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Arbeitszeugnis eines kirchlichen Arbeitgebers ohne Gesamtnote

26.05.2009 14:24 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


„ Frau x ... war vom 01.02.1999 bis zum 31.03.2009 in der x-Sozialstation als Altenpflegerin tätig...“

Zum Tätigkeitsbereich von Frau x gehörten:
· Ganzheitliche Kranken- und Altenpflege
· Pflegerische Beratung und Anleitung von Angehörigen
· Begleitung von Sterbenden
· Mitverantwortung für die Zusammenarbeit mit Hausärzte, Seelsorgern, Beratungsstellen und Krankenhäusern

Frau x zeigte in ihrem Arbeitsbereich großes Engagement im Umgang mit kranken und alten Menschen. Sie versorgte die ihr zugewiesenen und anvertrauten Patienten mit großer Hilfsbereitschaft, Zuwendung und Umsicht. Die Tätigkeiten der Grundpflege führte sie mit dem notwendigen Fachwissen sachgerecht unter Berücksichtigung des sozialen Umfeldes aus. Fachpflegerische Anleitung von Angehörigen war ihr ein Anliegen.

Frau x pflegte guten Kontakt zu den Hausärzten und Seelsorgern der Patienten in ihrem Pflegebereich. Sie besaß die Fähigkeiten, die zur Erfüllung der Aufgaben in der ambulanten Krankenpflege gehören. Durch ihr aufgeschlossenes Wesen erwarb sie sich schnell das Vertrauen der Patienten und deren Angehörigen.

Im Mitarbeiterkreis zeigt sie sich stets teamfähig, kollegial und hilfsbereit, besonders bei der Überbrückung personeller Engpässe.

Frau x beendet ihre Tätigkeit auf eigenen Wunsch zum 31.3.2009.

Wir danken Frau x für ihre Mitarbeiter in der Gemeindekrankenpflege unserer x-Sozialstation und wünschen ihr für die Zukunft alles Gute und Gottes Segen.“

Zur Beurteilung diese Zeugnisses führe ich an, dass ich jahrelang bei dem kirchlichen Träger eine 75 %-Tätigkeit ausgeführt habe, aber offiziell nur als 50%-Kraft eingestellt war und so auch nur bezahlt worden bin. Im Januar 2008 habe ich mittels Rechtsanwalt in einem Vorverfahren vor einem Arbeitsgericht gegen den Direktor (Unterzeichner des Arbeitsvertrages) des Trägers die Ausbezahlung der Mehrarbeit erzwungen. Der direkte Dienstvorgesetzte wurde in diesem Zusammenhang im Herbst 2008 getauscht, sodass mich mein jetziger unmittelbarer Dienstvorgesetzte nur ca. ½ Jahr kennt. Er hat sich in dieser Zeit sehr zufrieden mit meinem Arbeitsleistungen gezeigt, während der Direktor und seine Abteilungsleiterin nach dem Gerichtsverfahren unverhohlen eine Kündigung meinerseits wünschten. Die Kündigung erfolgte dann auch auf eigenen Wunsch, da der oben beschriebene Missstand zischen Arbeitszeit und Entlohnung auch nach dem Gerichtsverfahren in 2008/2009 weiter fortgeführt wurde.

1) Aus welchen der ausgeführten Textpassagen können Arbeitsleistungen mit einer schlechteren Benotung als gut abgeleitet werden?
2) Kann ich auf eine Verhaltensbeurteilung zu dem direkten alten bzw. neuen Dienstvorgesetztem bestehen?
3) Kann ich in einem Schlusssatz auf eine Gesamtnote meines Arbeitszeugnisses bestehen? Ich erwarte die Zufriedenheitsfloskel „ Die Arbeitsnehmerin hat die ihr übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt.“
4) Welche Gesamtbeurteilung lässt sich aus dem jetzigen Zeugnis ableiten, wenn es nicht verändert wird?

Sehr geehrter Fragesteller,

gerne beantworte ich Ihre Frage unter Zugrundelegung des von Ihnen geschilderten Sachverhalts und unter Berücksichtigung des von Ihnen ausgelobten Einsatzes wie folgt:

Aus den von Ihnen zitierten Textpassagen lässt sich eine bestimmte Gesamtbenotung nicht ableiten. Aus diesem Grunde muss das Arbeitszeugnis zwingend eine zusammenfassende Beurteilung der Leistung des Arbeitnehmers enthalten. Aus dem Zeugnis muss sich deutlich ergeben, wie der Arbeitgeber die Leistung und das Verhalten des Arbeitnehmers einstuft. Dabei besteht allerdings nicht automatisch ein Anspruch auf die Bescheinigung einer guten Leistung ("stets zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt"). Wenn der Arbeitgeber die Leistung des Arbeitnehmers mit einer schlechteren Note als "gut" bewertet, ist es Sache des Arbeitnehmers, darzulegen und zu beweisen, dass seine Leistung und sein Verhalten tatsächlich eine bessere Bewertung erfordert hätten.

