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Auffahrunfall, Schleudertrauma, Versicherung des Verursachers schlägt Vergleich vor.

| 04.08.2012 16:02 |
Preis: ***,00 € |

Verkehrsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Torsten Vogel


Sehr geehrte Damen und Herren,

eine mir bekannte Frau mittleren Alters fuhr abends in ihrem Kleinwagen mit einer Geschwindigkeit von ca. 60-70 km/h auf einer Bundesstraße und wollte auf die Abfahrspur, um die B zu verlassen. In diesem Bereich beträgt die zulässige Höchstgeschwindigkeit 70 km/h. Plötzlich bemerkte die Frau im Rückspiegel die Scheinwerfer eines rasant näherkommenden Autos, das auch sofort ungebremst mit hoher Geschwindigkeit aufprallte. Die durch die Kollision verursachte Geschwindigkeitsveränderung war so hoch, dass die Frau mit ihrem Kleinwagen ca.15 m über die Straße drehend durch die Luft flog, aufsetzte und noch 10 m weiter auf der Straße schleuderte bis sie im Straßengraben/Feld landete.

Die Frau erlitt eine Beschleunigungsverletzung der Halswirbelsäule (Schleudertrauma) und war fast 3 Monate vollkommen arbeitsunfähig. Danach war sie erst nach über zweimonatiger Wiedereingliederung voll arbeitsfähig. Bei ihrem PKW entstand ein Totalschaden. Beim Unfallverursacher wurde laut Polizeibericht ein Alkoholgehalt von 1,8 (2,0) Promille im Blut festgestellt.

Die Frau hat bis heute, 1 Jahr nach dem Ereignis, das gesamte Unfallgeschehen noch nicht gänzlich verarbeitet. Die Beeinträchtigungen sind zum Teil immer noch vorhanden. Dies äußert sich z. B. durch Rückenschmerzen, Fingertaubheit, Schreckhaftigkeit, Herzrasen, Bauchschmerzen. Bei Autobahnfahrten mit hohem Verkehrsaufkommen und bei Fahrten mit dem Fahrrad auf der Straße fährt die Furcht mit, es könnte jemand das Bremsen vergessen.

Die Haftpflichtversicherung des Schädigers behauptet jetzt, die Unfallursache sei an Hand der bislang vorliegenden Unterlagen nicht zu klären, obwohl Arztberichte vorliegen. Sie hält die Einholung eines medizinischen Gutachtens für nötig. Alternativ bietet die Versicherung zur kurzfristigen Erledigung einen bestimmten Geldbetrag an, wenn der Fall für alle Zeiten damit abgeschlossen ist. Zieht man von dem Betrag Kfz.-, Heilkosten und Verdienstausfall ab, so würden für Schmerzensgeld noch ca. 750 Euro übrig bleiben.

Meine Fragen:

1. Kann die Versicherung dieses Angebot auch wieder zurückziehen? Ist es deshalb empfehlenswert, diesen Vergleich anzunehmen?

2. Wie lange kann man prüfen, ob man dieses Angebot akzeptieren kann? Die Frau leidet heute immer noch durch dieses Unfallereignis (Beeinträchtigungen der körperlichen und psychischen Befindlichkeit, s. o.). Niemand kann z. Zt. sagen, ob und welche Folgeschäden sich später daraus entwickeln können.

3. Da das Pauschalangebot zwar alle entstandenen Kosten abdeckt, aber nur ca. 750 Euro Schmerzensgeld enthält, stellt sich die Frage: Kann bzw. sollte das Angebot ohne Risiko nachverhandelt werden?

4. Wie hoch sollte die Summe für Schmerzensgeld ausfallen?

5. Oder wäre ein Streit vor Gericht sinnvoll? Welche Risiken / Chancen birgt eine gerichtliche Auseinandersetzung?

Vielen Dank im Voraus für die Beantwortung der Fragen.

Freundliche Grüße

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegeben Informationen verbindlich wie folgt beantworten:


Grundsätzlich kann die Versicherung dieses Angebot auch wieder zurück ziehen. Gleichwohl würde ich auf Grund des von Ihnen geschilderten Unfallverlaufes, insbesondere dem erheblichen Alkoholisierungsgrad nicht zum Abschluss des Vergleiches raten.
Zum einen legen die Haftpflichtversicherung stets großen Wert auf eine globale Abgeltung des Schadens, sodass spätere Nachforderungen bei Verschlechterung des gesundheitlichen Zustandes, bsw. fortdauernder psychischer Beeinträchtigungen, ausgeschlossen.
Zum anderen erscheint mir der nach Ihrer Rechnung auf das Schmerzensgeld entfallende Betrag, wegen der erheblichen Dauer der Arbeitsunfähigkeit, als erheblich zu gering.
Ohne genau Kenntnis der körperlichen und seelischen Beeinträchtigungen würde ich allein auf Grund der AU-Dauer von einem angemessenen Schmerzensgeld von mindestens 2.000,-€ oder höher ausgehen. darüber hinaus sollte bei einer längeren AU auch stets die Geltendmachung des aller Wahrscheinlichkeit entstandenen Haushaltführungsschadens bedacht werden. Dieser stellt insbesondere bei längerer AU und damit einhergehender Einschränkung der Fähigkeit zum Führen des Haushaltes, eine finanziell nicht unerhebliche Schadensposition dar.

Sie können das Angebot der Versicherung grundsätzlich prüfen solange dies erforderlich ist. Dieses sollte mindestens nachverhandelt werden.
Hierzu sollte sich die Geschädigte dringend anwaltlicher Hilfe, vorzugsweise der eines Fachanwalts für Verkehrsrecht oder für Versicherungsrecht bedienen. Die Kosten der Beauftragung des Kollegen sind als Schadenersatzposition von der gegnerischen Versicherung ebenso zu tragen.
Häufig versuchen Versicherung Geschädigte zu bewegen, auf die Beauftragung von Rechtsanwälten zu verzichten.
Dies dient ausschließlich dem Interesse der Versicherung!!!

