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Auffahrunfall durch Fahrfehler des Vordermann


| 01.09.2017 09:32 |
Preis: 47,00 € |

Verkehrsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Gerhard Raab



Folgende Situation: an der Ampel stehen 3 Fahrzeuge, der erste fährt los und nach ca. 100 Meter macht dieser ohne Grund durch einen Fahrfehler eine Vollbremsung. Durch das Anfahren an der Ampel konnte noch kein erforderlicher Sicherheitsabstand aufgebaut werden.

Die gerufene Polizei war sofort bei dem Grundsatz "wer auffährt ist schuld" und forderte den Vollbremser mehrfach auf, weiterzufahren - ohne Personalien aufzunehmen.

Der Vollbremser ist ein älterer Mann (75-80 Jahre), komplett verwirrt und weigert sich, das Fahrzeug noch einmal anzurühren. Polizei fährt ihm das Fahrzeug zur Autovermietung zurück. Ich war das dritte Fahrzeug, das auf das mittlere Fahrzeug aufgefahren ist. Das zweite Fahrzeug konnte durch Bremsassistent gut 2cm vor Aufprall noch zum stoppen kommen.

Nach einem Gespräch mit der Mitarbeiterin der Autovermietung stellte sich heraus, das der Herr angegeben hatte, noch die ein Fahrzeug mit Automatikschaltung gefahren zu sein. Ist hier nicht bereits eine grobe Fahrlässigkeit des Vermieters? Die Mitarbeiterin sagte uns gegenüber ebenfalls aus, das der Herr bereits bei Anmietung einen "seltsamen Eindruck" hinterlassen hat. Trotzdem bekam er sofort ein zweites Fahrzeug nach dem Crash.

Nun weigert sich Europcar mir die Daten seiner Versicherung zur Regulierung zu geben. Der alte Mann gesteht seine Schuld ein, dafür gibt es 2 Zeugen die vor Ort waren. Auch 3 Wochen nach dem Unfall macht der ältere Mann einen komplett verwirrten Eindruck. Ich denke nicht, das er überhaupt in der Lage war, ein Fahrzeug zu fahren.

Europcar beharrt darauf, da sie keinen Schaden haben, ist die Sache für sie erledigt. Deren Versicherung, mittlerweile ermitteln können, spielt auf Zeit. Da der ältere Herr den Schaden dort nicht meldet, sehen die auch keine Veranlassung aktiv zu werden.

Durch Google konnte ich bereits in Erfahrung bringen, das es mehrere Urteile bereits gibt, sogar fast identische Vorfälle zu meinem. Und dort hat der Verursacher der Vollbremsung die Schuld bekommen entgegen dem Grundsatz mit dem Auffahren.

Ich benötige mein Fahrzeug dringend für die Arbeit und Erledigung alltäglicher Dinge. Deshalb suche ich einen Jurist, der für mich bereit ist zu kämpfen.

Wie sehen meine Chancen dabei aus in diesem Fall, entweder den älteren Herrn mit Schadensersatz in die Pflicht zu nehmen oder eben den Versicherer von Europcar zur Regulierung zu bewegen?? Danke für eine realistische Einschätzung.

Hier die Urteile zur Info:

- Wenn der Vorausfahrende plötzlich und unerlaubt abbremst, so hat er eine Vollschuld an dem Auffahrunfall und muss somit den Schaden selbst tragen (so das Oberlandesgericht Frankfurt am Main mit Urteil vom 02.03.2006, Az.: 3 U 220/05)

- Gleiches gilt, wenn ein Auto an einer Ampel zunächst losfährt, dann aber plötzlich eine Vollbremsung macht. Wird in solchen Fällen ohne verkehrsbedingten Grund gebremst, muss der Auffahrende nicht den daraus entstandenen Schaden tragen. Dies gilt selbst dann, wenn lediglich ein geringer Abstand zwischen den beiden Fahrzeugen bestand, da es in der Regel zulässig ist, im Verkehr an der grünen Ampel mit geringerem Abstand loszufahren (so das Amtsgericht München mit Urteil vom 27.07.2001, Az.: 345 C 10019/01). Dies trifft zu 100% auf meinen Fall zu.

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Sehr geehrte Fragestellerin,

zu Ihrer Anfrage nehme ich wie folgt Stellung:


1.

Wer, nachdem eine Ampel auf Grün wechselt, nach dem Losfahren ohne irgend eine Veranlassung eine Vollbremsung durchführt, wird einen Auffahrunfall nach der Rechtsprechung verschuldet haben. Gegebenenfalls kommt noch ein Mitverschulden des Auffahrenden oder gegebenenfalls eine Haftung aus dem Gesichtspunkt der Betriebsgefahr in Betracht. Diesbezüglich kann man die Rechtslage durchaus unterschiedlich würdigen.

Allerdings sehe ich für Sie schon nicht unerhebliche Erfolgsaussichten aufgrund Ihrer Sachverhaltsschilderung.


2.

Es gilt hier die richtigen Schritte einzuleiten.

Zunächst müssen Sie den Schaden beziffern und der Haftpflichtversicherung des Fahrzeugs der Autovermietung zur Zahlung aufzugeben. Erfolgt keine Zahlung, haben Sie die Möglichkeit, Klage zu erheben. Die Klage richtet sich dann gegen den Fahrer, gegen Europcar als Halterin und gegen den Haftpflichtversicherer.


3.

