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Arbeitszeugnis - qualifiziert oder unqualifiziert?


09.03.2007 14:28 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Marcus Schröter, MBA



Kurze Fragen, nachdem mir meine tyrannische Arbeitgeberin zum Ende der Probezeit gekündigt hat, obwohl ich mich überaus engagiert für den Betrieb eingesetzt hatte:

Darf ich von einem Arbeitgeber sowohl ein sog. qualifiziertes als auch ein unqualifiziertes Arbeitszeugnis verlangen?

In einer anwaltlichen Beantwortung auf diesem Forum las ich, dass dem Verlangen auf Ausstellung eines unqualifizierten Zeugnisses, nachdem vorher ein qualifiziertes ausgestellt wurde, nicht stattgegeben werde. Ich verstehe die Begründung dafür nicht. Stimmt das?

Darf ich vom Arbeitgeber rechtlich verbindlich verlangen, dass die Tatsache, dass er und wieso er gekündigt hat, NICHT in das Zeugnis aufgenommen wird?

Ich danke herzlich für die möglichst rasche Beantwortung meiner Fragen, gerne auch von einem auf Arbeitsrecht/Zeugnisrecht spezialisierten Kölner Anwalt.

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Sehr geehrter Ratsuchender,

Ihre Anfrage beantworte ich auf Grundlage Ihrer Angaben wie folgt.

Der Arbeitnehmer hat ein Wahlrecht, ob er ein einfaches oder ein qualifiziertes Zeugnis ausgestellt haben möchte.

Ein einfaches Zeugnis empfiehlt sich insbesondere bei kurzzeitigen Arbeitsverhältnissen.

Das einfache Zeugnis enthält keine Angaben über die Führung und Leistung des Arbeitnehmers. Es werden lediglich Personalien und die Dauer der Beschäftigung aufgeführt.

Folgende Angaben hat ein einfachen Zeugnis zu enthalten:

1. Briefkopf mit Angaben zum Arbeitgeber
2. Zeugnis als Überschrift
3. Vor- und Zuname (Zusatz Herr oder Frau muß vorhanden sein!)
4. Dauer der Beschäftigung
5. Art der Beschäftigung (genaue Beschreibung)
6. Abschlussvormulierung
7. Ort und Datum
8. Unternehmen
9. Unterschrift

Die übertragenen Arbeiten sind aufgegliedert und wertfrei darzustellen. Problemtisch ist, dass ein einfaches Zeugnis negativ ausgelegt werden kann. Hinter einem einfachen Zeugnis kann der neue Arbeitgeber vermuten, daß der Arbeitnehmer mit einem einfachen Zeugnis eine schlechte Beurteilung verbergen möchte. Allerdings kann ein einfaches Zeugnis in Ihrem Fall auch durch die Kürze der Anstellung gerechtfertigt werden.

Das einfache Arbeitszeugnis ist letztendlich nur ein Tätigkeitsnachweis für einen bestimmten Zeitraum ohne weitere Aussagekraft

Das qualifizierte Zeugnis enthält darüber hinaus eine Beurteilung der Führung und Leistung des Arbeitnehmers.

Selbst wenn Sie sich für ein einfaches Zeugnis entscheiden haben Sie weiterhin Anspruch auf ein qualifiziertes Zeugnis.

Eine Angabe der Kündigung nebst Kündigungsgrund im Zeugnis seitens des Arbeitsgebers ist grundsätzlich unzulässig und darf nur bei einer Kündigung aus wirtschaftlichen (betriebsbedingt)Gründen erfolgen.

Ich hoffe Ihnen einen ersten Überblick verschafft zu haben.

Mit besten Grüßen

RA Schröter

Nachfrage vom Fragesteller 09.03.2007 | 15:45

Vielen Dank für Ihre Antworten.

Meine Frage war nicht, ob ich Anspruch auf ein qualifiziertes Zeugnis habe, nachdem ich mich für ein einfaches entschieden habe, sondern genau umgekehrt.

Ist bei einer "nur" sechs Monate währenden Arbeit ein einfaches Zeugnis in dem von Ihnen beschriebenen Sinne überhaupt angebracht oder sind diese einfachen Arbeitszeugnisse mittlerweile so selten geworden, dass der zukünftige Arbeitgeber bei einer Bewerbung immer negative Rückschlüsse zieht?

Gestatten Sie mir in diesem Zusammenhang auch die Frage, ob sich ein neuer Arbeitgeber rechtlich überhaupt bei dem alten Arbeitgeber über mich erkundigen kann, ohne dass ich davon erfahren muss?

Besten Dank für die Beantwortung dieser Nachfragen.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 14.03.2007 | 16:40

Sehr geehrter Ratsuchender,

Ihre Nachfrage beantworte ich wie folgt.

Wenn der Arbeitsgeber ein qualifiziertes Zeugnis ausstellt, kommt er seiner Verpflichtung aus § 630 BGB, § 109 GewO nach. Ein einfaches Zeugnis muß der Arbeitsgeber dann nicht mehr ausstellen, da er seiner gesetzlichen Verpflichtung nachgekommen ist.

Die häufigste Zeugnisform ist sicherlich das qulifizierte Zeugnis. Bei einer kurzen Beschäftigungsdauer insbesondere wenn dies in der Probvezeit beendet wird, kann oftmals nur ein einfaches Zeugnis ausgestellt werden. Bei einer kurzen Beschäftigungsdauer wird ein einfaches Zeugnis nicht negativ behaftet sein wird, wie dies bei einer Beschäftigungsdauer, die über die Probezeit hinaus geht, der Fall sein durfte.

Nach dem Bundesarbeitsgericht kann der alte Arbeitgber Auskünfte über den Mitarbeiter auch ohne dessen Zustimmung erteilen, da der neue Arbeitgeber ein berechtigtes Interesse an zusätzlichen Auskünften des alten Arbeitgebers hat.

Jedoch sind bei der Auskunftserteilung die allgemeinen Grundsätze zur Zeugniserteilung zu wahren. Dies bedeutet, dass der alte Arbeitgeber nur wohlwollend über Inhalte Auskunft geben darf, die in einem schriftlichen Zeugnis erwähnt werden durften.

Einzelne Arbeitsgerichte vertreten allerdings auch die Aufassung, daß der alte Arbeitgeber nur mit Zustimmung des Mitarbeiters Auskünfte erteilen darf. Dies gebiete der verfassungsmäßige Persönlichkeitsschutz (Art. 2 GG).

Problemtisch in einem solchen Fall durfte sein, ob Sie überhaupt Kenntnis von einer solchen Anfrage erlangen.

Bei einer unberechtigten bzw. negativen Auskunft haben Sie neben einem Schmerzensgeldanspruch auch einen Anspruch auf entgangenen Lohn, soweit Sie nachweisen könnten, dass Sie wegen der unbefugten Auskunft des ehemaligen Arbeitgebers abgelehnt wurden.

Mit besten Grüßen

RA Schröter

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