mich persönlich gut verständliche Beantwortung der Fragen vom 15.02.2013 bedanken. Da ich bis vor kurzem noch im Ausland aufhältig war, komme ich erst jetzt dazu die Möglichkeit der einmaligen Nachfrage zu nutzen. Dieses bitte ich höflich zu entschuldigen.

In Ihrer o.g. Antwort schreiben Sie in Beantwortung der Frage 5 – Zitat "Sie sollten den oder die Räume der gewerblichen Nutzung aus den privat genutzten Räumlichkeiten generell ausgliedern". Weiterhin darf ich zitieren „Eine klare Trennung ist hier von Vorteil bei der anteiligen Umlage der dafür anfallenden Kosten für Räumlichkeiten, Energie und dergleichen". Zu Ihrem besseren Verständnis darf ich Ihnen kurz mitteilen, dass die Baugenehmigung durch das Bauordnungsamt zur teilweisen Nutzungsänderung für gewerbliche Zwecke zur Führung des Onlinebüros erteilt wurde. Ohne diese Genehmigung hätte die Gewerbeanmeldung wiederum nicht vorgenommen werden können, laut Auskunft des Ordnungsamtes im Jahr 2011. Auch darf ich Ihnen bitte mitteilen, dass das Büro ausschließlich über den privat genutzten Teil der Wohnung erreichbar ist, da eine weitere Möglichkeit – schon alleine aus baurechtlichen Gründen – nicht in Betracht kommt. Der gewerblich genutzte Teil der Eigentumswohnung ist eindeutig als Bürofläche erkennbar. Zuvor noch privat genutzte Gegenstände, wie z.B. die von Ihnen genannte Couch, um die Umlagefähigkeit bei der Finanzbehörde erreichen zu können.

Unklar ist mir allerdings folgendes: Die Wohnung bildet eine Einheit als privat und gewerblich genutzter Teil z.B. bei den monatlichen Stromkosten, bei den monatlich zu zahlenden Baudarlehen für die Zinsen, das Hausgeld (z.B. für die Heizkosten) oder auch die vierteljährlich anfallenden Grundsteuern. Leider lässt sich z.B. für den gewerblich genutzten Teil der Wohnung kein separater Stromzähler nachträglich einbauen, um einen einwandfreien Nachweis zwischen gewerblich und privat genutztem Teil gegenüber dem Finanzamt zu erbringen. Dieses gilt auch beispielsweise für das Hausgeld – u.a. die Heizkosten und die Grundsteuern. In Ihrer Antwort vom 15.02.2013 sprechen Sie von einer umzulegenden Kostengrenze, die ggfls. von jährlich 1250,- Euro zu tragen kommt und mit der Finanzverwaltung zu klären ist. Nach den mir bisher vorliegenden Informationen soll es aber – neben der o.g. Kostengrenze – auch die Möglichkeiten geben, dass a) ein bestimmter Prozentsatz der Gesamtaufwendungen steuerrechtlich anerkannt werden kann oder b) die weiter Möglichkeit, dass die Anzahl der gewerblich genutzten Quadratmeter anrechenbar sind. Meine Nachfrage dazu lautet: Finden sowohl die von Ihnen genannte Variante als auch die Variationen a) und b) aufgrund der geltenden Rechtssprechung in vergleichbaren Fällen durch die Finanzbehörde ebenfalls entsprechende Anwendung und gibt es dafür ggfls. rechtswirksame bzw. rechtskräftige Entscheidungen, dass diese Optionen in der gängigen Praxis entsprechend anzuwenden sind?

Schon jetzt möchte ich mich bei Ihnen für die Beantwortung der Nachfrage bedanken.

Freundliche Grüße nach Aachen

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 14.04.2013 | 15:37

Sehr geehrte Fragestellerin,

gern beantworte ich die nachträgliche Frage.

Ich entschuldige mich für die aufgetretenen Unklarheiten. Der erwähnte Betrag In Höhe von 1250 Euro bezieht sich auf die Geltendmachung eines häuslichen Arbeitszimmers und hat rein gar nichts mit wie im Ihrem Fall einer teilgewerblichen Nutzung zu tun.

Die Frage nach der Verteilung der teils privaten und gewerblichen Kosten möchte ich gern an Sie zurückgeben. Es kommt nicht darauf an, welche der beiden Varianten Sie nehmen müssen, Sie müssen sich nur einen für Ihre Verhältnisse passenden Verteilungsschlüssel ausdenken und diesen notfalls vor der Finanzverwaltung nachvollziehbar erklären und fortan unverändert nutzen. Nehmen Sie Prozente, wenn dies Ihren Verhältnissen am besten entspricht, oder aber nach Quadratmetern falls dies die Situation besser erfasst. Solange die von Ihnen gewählte Art und Weise der Kostenverteilung nicht völlig abwegig ist, kann die Finanzverwaltung hiergegen nichts sagen.

Mit freundlichen Grüßen
Andreas Wehle
Rechtsanwalt /Aachen

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