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Aufstockungsunterhalt -Mehrverdienst anrechnen lassen?


13.04.2005 19:57 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Stefan Steininger



Ich möchte mich scheiden lassen. Mein Mann verdient netto ca. 3400 €, ich arbeite halbtags und verdiene ca. 650 €.Steht mir nach einer Scheidung Aufstockungsunterhalt zu? Wenn ich nach der Scheidung ganztags arbeite, muss ich mir dann meinen Mehrverdienst voll auf den evtl. Aufstockungsunterhalt anrechnen lassen oder werden dann beide Gehälter zusammengezählt und daraus der Aufstockungsunterhalt berechnet?

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Sehr geehrte Fragestellerin,

vielen Dank für Ihre Anfrage, diese möchte ich an Hand Ihrer Angaben wie folgt beantworten:

Wie Sie sicherlich wissen, ist nach der Scheidung jede Ehegatte für sich selbst verantwortlich. Nur wenn besondere Umstände vorliegen, ist nachehelicher Unterhalt zu leisten.

Für Sie ist der Aufstockungsunterhalt in § 1573 BGB geregelt:


1) Soweit ein geschiedener Ehegatte keinen Unterhaltsanspruch nach den §§ 1570 bis 1572 hat, kann er gleichwohl Unterhalt verlangen, solange und soweit er nach der Scheidung keine angemessene Erwerbstätigkeit zu finden vermag.
(2) Reichen die Einkünfte aus einer angemessenen Erwerbstätigkeit zum vollen Unterhalt (§ 1578) nicht aus, kann er, soweit er nicht bereits einen Unterhaltsanspruch nach den §§ 1570 bis 1572 hat, den Unterschiedsbetrag zwischen den Einkünften und dem vollen Unterhalt verlangen.
(3) Absätze 1 und 2 gelten entsprechend, wenn Unterhalt nach den §§ 1570 bis 1572, 1575 zu gewähren war, die Voraussetzungen dieser Vorschriften aber entfallen sind.
(4) Der geschiedene Ehegatte kann auch dann Unterhalt verlangen, wenn die Einkünfte aus einer angemessenen Erwerbstätigkeit wegfallen, weil es ihm trotz seiner Bemühungen nicht gelungen war, den Unterhalt durch die Erwerbstätigkeit nach der Scheidung nachhaltig zu sichern. War es ihm gelungen, den Unterhalt teilweise nachhaltig zu sichern, so kann er den Unterschiedsbetrag zwischen dem nachhaltig gesicherten und dem vollen Unterhalt verlangen.
(5) Die Unterhaltsansprüche nach Absatz 1 bis 4 können zeitlich begrenzt werden, soweit insbesondere unter Berücksichtigung der Dauer der Ehe sowie der Gestaltung von Haushaltsführung und Erwerbstätigkeit ein zeitlich unbegrenzter Unterhaltsanspruch unbillig wäre; dies gilt in der Regel nicht, wenn der Unterhaltsberechtigte nicht nur vorübergehend ein gemeinschaftliches Kind allein oder überwiegend betreut hat oder betreut. Die Zeit der Kindesbetreuung steht der Ehedauer gleich.


Wie Sie sehen, steht Ihnen de Unterhalt NUR dann zu, wenn Sie den Lebensstandard mit einer eigenen Erwerbstätigkeit (vollzeitig) nicht bestreiten können.

Sie müssen also zunächst für sich selbst sorgen und Ihr Einkommen voll anrechnen.

Eine genaue Berechnung oder Bewertung kann hier im Forum auf Grund der Komplexität nicht erfolgen. Sprechen Sie dies mit Ihrem Scheidungsanwalt durch. Sollten Sie noch keinen Kollegen mandatiert haben, stehe ich Ihnen selbstverständlich auch im Scheidungsverfahren zur Verfügung.

Ich hoffe, Ihre Frage umfassend und zu Ihrer Zufriedenheit beantwortet zu haben. Für das entgegengebrachte Vertrauen bedanke ich mich recht herzlich.

Mit freundlichen Grüßen


Stefan Steininger
Rechtsanwalt

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