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Aufbau Online-Startup: Rechtsform in der Pilotphase

| 16.05.2017 09:34 |
Preis: ***,00 € |

Gesellschaftsrecht


Beantwortet von


12:44

Zusammenfassung:

Unternehmensgründer haben die Wahl zwischen mehreren Rechtsformen. Nicht immer ist eine UG oder GmbH die passende Rechtsform, zumal sich die Risiken auch anderweitig absichern bzw. minimieren lassen.

Guten Tag,

ich möchte eine Online Plattform aufbauen, welche über eine Smartphone App genutzt wird. Nutzer der Plattform sind private Endanwender. Über die Plattform können Dinge getauscht werden. Ich arbeite alleine und habe keine Mitarbeiter.

Im ersten Jahr möchte ich eine Pilotphase in verschiedenen Stufen durchführen. Ich werde somit nur eine geringe Anzahl Nutzer erreichen (zu Beginn ca 50, am Ende des ersten Jahres < 1.000). Für dieses erste Jahr plane ich keinerlei Einnahmen und lediglich geringe Ausgaben. Ab dem zweiten Jahr plane ich langsam steigende Einnahmen und größere Nutzerzahlen der Plattform.

Aus Haftungsgründen wäre es das sicherste, direkt zu Beginn der Pilotphase (ab dem ersten Nutzer) eine UG (haftungsbeschränkt) zu gründen um die Haftung einzuschränken. Da ich allerdings keinerlei Einnahmen haben werde, sind die hohen Anforderungen an eine UG (doppelte Buchführung, Jahresabschluss, etc.) ein erheblicher administrativer und kostentechnischer Mehraufwand, auf den ich gerne verzichten würde.

Mich würde die Einschätzung dieser Ausgangssituation eines Anwalts interessieren, der Erfahrung bei der Gründung von Online-Startups hat. Sollte ich zwingend direkt eine UG (haftungsbeschränkt) gründen? Oder kann ich die UG-Gründung guten Gewissens aufschieben, bis ich Einnahmen generiere? Welche Rechtsform würden Sie in diesem Fall für die Pilotphase wählen?

16.05.2017 | 10:30

Antwort

von


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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen wie folgt beantworten:

Die Wahl der Rechtsform hängt natürlich auch stark davon ab, wie risikoreich das von Ihnen geplante Business ist. Es gibt Gründer, die gleich zu Beginn ihrer Tätigkeit aus diesen oder auch aus sozialversicherungsrechtlichen Gründen eine UG oder GmbH gründen und dies dann aber bereuen, weil der Aufwand sowohl in finanzieller als auch administrativer Hinsicht viel zu hoch für ihre Umsätze ist und sie im Nachhinein das Gefühl haben, dass sie eine solche Gesellschaft nicht brauchen.

Wenn Sie erst eine Testphase starten wollen, um festzustellen, ob es einen Markt für Ihr Business gibt und der Umfang noch sehr klein ist, stellt eine UG einen sehr hohen administrativen Aufwand dar. Auch die Kosten für die Gründung und den Steuerberater sind nicht zu unterschätzen.
Sollte das Geschäft sich nicht wie gewünscht entwickeln, müssen Sie die UG auflösen und haben auch hier wieder einen relativ hohen Aufwand, denn auch bei der Liquidierung sind zahlreiche Dinge zu beachten.

Wenn Sie als Kleingewerbetreibender starten, haben Sie all diesen Aufwand nicht und können das Gewerbe auch relativ schnell und kostengünstig wieder abmelden, sollte es sich nicht, wie erwartet, entwickeln. Außerdem können Sie sich gegen die meisten Risiken, die ein Unternehmen mit sich bringt, versichern. So gibt es z.B. Haftpflichtversicherungen oder auch Versicherungen zur Absicherung von Vermögensschäden. Diese Versicherungen sind meist um ein Vielfaches günstiger als eine Kapitalgesellschaft (GmbH oder UG).

Des Weiteren wäre daran zu denken, dass Sie AGB verwenden und die Haftung, soweit dies gesetzlich zulässig ist, beschränken bzw. ausschließen.

Achten Sie zusätzlich darauf, dass Sie Ihre Plattform abmahnsicher gestalten und die wettbewerbsrechtlichen Bestimmungen beachten, vor allem wenn Sie Verbraucher als Kunden haben. Achten Sie bei der Verwendung von Bildern auf Urheberrechte. Falls Sie einen Firmennamen verwenden wollen, prüfen Sie, ob Sie eine eingetragene Marke verletzen.

