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Arbeitszeugnis selber schreiben zulässig?

08.03.2008 11:52 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Sehr geehrte Arbeitsrechtler m/f

Ich habe eine einfache Frage

In unserem Betrieb hat uns nach 20 Jahren Betriebszugehörigkeit ein guter und hochgeachteter Kollege aus privaten gründen verlassen.

Er hat um ein qualifiziertes Arbeitszeugnis seiner 20-Jährigen Betriebszugehörigkeit gebeten. Die Firma hat kein Arbeitszeugnis ausgestellt und folgendermaßen reagiert:

„Sehr geehrter Herr X, bitte schreiben sie sich ihr Arbeitzeugnis selbst und reichen sie es bei uns ein. Wir werden es dann bewerten, ggf. korrigieren und Ihnen gegengezeichnet zurücksenden“

Wie ich dies jüngstens so aus meinem Persönlichem Umfeld mitbekommen habe scheint dies jedoch mehr und mehr Praxis zu sein.

Meine Frage(n):

1) Ist diese Verfahrensweise so legitim?

2) Kann sich der Arbeitgeber wirklich so aus der Arbeitgeberfürsorgepflicht herausstehlen?

3) Falls 1 u. 2 = JA, keine weiteren Fragen

4) Falls 1 u. 2 = NEIN, bitte ich um Beantwortung

5) Falls 1 u. 2 differenziert zu betrachten sind bitte ich ebenfalls um Beantwortung


Ich sehe ihrer geschätzten Antwort entgegen



Sehr geehrter Fragesteller,

die Rechtlage ist eindeutig: Der Arbeitnehmer hat Anspruch auf Erteilung eines (nach seiner Wahl einfachen oder qualifizierten) Arbeitszeugnisses (vgl. § 109 GewO), d.h. der Arbeitgeber hat alle erforderlichen Handlungen zur Erstellung eines solchen Arbeitszeugnisses vorzunehmen. Er kann ohne Einverständnis des Arbeitnehmers nichts auf diesen "abwälzen" (ausgenommen rein formale Fragen zu bestimmten Tätigkeiten und deren Inhalt und Dauer, soweit der Arbeitgeber diese nicht aufgezeichnet hat).

In der Praxis wird eine solche "Abwälzung" aus ökonomischen Gründen (Zeitersparnis) des öfteren gewählt, wobei i.d.R. der Arbeitnehmer sein Zeugnis selbst schreiben soll und der Arbeitgeber anschließend "nur" noch prüfen muss, ob dass so erstellte Zeugnis wahrheitsgemäß ist. Ein solches Verfahren muss der Arbeitnehmer nicht hinnehmen (s.o.), er kann auf vollständige Erteilung des Arbeitszeugnisses durch den Arbeitgeber bestehen, evtl. sogar klagen. Willigt er allerdings in ein solches Verfahren ein, so führt dies zur Legitimität des so erstellten Zeugnisses.

Ihr Kollege kann also das Ansinnen der Firma ohne Weiteres mit dem Hinweis auf deren Pflicht zur Zeugniserteilung zurückweisen.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen damit einen ersten Eindruck vermitteln. Beachten Sie bitte, dass dieses Frageportal den Gang zum Rechtsanwalt nicht ersetzt, sondern allenfalls eine erste Tendenz aufzeigt.

Bei weiteren Fragen oder Anliegen stehe ich Ihnen gern zur Verfügung. Soweit aus dem Bereich www.frag-einen-anwalt.de heraus eine Kontaktaufnahme an mich persönlich gewünscht ist, bitte ich zunächst ausschließlich um Kontakt per E-Mail.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Schneider
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 15.03.2008 | 03:25

Sehr geehrter Herr Schneider,

Vielen Dank für Ihre schnelle und kompetent hilfreiche Antwort. Ein Satz Ihrer Antwort irritiert mich jedoch ein wenig: (ausgenommen rein formale Fragen ... ) Dies erscheint mir ein wenig „Gummiartig“. Wie kann ich dies verstehen, oder ich formuliere es anders: Zu 100% im Außendienst im Engineering Bereich eigenverantwortlich beschäftigt, sehe ich „meine Firma“ nur etwa alle 12 bis 15 Monate einmal. Ebenso verhält es sich mit Telefonaten oder „Face to face“ Unterredungen mit meinen Management / Weisungsbefugten / Vorgesetzten. Die Firma andererseits weiß genau mit welchem Auftrag, Kunde, Land und welcher Zielsetzung ich jeweils entsendet werde. Durch vorgeschriebenes regelmäßiges „Reporting“ ist die Firma stets über alles aktuell informiert. Ebenso ist die Firma durch Arbeitszeitberichte sowie durch Kunden Feedback immer aktuell informiert.

Kann so eine „(ausgenommen rein formale Fragen...) Praxis da überhaupt greifen? Falls ja, was für einen Wert hat so ein Arbeitszeugnis? Ich suche nach der „Lücke“, dem „Gummi“ in dieser Ausnahme.

Falls meine Nachfrage unangemessen hoch ist oder eine neue Situationsbetracht ergibt, bitte ich um kurze Info. In diesem Fall stelle ich sie dann als neue Frage ins Portal.


Vielen Dank und ein angenehmes Wochenende

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 15.03.2008 | 04:06

Sehr geehrter Fragesteller,

ich bin mir nicht sicher, ob ich Sie richrtig verstehe. Falls nicht, kontaktieren Sie mich bitte nochmals unter meiner E-Mail-Adresse für eine Klarstellung.

Sie meinen mit Ihrer Nachfrage die Praxis, Arbeitszeugnisse durch den Arbeitnehmer ausstellen zu lassen?

Nun, es gibt keine gesetzlichen Regelungen, wie genau ein Arbeitszeugnis zu erstellen ist, sondern nur, dass ein Arbeitszeugnis zu erstellen ist. Daher ist in diesem Bereich alles etwas "gummiartig".

Wenn der Arbeitnehmer darin einwilligt, kann der Arbeitgeber das Arbeitszeugnis vorschreiben lassen und dann lediglich überprüfen. Das Arbeitszeugnis gilt dann als vom Arbeitgeber gestellt. Eine solche Praxis hat nichts "Zweifelhaftes", weil der Arbeitgeber ja das vorformulierte Arbeitszeugnis nochmals genau prüft und ggf. Änderungen vornimmt. Der Arbeitnehmer fungiert hier quasi nur als Schreibgehilfe.

Problematisch ist nur die Praxis, wo der Arbeitgeber die Formulierungen des Arbeitnehmer quasi nur "absegnet". Ein solches Zeugnis hat in der Tat keinen Wert und kann sogar als Betrugsversuch gewertet werden.

Wenn der Arbeitnehmer aber dem Arbeitgeber klar macht, dass er ein "ehrliches" und vom Arbeitgeber ausgestelltes Zeugnis haben möchte, so muss der Arbeitgeber dies so umsetzen.

MfG

Dr. Schneider
Rechtsanwalt

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