Da der Unfall polizeilich aufgenommen worden ist, sollte man zunächst prüfen, ob es eine Akte der Polizei gibt. Diese Akte wäre anzufordern, um sich einen konkreten Überblick über die Sachlage und insbesondere über die Beweislage verschaffen zu können.

Wenn man alle Umstände des Unfalls kennt, kann man den Sachverhalt recht präzise beurteilen. Die Beweisfrage wird dabei eine nicht unerhebliche Rolle spielen.

Wenn der Mietwagenfahrer, also der ältere Herr, seinerseits untätig bleibt und den Schaden nicht meldet, und die Versicherung die Sache versucht auf sich beruhen zu lassen, muss man Klage erheben. Sodann kommt, um es lapidar zu sagen, Bewegung in ihren Fall.


4.

Selbstverständlich bin ich gern bereit, den Fall für Sie zu übernehmen.


Mit freundlichen Grüßen

Gerhard Raab
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 01.09.2017 | 12:37

Sehr geehrter Herr Raab,

danke für die kompetent Beantwortung. Die Versicherung der Gegenseite möchte uns einreden, unsere Erfolgsaussichten liegen bei beinahe Null, weil ich nicht direkt auf den Vollbremser aufgefahren bin, sondern auf den zweiten Wagen.

Wie sehen Sie das? Meiner Meinung nach ändert das nichts an der Tatsache, das der Vollbremser die Schuld trägt.

Unfallsituation war so: 1. Auto machte die unnötige Vollbremsung. 2. Auto bleibt dank Bremsassistent 2cm hinter dessen Stoßstange stehen. 3. Auto sind wir und auf das zweite aufgefahren.

Herzliche Grüße,

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 01.09.2017 | 14:33

Sehr geehrte Fragestellerin,

zu Ihrer Nachfrage nehme ich wie folgt Stellung:


1.

Aus Ihrer Schilderung, dass die gegnerische Haftpflichtversicherung vortrage, dass Sie nahezu keinerlei Schadenersatzansprüche hätten, schließe ich, dass Sie bereits Ansprüche angemeldet haben, der Haftpflichtversicherer von Europcar diese aber abgelehnt hat.


2.

Bei meiner Antwort habe ich schon berücksichtigt, dass Sie nicht auf denjenigen aufgefahren sind, der die Vollbremsung durchgeführt hat, sondern auf das vor Ihnen fahrende Fahrzeug, das noch rechtzeitig zum Stehen gekommen war.

Wir haben hier daher zwei "Problemkreise": Einerseits ist derjenige zum Schadenersatz verpflichtet, der ohne jede Veranlassung und für nachfolgende Fahrzeuge unvorhersehbar eine Vollbremsung durchführt. Zum anderen stellt sich aber die Frage, ob und in welchem Umfang ein Mitverschulden des Fahrers eines nachfolgenden Fahrzeugs angenommen werden kann, beispielsweise weil ein nicht genügender Sicherheitsabstand eingehalten worden ist oder weil es der Auffahrende an der gebotenen Aufmerksamkeit hat fehlen lassen.

Zwischen diesen beiden grundsätzlichen Fragen bewegt sich letztlich die Entscheidung des Gerichts. Daraus ersehen Sie bereits, dass das Gericht einen nicht unerheblichen Ermessensspielraum hat.


3.

Man kann die hier vorliegende Unfallsituation beispielsweise folgendermaßen sehen: Grundsätzlich hat sich derjenige, der die Vollbremsung eingeleitet hat, falsch verhalten. Fährt das direkt dahinter befindliche Fahrzeug auf, und ist die Vollbremsung für den Fahrer dieses Fahrzeugs nicht vorhersehbar, wird man dem „Vollbremser" das Verschulden an dem Verkehrsunfall, zumindest größtenteils, anlasten können. Die Besonderheit Ihres Falls liegt indes darin, dass Sie als Dritter in der Reihe auf ein Fahrzeug aufgefahren sind, das noch rechtzeitig bremsen konnte. Hier könnte man die Ansicht vertreten, da Ihr Sicherheitsabstand zu gering gewesen sei, zumal der Vorausfahrende sein Fahrzeug noch, wenn auch knapp, zum Stehen gebracht hat. Diese Betrachtungsweise käme zu einem Mitverschulden ihrerseits, vielleicht in der Größenordnung von 50 % oder sogar mehr.

Andererseits kann man aber auch argumentieren, dass Sie durch die Vollbremsung des ersten Fahrzeugs überrascht worden seien und dass diese Vollbremsung für Sie nicht vorhersehbar gewesen sei. Wenn Ihnen dann vorgehalten würde, Sie hätten entweder zum vorausfahrenden Fahrzeug einen zu geringen Sicherheitsabstand gelassen oder selbst nicht stark genug gebremst, ließe sich dagegen argumentieren, dass eine Vollbremsung ohne jeglichen Grund ein so überwiegendes Fehlverhalten darstelle, dass ein eventuelles Mitverschulden des dritten Fahrzeugs in dem Kettenunfall nur als äußerst gering angesehen werden könne.

Diesen Ermessensspielraum, den letztlich der Richter, wenn es zu einem Prozess kommen sollte, hat, muss man im Fall eines Rechtsstreits einkalkulieren.


4.

Sie sollten also auch prüfen, ob Sie rechtsschutzversichert (Verkehrsrechtsschutz) sind, damit ein eventuelles Prozessrisiko minimiert werden kann.


Mit freundlichen Grüßen

Gerhard Raab
Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers 01.09.2017 | 12:26


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