Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Auffahrunfall-wer ist Schuld

| 06.05.2020 12:38 |
Preis: ***,00 € |

Verkehrsrecht


Beantwortet von


Zusammenfassung:

Es geht um die Frage der Haftungsverteilung bei einem Verkehrsunfall zwischen einem Linksabbieger in eine Grundstückseinfahrt und einem trotz durchgezogener Linie überholenden Fahrzeug.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Mir ist folgendes passiert:

Ich fuhr auf einer Landstraße und wollte links in eine Einfahrt abbiegen. Ich setzte den Blinker, versicherte mich das die Bahn frei ist schlug ein und dann fuhr mir der Unfallgegner in die Fahrerseite. Hinter mir warteten die Autos, der Unfallgegner überholte die wartenden Wagen bei durchgezogener Linie. Die Versicherung der Gegenseite lehnt die geltend gemachten Schadenersatzansprüche ab und beziehen sich dabei auf den Paragraph 9 Abs 1 und Paragraph 5 STVO.
Trage ich nun die gesamte Schuld. Wie sol ich weiter vorgehen. Mein Wagen ist Vollkasko versichert.

Mit freundlichen Grüßen

06.05.2020 | 14:41

Antwort

von


(165)
August-Bebel-Str. 13
33602 Bielefeld
Tel: 0521/9 67 47 40
Web: http://www.kanzlei-alpers.de
E-Mail:
Diesen Anwalt zum Festpreis auswählen Zum Festpreis auswählen

Sehr geehrte Ratsuchende,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich Ihnen wie folgt beantworte:

Die Haftungsverteilung bei einem Verkehrsunfall hängt in vielen Fällen von den besonderen Umständen des Einzelfalls ab, die genau zu prüfen sind. Haben beide Fahrzeugführer den Unfall mitverursacht, so hängt gem. § 17 StVO „der Umfang des zu leistenden Ersatzes von den Umständen, insbesondere davon ab, inwieweit der Schaden vorwiegend von dem einen oder dem anderen Teil verursacht worden ist."

Ihnen wird eine Verletzung von § 9 Abs. 1 und 5 StVO vorgeworfen.
In Abs. 1 ist u.a. die sog. doppelte Rückschaupflicht geregelt, d.h. man wirft Ihnen vor, dass Sie das andere Fahrzeug hätten bemerken müssen, wenn Sie vor dem Abbiegen noch einmal einen Schulterblick vorgenommen hätten.
In Abs. 5 werden die Anforderungen an Abbieger, die in ein Grundstück abbiegen wollen, noch einmal verschärft, indem Sie sicherstellen müssen, dass eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist. Dies hat den Grund darin, dass andere Verkehrsteilnehmer eher mit einem Abbiegen in andere Einmündungen etc. rechnen, nicht aber mit dem Einbiegen in eine Grundstückseinfahrt.

Die gegnerische Versicherung lässt aber offenbar die Verstöße des anderen Fahrzeugführers unter den Tisch fallen:
Nach Ihren Angaben haben Sie den Blinker gesetzt und sich vermutlich auch zur Fahrbahnmitte eingeordnet. Sie schreiben, dass hinter Ihnen Fahrzeuge „warteten", so dass Sie und diese Fahrzeuge ggf. sogar gestanden haben.

Dies lässt Verstöße des anderen Fahrzeugführers erahnen:
So dürfte aufgrund der offenbar für alle (anderen) deutlich erkennbaren Abbiegeabsicht und der wartenden Kolonne eine (mehr als) unklare Verkehrslage vorgelegen haben, so dass ein Überholen gem. § 5 Abs. 3 StVO unzulässig war. Zudem ist ein Fahrzeugführer, der sich eingeordnet hat und links blinkt, allenfalls rechts zu überholen, § 5 Abs. 7 StVO .

Hinzu kommt das Überfahren der durchgezogenen Linie durch den gegnerischen Fahrzeugführer. Eine solche ist zwar nicht mit einem Überholverbot gleichzusetzen, aber eine durchgezogene Linie, die sich „wegen der Enge der Fahrbahn faktisch wie ein Überholverbot auswirkt, schützt auch das Vertrauen des Vorausfahrenden, an dieser Stelle nicht mit einem Überholtwerden rechnen zu müssen. Er darf sich - ähnlich wie bei einer natürlichen Straßenverengung - darauf verlassen, dass ein nachfolgender Verkehrsteilnehmer sich verkehrsordnungsgemäß verhält, also nicht zum Überholen ansetzt, wenn dies nur durch Überfahren der Fahrstreifenbegrenzung oder der Sperrfläche möglich ist.", vgl. BGH NJW-RR 1987, 1048 ; LG Karlsruhe, 3 O 95/07 , LG Hannover, 9 O 287/11 .

Es ist daher nach Ihrer Schilderung davon auszugehen, dass die Gegenseite (zumindest auch) ein erhebliches Mitverschulden an dem Unfall trifft. Ob dieses ausreicht, damit Ihr Verschulden vollständig hinter dem Verschulden der Gegenseite zurücktritt, ist dann die Frage der genauen Umstände des Einzelfalls, aber eine Haftung der Gegenseite in Höhe der Hälfte bis zu 2/3 erscheint nach Ihrer Schilderung nicht unrealistisch.

Für das weitere Vorgehen, würde ich Ihnen grundsätzlich empfehlen, anwaltliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ich gehe davon aus, dass der Unfall polizeilich aufgenommen wurde. In dem Fall empfiehlt es sich, Einsicht in die Bußgeld- bzw. Ermittlungsakte zu nehmen, um zu prüfen, was die Polizei genau aufgenommen hat und was ggf. die Zeugen geschildert haben. Denn Sie müssen Ihre Ansprüche im Ernstfall natürlich auch beweisen können.

Weiterhin sollten Sie – sofern noch nicht geschehen - Ihrer eigenen Haftpflichtversicherung den Unfall schildern und darauf drängen, dass diese Ansprüche der Gegenseite möglichst nicht reguliert.

Ob Sie Ihre Vollkaskoversicherung bereits jetzt in Anspruch nehmen sollten, ist auch eine Frage des Einzelfalls. Wenn von einer Haftungsquote auszugehen ist, kann dies sinnvoll sein, da Sie dann im Rahmen des sog. Quotenvorrechts bestimmte Ansprüche wie z.B. die Selbstbeteiligung bei der Vollkasko, eine etwaige Wertminderung und Gutachterkosten vollständig von der gegnerischen Versicherung erlangen können sowie die weiteren Ansprüche wie Nutzungsausfall, Rückstufungsschaden, Schmerzensgeld etc. zumindest entsprechend der Haftungsquote.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit dieser Antwort zunächst weiterhelfen. Wie Sie vermutlich feststellen, ist die Unfallregulierung teilweise ein durchaus komplexes Thema, so dass eine anwaltliche Vertretung hier sinnvoll erscheint.

Mit freundlichen Grüßen


Rechtsanwalt Arnd-Martin Alpers

Bewertung des Fragestellers 08.05.2020 | 06:57

Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

Mehr Bewertungen von Rechtsanwalt Arnd-Martin Alpers »
BEWERTUNG VOM FRAGESTELLER 08.05.2020
5/5,0

ANTWORT VON

(165)

August-Bebel-Str. 13
33602 Bielefeld
Tel: 0521/9 67 47 40
Web: http://www.kanzlei-alpers.de
E-Mail:
RECHTSGEBIETE
Arbeitsrecht, Mietrecht, Verkehrsrecht, Internet und Computerrecht, Vertragsrecht