Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Aufhebungsvertrag besser als Kündigung? (Mobbingfall)

25.04.2012 17:21 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Jan Wilking


Seit April 2010 bin ich bei einer Firma tätig.(unbefristeter Vertrag).
Auf Aufforderung meines Chefs musste ich (ca. seit einem Jahr), bevor ich den internen Kunden benachrichtige dass dessen Anfrage bearbeitet worden ist (Ich arbeite im IT bereich),meine Arbeit von meinen Kollegen kontrollieren lassen.
Meine Arbeit wurde täglich kritisiert
Fast jedesmal wurde auf angebliche fehler hingewiesen worauf ich jedesmal den Gegenbeweis via mail lieferte. Die Sachen die bei mir als Fehler beanstandet worden sind, wurden bei meinem Kollegen toleriert. (Die Kommunikation lief immer über mehrere Mails,dies habe ich alles in Kopie)
Ich wurde als Lügnerin in mail beschimpft, und Kollegen ausserhalb der Abteilung wurden ebenfalls als Kopie in mail genommen. Obwohl ich den Gegenbeweis lieferte dass ich im ComputerSystem nichts ändert habe, ist von d Seite meines Chefs nicht erfolgt.
Der Chef war immer mit aufs Kopie in den Mails die mir meine beiden Kollegen schickte.
Da einzelne Gespräch mit d Kollegen keine Besserung brachte, bat ich den Chef vor mehreren Monaten um ein Gespräch mit ihm und den beiden Teammitgliedern für die Klärung dieser Situation. Mein Vorgesetzter hat den Termin immer wieder abgesagt oder immer weiter nach hinten verschoben, dass ein Gespräch innerhalb des Teams nie stattgefunden hat. Diese Situation dauerte ca. 1 Jahr.
Anfang letzter Woche habe ich meinen Vorgesetzten erneut um ein Gespräch im Team gebeten .2 Tage später wurde ich zur Personalabteilung gerufen und mir wurde die Kündigung mit der Begründung auf fehlerhaftes Arbeiten sowie d grund dass ich nicht im Team passe.

Ich habe 2 Fragen bezüglich meiner Situation:
Die Firma hat mir angeboten einen Aufhebungsvertrag zu machen, das Arbeitsverhältnis würde bis Ende Juni gehen, d.h das Gehalt für Mai und Juni wird bezahlt und ich erhalte zusätzlich einen Abfindung von einem Monatsbruttogehalt.Die Firma sagte als Arbeitnehmer wäre es besser für mich als Kündigung bei künftige Bewerbungen.
Würden Sie mir empfehlen dies anzunehmen?
Desweiteren habe ich die Kopien aller mails mit den persönliche Angriffen sowie Gegenbeweise für mein „fehlerhaftes arbeiten" die mir vorgeworfen wurde.
Meine zweite Frage ist , würden Sie mir empfehlen gerichtlich (Mobbing) dagegen vorzugehen oder dafür zusätzlich eine höhere Abfindung diesbezüglich von d Firma zu verlangen?(Mir liegt die Kopie aller Mails fehlerhaftes Arbeiten vorweist).Es hat mich gesundheitlich auch beschädigt
Würden Sie mir empfehlen das Angebot v der Firma anzunehmen?

Mit freundlichen Grüssen

Sehr geehrte Ratsuchende,

gerne beantworte ich Ihre Anfrage unter Berücksichtigung Ihrer Sachverhaltsschilderung und Ihres Einsatzes wie folgt:

Ob ein Aufhebungsvertrag hier ein sinnvolle Alternative darstellt, hängt nicht zuletzt davon ab, ob Sie nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses sofort eine andere Beschäftigung finden würden oder aber auf Ersatzleistungen (z.B. Arbeitslosengeld) angewiesen wären. Denn bei einer Beendigung durch Aufhebungsvertrag besteht immer das Risiko, dass die Agentur für Arbeit eine Sperre verhängt. Daher sollte in diesen Fällen ein Aufhebungsvertrag erst nach Absprache mit dem zuständigen Sachbearbeiter bei der Agentur für Arbeit unterschrieben werden; dabei sollte die ständige Schikane durch den Chef und die Kollegen unbedingt mitgeteilt werden.

Zudem stellt sich die Frage, ob Ihnen tatsächlich wirksam gekündigt werden könnte. Wenn das Kündigungsschutzgesetz anwendbar ist (Ihr Arbeitgeber also mehr als 10 Arbeitnehmer beschäftigt), ist eine Kündigung nur dann sozial gerechtfertigt, wenn sie durch in der Person oder im Verhalten des Arbeitnehmers liegende Gründe oder durch dringende betriebliche Erfordernisse bedingt ist. Eine verhaltensbedingte Kündigung dürfte in Ihrem Fall aber ausscheiden, da Sie das vorgeworfene fehlerhafte Verhalten widerlegen können. Zudem erfordert eine solche Kündigung grundsätzlich eine vorherige förmliche Abmahnung, die auch nicht vorzuliegen scheint. Für betriebsbedingte Gründe für eine Kündigung scheint es ebenfalls keine Anhaltspunkte zu geben.