Einen Anspruch auf einen konkreten Zeugnisinhalt hat der Arbeitnehmer nicht. Der Wortlaut des Zeugnisses steht nämlich im Ermessen des Arbeitgebers. Der Arbeitnehmer hat daher keinen Anspruch auf bestimmte Formulierungen. Zwingend muss ein qualifiziertes Arbeitszeugnis aber Angaben zu Verhalten und Leistung enthalten. Bei der Beurteilung der Leistung muss sich der Arbeitgeber an der jeweiligen Arbeitsaufgabe und den entsprechenden Anforderungen orientieren. Das Zeugnis muss genaue und zuverlässige Angaben über die vom Arbeitnehmer tatsächlich verrichtete Tätigkeit enthalten und durch eine wahrheitsgemäße, nach sachlichen Maßstäben ausgerichtete und nachprüfbare Gesamtbewertung die Leistung des Arbeitnehmers beschreiben. Dabei steht dem Arbeitgeber bei der Beurteilung von Leistung und Verhalten ein Beurteilungsspielraum zu. Insbesondere ist er frei in seiner Entscheidung, welche Leistungen und Eigenschaften er mehr hervorheben oder zurücktreten lassen will.

Eine vollständige Überprüfung des Zeugnisses auf Richtigkeit und Vollständigkeit ist aufgrund Ihrer Angaben nicht abschließend möglich. Hierfür wäre dieses Forum auch nicht der richtige Platz, da es lediglich eine Erstberatung ermöglichen soll. In der Hoffnung, Ihnen in diesem Sinne eine erste Orientierungshilfe gegeben zu haben, verbleibe ich

Mit freundlichen Grüßen
Martin Heuser
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 28.05.2009 | 16:20

Aus ihre Ausführungen entnehme ich, dass aus meinem Arbeitszeugnis keine Gesamtbwertung und offenbar damit auch keine negative Gesamtbewertung abgeleitet werden kann.

Soll ich deshalb das Arbeitszeugnis in dem jetzigen Zustand lieber akzeptieren oder eine Gesamtbeurteilung erzwingen auf die Gefahr hin, dass mir dann offen über die üblichen Schlussfloskeln eine negative Beurteilung ausgestellt wird, deren Unrichtigkeit ich dann beweisen müsste.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 28.05.2009 | 18:00

Sehr geehrter Fragesteller,

aus dem Zeugnis lässt sich mangels zusammenfassender Beurteilung keine negative Gesamtbewertung ableiten, aber eben auch keine klar positive. Aus diesem Grunde sollten Sie den Arbeitgeber meiner Meinung nach schon bitten, in das Zeugnis eine zusammenfassende Beurteilung einzufügen, da das Zeugnis ohne diese nur wenig Aussagekraft besitzt. Natürlich riskieren Sie dann theoretisch auch eine negative Beurteilung, ich halte das aber für nicht unbedingt wahrscheinlich, da die von Ihnen zitierten Textpasssagen des Zeugnisses ja keinerlei Negativbeurteilungen beinhalten. Die Gesamtnote muss aber der Leistungsbeurteilung entsprechen, so dass eine Leistungsbeurteilung, in der nur Positives über den Arbeitnehmer berichtet wird, nicht mit einer im Widerspruch hierzu stehenden negativen Gesamtnote abschließen kann. Im Übrigen unterliegt der Arbeitgeber ja auch der Wahrheitspflicht. Grundsätzlich hat der Arbeitnehmer Anspruch auf eine mindestens durchschnittliche Leistungsbeurteilung ("zu unserer vollen Zufriedenheit"). Erhält er diese und ist der Meinung, ihm stehe eine bessere Leistungsbeurteilung zu (gut oder sehr gut), trägt er die Darlegungs- und Beweislast. Umgekehrt trägt der Arbeitgeber aber die Darlegungs- und Beweislast, wenn er dem Arbeitnehmer nur eine unterdurchschnittliche, mangelhafte oder völlig ungenügende Leistung bescheinigen möchte.

Mit freundlichen Grüßen
Martin Heuser
Rechtsanwalt

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