Sollte die Versicherung außergerichtlich nicht zu einer deutlichen Erhöhung des Angebotes zu bewegen sein, sollte unbedingt einer gerichtliche Geltendmachung erwogen werden. Hierbei sollte insbesondere bei ungewissem Ausgang des Heilungsverlaufes ein Feststellungsantrag in die Klage aufgenommen werden, in dem durch das Gericht festgestellt wird, dass der Schädiger bzw. dessen Haftpflichtversicherung auch für künftig auf den Unfall zurückzuführende Spätschäden einzustehen hat.

Bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung ist stets eine einvernehmliche Lösung im Vergleichswege möglich hierauf haben die Gerichte nach der ZPO in jedem Verfahrensstadium hinzuwirken.

Eine endgültige Einschätzung zur Höhe eines angemessenen Schmerzensgeldes ist an dieser Stelle, ohne exakte Kenntnisse der Umstände nicht möglich.
Jedoch erachte ich das bisher gebotene für deutlich zu gering.
Zum Vergleich, ein Schmerzensgeld von 750,00€ wäre bei einem HWS-Trauma bei ca. 10-14 tätiger AU ohne Komplikationen und ohne Spätschäden angemessen.

Bei einer gerichtliche Auseinandersetzung besteht das Risiko in den Verfahrenskosten, welche sich nach dem Streitwert richten. Da dieser an dieser Stelle nicht beziffert werden kann, ist eine betragsmäßige Einschätzung nicht möglich.

Ihre Bekannte sollte sich unbedingt hierzu und zur Wahrung weitergehender Rechte anwaltlicher Hilfe bedienen.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen
Fachanwalt Bau- u. Architektenrecht, Miete- u. WEG Torsten Vogel, Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 08.08.2012 | 14:32

Sehr geehrter Herr Vogel,
vielen Dank für Ihre Antwort, die ich noch
positiv bewerten werde.Jedoch habe ich noch eine Nachfrage:

Die gegnerische Versicherung schlägt zur genauen Beurteilung der Unfallursächlichkeit einen medizinischen Gutachter vor. Wie soll meine Bekannte sich verhalten, wenn der Gutachter die üblichen normalen Verschleißerscheinungen an der Wirbelsäule als sogenannte Vorerkrankung definiert und die Versicherung daraus herleitet, sie brauche Schadensersatz nicht in voller Höhe zu leisten; könnte meine Bekannte den Gutachter auch ablehnen und einen anderen vorschlagen und falls es dann doch zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung kommen sollte, wie hoch sind dann die Kosten bei einem Streitwert von ca. 15.000 Euro, und wie hoch wären etwa die Kosten, wenn es während einer Gerichtsverhandlung zu einer einvernehmlichen Lösung kommt und wer trägt dann die Kosten?

Vielen Dank und freundliche Grüße

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 08.08.2012 | 15:13

Sehr geehrter Rechtsratsuchender, ihre Nachfrage möchte ich wie folgt beantworten:

Grundsätzlich hat ein Schädiger den Geschädigten so hinzunehmen, wie er ist. Dies deutete auch mit entsprechenden Vorschädigungen oder Prädispositionen.
Wenn ihr Bekannten mithin bis zum Unfall keine Beeinträchtigungen verspürte, so wird sich wohl ergeben, dass die Beeinträchtigungen auf das Unfallereignis zurückzuführen sind.
Grundsätzlich würde es sich bei einem solchem Gutachten um ein Parteigutachten handeln. Es ist somit einem Sachverständiengutachten, welches durch das Gericht beauftragt wurde, im Beweiswert nicht gleichzusetzen.
Es steht Ihrem Bekannten natürlich auch frei sich einem solchen Gutachten zu unterziehen, oder nicht, oder einen anderen Gutachter vorzuschlagen. Kommt es hierbei nicht zu einer Einigung, bleibt die Begutachtung dem gerichtlichen Verfahren vorbehalten.
Derartige Fragen sollten in möglichen Verhandlungen mit der gegnerischen Haftpflichtversicherung erörtert werden.

Die Verfahrenskosten können Sie mittels Proesskostenrechner, bspw. http://www.spiegel.de/wirtschaft/prozesskostenrechner-was-der-gang-vor-den-kadi-kostet-a-237919.html selbst ermitteln.
Hinzuzurechnen sind die ungewissen Kosten einer Begutachtung im gerichtlichen Vetfahren. Diese können pauschal mit ca. 1500 - 2000 € vermanschlagt werden.
Bei einem Vergleich im gerichtlichen Verfahren sollte auch die Kostentragungsfrage mit geregelt werden. Auch hierüber kann mit der Gegenseite verhandelt werden.
Sollten sich die Parteien eines Rechtsstreites im Vergleichsfalle nicht zur Kostenfrage einigen wird diese durch das Gericht in der Regel mit 50:50 festgesetzt.

Im Vergleichsfalle erhöhen sich die Gebührenansprüche der Rechtsanwälte um jeweils eine 1,0 Gebühr. Dafür ermäßigen sich die Gerichtskosten auf 1/3.
Bei dem von Ihnen genannten Streitwert wäre die Klage ohnehin beim Landgericht anhängig zu machen, bei dem Anwaltszwang besteht.
Sie sollten sich daher dringen der Hilfe eines Kollegen vor Ort bedienen.

Bewertung des Fragestellers 08.08.2012 | 16:11

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