Zumindest bei Anwendbarkeit des Kündigungsschutzgesetzes dürfte es dem Arbeitgeber daher nach Ihrer Schilderung kaum möglich sein, Ihnen momentan wirksam zu kündigen. Dies wird auch der Grund sein, weshalb er Ihnen überhaupt einen Aufhebungsvertrag anbietet. Andererseits scheint es nach Ihrer Schilderung aber auch nicht erstrebenswert für Sie, weiterhin in dieser Firma beschäftigt zu bleiben. Daher sollte der Abschluss eines Aufhebungsvertrages durchaus in Betracht gezogen werden (gegebenenfalls nach vorheriger Rücksprache mit der Agentur für Arbeit), wobei aber durchaus noch Verhandlungsspielraum bei der Höhe der Abfindung besteht. In dem Aufhebungsvertrag könnten zudem noch weitere Punkte, z.B. noch ausstehende Zahlungen (Provisionen, Überstundenausgleich etc.), die Gewährung oder die Abgeltung von Resturlaub, eine bezahlte Freistellung von der Arbeit bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses und die Verpflichtung des Arbeitgebers zur Erteilung eines positiven Zeugnisses und die Herausgabe der Arbeitspapiere zu Ihren Gunsten geregelt werden.

Bei nachweisbarem Mobbing können Sie gegen den Arbeitgeber einen Anspruch auf Schadensersatz wegen unerlaubter Handlung (§ 823 ff. BGB) geltend machen, wenn dieser schuldhaft gehandelt hat. Als konkrete Schadenspositionen kommen beispielsweise Arztkosten oder Kosten für die Bewerbung bei einem neuen Arbeitgeber in Betracht. Der Arbeitgeber ist im Falle der Beendigung des Arbeitsverhältnisses auch zum Ersatz des durch den Verlust des Arbeitsplatzes entstandenen Schadens verpflichtet (§ 824 BGB), sofern er schuldhaft gehandelt hat. Zu ersetzen ist der Verdienstausfall. Ebenfalls kann ein Schmerzensgeldanspruch bestehen (§ 253 Abs. 2 BGB). Auch aus diesen Gründen können Sie versuchen, eine höhere Abfindung herauszuhandeln oder evt. sogar selbst zu kündigen und die Schadensersatzansprüche dann wenn gegebenenfalls gerichtlich durchzusetzen.

Bevor Sie aber einen Aufhebungsvertrag unterzeichnen, sollten Sie auf jeden Fall einen auf Arbeitsrecht spezialisierten Rechtsanwalt vor Ort aufsuchen, damit dieser den Vertrag aufsetzen bzw. überprüfen kann und zu Ihren Gunsten aushandeln kann. Auch kann der Rechtsanwalt Einsicht in die E-Mails nehmen und überprüfen, ob dem Arbeitgeber tatsächlich Mobbing nachgewiesen werden kann.


Ich hoffe, Ihnen eine erste hilfreiche Orientierung ermöglicht zu haben. Bei Unklarheiten benutzen Sie bitte die kostenfreie Nachfragefunktion.

Bedenken Sie bitte, dass ich Ihnen hier im Rahmen einer Erstberatung ohne Kenntnis aller Umstände keinen abschließenden Rat geben kann. Sofern Sie eine abschließende Beurteilung des Sachverhaltes wünschen, empfehle ich, einen Rechtsanwalt zu kontaktieren und die Sachlage mit diesem bei Einsicht in sämtliche Unterlagen konkret zu erörtern.

Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 25.04.2012 | 22:41

Vielen Dank für Ihre schnelle Antwort.
Bezüglich der Antwort sind bei mir noch Unklarheiten in diesen Punkten :
Habe ich das richtig verstanden, dass man unabhängig von der Aufhebungsvertrag gegen mobbing gerichtlich vorgehen kann.
Sie schrieben dass ein förmliche Abmahnung vor der Kündigung vorliegen muss: Ist damit eine schrifliche Abmahnung gemeint? (Ich habe einen außertariflichen Arbeitsvertrag)
Falls die Firma von d Aussage abweicht und behauptet, die Kündigung hätte betriebliche Gründe, muss es ebenfalls vorangekündigt werden?


Mit freundlichen Grüßen

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 25.04.2012 | 23:52

Vielen Dank für Ihre Nachfrage, die ich wie folgt beantworten möchte:

Wenn Sie einvernehmlich mit dem Arbeitgeber einen Aufhebungsvertrag schließen, wird es natürlich schwieriger, einen durch Mobbing verursachten Schaden nachzuweisen. Ausgeschlossen wird dies durch einen Aufhebunsvertrag aber nicht, insbesondere wenn Sie sich nur aufgrund der vorhergehenden Schikane darauf eingelassen haben.

Eine Abmahnung muss nicht zwingend schriftlich erfolgen, auch wenn dies die Regel ist (schon aus Beweiszwecken). Eine wirksame Abmahnung hat aber gewisse Bedingungen zu erfüllen: Der Arbeitgeber muss den konkreten Sachverhalt benennen, durch den der Arbeitnehmer gegen den Arbeitsvertrag verstoßen haben soll. Er muss zudem darauf hinweisen, dass er ein solches Fehlverhalten in Zukunft nicht dulden wird und er muss die konkrete Maßnahme benennen, die er vornehmen wird, wenn der Arbeitnehmer nochmals dasselbe oder ein ähnliches Fehlverhalten an den Tag legen wird.

Eine betriebsbedingte Kündigung muss nicht vorher angekündigt werden. Allerdings stellt die Rechtsprechung hohe Ansprüche an die Begründung einer solchen Kündigung. Daher bestehen gute Chancen, dass Sie eine solche Kündigung erfolgreich vor Gericht angreifen können, so dass der Arbeitgeber diesen Weg wohl eher nicht gehen wird.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen und wünsche Ihnen für die weitere Zukunft alles Gute!

Mit freundlichen Grüßen

FRAGESTELLER 30.12.1899 /5,0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 68779 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Vielen Dank, endlich habe ich Klarheit. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Vielen Dank :-) ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Der Anwalt hat die Frage schnell und korrekt beantwortet. ...
FRAGESTELLER