Die Haftung lässt sich in vielen Fällen relativ stark minimieren, so dass eine UG in der Startphase nicht erforderlich ist. Sollten Sie ein sehr haftungsträchtiges Unternehmen betreiben, könnte eine UG sinnvoll sein. Dies weiß ich jedoch nicht, da ich nicht weiß, welche Dinge getauscht werden. Auch eine UG verspricht keinen 100%igen Schutz vor einer persönlichen Inanspruchnahme, da Sie auch als Geschäftsführer in bestimmten Fällen haften können.

Es ist Ihnen durchaus möglich, zu einem späteren Zeitpunkt eine GmbH oder UG zu gründen, insbesondere dann, wenn die Umsätze stark gestiegen sind und der Umfang Ihres Unternehmens zugenommen hat.


Ich hoffe, Ihnen weitergeholfen zu haben. Bei Nachfragen nutzen Sie gerne die kostenlose Nachfragefunktion.



Mit freundlichen Grüßen

Stefanie Lindner


Rückfrage vom Fragesteller 16.05.2017 | 12:26

Sehr geehrte Frau Lindner,

vielen Dank für Ihre Ausführung, die mir bereits sehr weiterhilft und meine Hoffnung bestätigt, dass es nicht unbedingt direkt die "große Keule" der UG sein muss.

Eine kurze Rückfrage noch: Sie legen als mögliche alternative Rechtsform die des Kleingewerbetreibenden nahe. Kann ich meiner Plattform in diesem Fall dennoch einen eigenen Namen geben, in dem nicht mein persönlicher Name vorkommt, und sie auch unter diesem Namen bewerben? Reicht es also, wenn mein offizieller Unternehmensname auf meinen Rechnungen auftaucht, die Plattform selbst allerdings einen eigenen Namen hat?

Und: Sollte ich einen weiteren Mitgründer in's Boot holen und wir zu zweit oder dritt gründen, würde Ihre Empfehlung dann in Richtung einer GbR gehen?

Vielen Dank für Ihre Zeit und Mühe!

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 16.05.2017 | 12:44

Ihre Nachfrage beantworte ich Ihnen wie folgt:

Die Plattform kann einen anderen Namen haben, allerdings müssen Sie auf die Impressumpflicht achten, so dass auch Ihr vollständiger Name auf der Plattform angegeben werden muss.

Sobald Sie mit mehreren Personen an dem Projekt arbeiten, wird in der Regel eine GbR entstehen, auch wenn Sie dies nicht beabsichtigen. Sobald mehrere Personen den gleichen Zweck verfolgen, zusammenarbeiten und gleiche bzw. ähnliche Beiträge leisten, entsteht eine GbR. Dabei ist es egal, ob dies den Gesellschaftern bewusst ist oder nicht.

Wenn Sie das Projekt mit weiteren Personen umsetzen wollen, bedenken Sie stets, dass Sie in der Regel zu einer GbR werden, die jeder Gesellschafter jederzeit kündigen kann, so dass die GbR aufgelöst wird. Daher ist es wichtig für Sie, einen Gesellschaftsvertrag zu haben, damit auch ein Gesellschafter ausscheiden kann, ohne dass die GbR gleich aufgelöst wird. Häufig haben die Gesellschafter ein Interesse daran, die Gesellschaft z.B. zu zweit fortzuführen, wenn ein Gesellschafter ausscheidet. Die Auflösung der Gesellschaft an sich ist meist nicht gewünscht.
Da aber die Fortführung mit den übrigen Gesellschaftern nur möglich ist, wenn dies im Gesellschaftsvertrag geregelt ist, rate ich Ihnen dringend, einen solchen zu fertigen bzw. fertigen zu lassen. Bedenken Sie auch die Problematik des Wettbewerbs durch andere Gesellschafter. So können Sie z.B. durch die Aufnahme eines Wettbewerbsverbots vermeiden, dass einer der Gesellschafter neben Ihrem Unternehmen ein weiteres gründet und Ihnen Konkurrenz macht.


Die GbR dürfte sich am Anfang anbieten, wenn Sie Ihren Freunden vertrauen, denn bedenken Sie, dass Sie bei einer GbR stets persönlich haften, auch für Fehler oder Vertragsabschlüsse der Kollegen.
Wobei es auch hier Gestaltungen gibt, die die Haftung reduzieren.


Mit besten Grüßen
Stefanie Lindner


Bewertung des Fragestellers 16.05.2017 | 12:49

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Sehr ausführliche Antwort, in der auch eigenständig über das explizit gefragte hinaus mitgedacht wurde. Vielen herzlichen Dank!

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BEWERTUNG VOM FRAGESTELLER 16.05.2017
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