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Architekt: Rechnung ohne Vertrag? - Ist der Architekt berechtigt uns eine Rechnung zu stellen?

23.07.2007 21:33 |
Preis: ***,00 € |

Baurecht, Architektenrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Stefanie Helzel


Wir sind gerade auf der Suche nach einem Haus.
Bei der Suche haben wir Kontakt zu einem Vermittler aufgenommen der Doppelhaus-Neubauten verkauft. Wir haben mit diesem ein bereits fertiges Haus besichtigt. Im Anschluss an diese Besichtigung haben wir uns mit dem Architekten getroffen und noch unsere Wünsche und Ideen besprochen.
Daraufhin haben wir vom Architekten die Pläne des geplanten Hauses zugeschickt bekommen mit einer Auflistung unserer Wünsche und der daraus entstehenden Kosten. Diesem Schreiben lag kein (!) Vertrag oder Zahlungsplan bei. (Das Exposee mit nicht mehr ganz aktueller Baubeschreibung hatten wir schon.)
Da uns das Haus ganz gut gefällt haben wir die 2. Hälfte mündlich reserviert. Die erste Hälfte war bereits verkauft.
Im Anschluss daran haben wir mit dem Architekten noch 2-3 mal telefoniert und verschiedene Sachen (preislicher Einfluss von Änderungen, etc..) zu erfragen.
Zusätzlich haben wir den Architekten auch einmal besucht und mit Ihm den Fliesenleger und Bodenausstatter besucht um einen ersten Eindruck (hauptsächlich preislich) von der Innenausstattung zu bekommen. Im Anschluss daran haben wir weitere Änderungen besprochen.
Daraufhin haben wir die Verträge (Architektenvertrag mit Anhängen), ein update der Pläne und die endgültige Baubeschreibung zugeschickt bekommen.
Da wir mit einigen Randbedingungen nicht einverstanden waren und wir mittlerweile festgestellt haben dass wir fast für den gleichen Preis ein Einfamilienhaus bauen können haben waren wir nicht mehr so sicher und das geplante Haus war nicht mehr unser Favorit.
Also haben wir gestern die Reservierung aufgehoben (wir sind zwar noch interessiert, aber nicht mehr so stark dass wir es reservieren möchten).
Nun hat sich heute der Architekt bei mir telefonisch gemeldet und mit gesagt dass er uns eine Rechnung schickt da er Aufwände hatte. Z.B. ist das Baugesuch schon vorbereitet (fertig), einer seiner Mitarbeiter hätte das mit mir besprochen (Das stimmt so nicht! Richtig ist: Dieser Mitarbeiter hat mich einmal telefonisch kontaktiert und nach unserer richtigen Adresse gefragt, da im Telefonbuch eine Angabe falsch ist, um die Pläne richtig zu machen. In diesem Gespräch haben wir noch einige unwichtige Details bzgl. eines Zimmers besprochen.).
Weder Architekt noch Vermittler haben uns zu irgendeinem Zeitpunkt auf entstehende Kosten (bezgl. Vorplanung usw.) hingewiesen die auf uns zukommen fuer den Fall dass der Vertrag am Ende nich zustande kommt.
Wir haben weder bei dem Vermittler, noch beim Architekten etwas unterschrieben.
Sowieso: Den Vertrag und die endgültigen Unterlagen (Zahlungsplan, engültige Baubeschreibung,..) haben wir erst mit dem letzen Schreiben bekommen (vor ca. 1 Woche).
Auch das Baugesuch haben wir nicht veranlasst. (Der Vermittler hat uns einmal kontaktiert und nach unseren Daten (Adresse, Geb. Dat. usw.) gefragt da er uns einen vorläufigen Grundstücksvertrag zukommen lassen wollte.)
Meine Fragen:
1: Ist der Architekt berechtigt uns eine Rechnung zu stellen?
2: Falls ja: Wie hoch darf diese ausfallen bzw. wie errechnet sich der Rechnungsbetrag?
3: Wie sollen wir uns jetzt verhalten?

-- Einsatz geändert am 24.07.2007 18:58:23
Eingrenzung vom Fragesteller
24.07.2007 | 08:05

Sehr geehrte Fragestellerin,

der Architekt kann kann Ihnen Leistungen in Rechnung stellen, sofern ein Architektenvertrag zustande gekommen ist. Ob dies schriftlich oder lediglich mündlich geschehen ist, ist dabei unerheblich. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass jeder, der die Dienste eines Architekten in Anspruch nimmt, regelmäßig einen Architektenvertrag mit entsprechenden Vergütungsfolgen schließt, auch stillschweigend.

Auch eine evtl. Vereinbarung zwischen Ihnen und dem Architekten zur Erbringung unverbindlicher Vorschläge ist nicht gleichzusetzen mit kostenlos.

Generell ist davon auszugehen, dass ein Architekt auch ohne ausdrückliche Vereinbarung für seine Arbeit zu honorieren ist, wenn dies nach den Umständen nur gegen eine Vergütung zu erwarten war, was vor allem dann gilt, wenn die von dem Architekten erbracht Leistung mit erheblichem Arbeitsaufwand oder Kosten verbunden war.
Üblicherweise ist von der Entgeltlichkeit der (Planungs-)tätigkeit eines Architekten auszugehen, auch wenn sich dieser sich zunächst nur mit der Vorplanung befasst hat.
Sobald der Architekt typische Berufsleistungen erbringt, ist von davon auszugehen, dass diese auch nur gegen Vergütung erbracht wird. Von unentgeltlicher Leistung kann nur dann ausgegangen werden, wenn die Architektenleistung nur einen unerheblichen Aufwand verursacht hat, dieser z.B. nur flüchtige Handskizzen.

Generell kann formelhaft gesagt werden: Handelt es sich um nicht geringfügige Architektenleistungen ohne eine entsprechende Honorarvereinbarung hat der Architekt einen Anspruch auf Vergütung.

Ihre Fragen lassen sich daher wie folgt konkret beantworten:

1. Aufgrund der mehrfachen Rücksprachen und Absprachen mit dem Architekten über, Details, die Reservierung, Vorplanung, (Vor-)ertragsentwurf etc. konnte meines Erachtens der Architekt von einer (zunächst unverbindlichen) Beauftragung ausgehen, weshalb auch eine Berechnung der bereits erbrachten Leistungen gerechtfertigt ist.

2. Wir hoch diese ausfallen dürfen, lässt sich allein anhand Ihrer Ausführungen nicht beurteilen. Die Berechnung von Architektenhonoraren ist eine Wissenschaft für sich. Die Honorarhöhe richtet sich nach der HOAI, dabei sind die Honorarzone, anrechenbare Baukosten und die Honorartabelle zugrunde zu legen. Mangels einer schriftlichen Beauftragung darf der Architekt allerdings nur nach Mindestsatz abrechnen, § 4 HOAI. Für die konkrete Höhe des Honorars sind die erbrachten Leistungen maßgeblich. Zur genauen Ermittlung müssen sämtliche Detailangaben zugrund gelegt werden.

3. Einer Zahlungsverpflichtung werden Sie sich wohl nicht entziehen können. Warten Sie zunächst ab, was Ihnen der Architekt in Rechnung stellt. Achten Sie darauf, dass dieser die einzelnen Positionen konkret darlegt. Sollte Ihnen die Rechnung unangemessen hoch erscheinen, lassen Sie diese ggf. nochmals von einem Kollegen vor Ort auf Ihre Korrektheit prüfen.
Hier möchte ich noch darauf hinweisen, dass dies auch mit weiteren Kosten verbunden ist.

Gerne übernehme ich auch die weitere Beratung in dieser Angelegenheit für Sie.

Ich hoffe, Ihnen eine erste Orientierung vermittelt zu haben und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Helzel
- Rechtsanwältin –
Ansbacher Str. 11b
91710 Gunzenhausen
Tel. 09831/8908-0
Fax 09831/8908-19

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Bitte beachten Sie, dass diese Antwort die von Ihnen geschilderten, wesentlichen Aspekte des Falles umfasst, jedoch weitere Tatsachen relevant sein können, die möglicherweise zu einem anderen Ergebnis führen würden. Diese Plattform ist lediglich geeignet, eine erste Einschätzung zu geben, kann jedoch die persönliche Beratung eines Anwalts vor Ort nicht ersetzen.

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