Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

'Arbeitszeitreduzierung von bis zu 5 Jahren': Was kann ich beantragen?

| 21.07.2014 12:58 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Zusammenfassung: Arbeitnehmer können von ihrem Arbeitgeber eine Reduzierung der Arbeitszeit verlangen, wenn das Arbeitsverhältnis mindestens 6 Monate bestanden hat, der Arbeitgeber in der Regel mindestens 15 Mitarbeiter beschäftigt und keine betrieblichen Gründe entgegenstehen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin eben noch in der Elternzeit, die im nächsten Jahr ausläuft. Ich bin/war Vollzeit beschäftigt bevor ich meine Kinder bekam.

In einem Schreiben des Arbeitgebers, welches in vorliegen habe steht folgender Wortlaut: "Der Arbeitgeber bietet zum Zwecke der Vereinbarkeit von Familie und Beruf die Möglichkeit, einmalig pro Kind direkt im Anschluß an die gesetzliche Elternzeit eine befristete Arbeitszeitreduzierung von bis zu 5 Jahren zu vereinbaren."

Was kann ich darunter genau verstehen? Kann ich evtl. auch eine sehr starke Reduzierung bekommen? Und muss der Arbeitgeber diesem Wunsch entsprechen? Hat man die Möglichkeit, bei der Verteilung der Arbeitszeit Einfluß zu nehmen.

Hintergrund ist folgender: Ich wohne inzwischen 400 km vom Arbeitsplatz entfernt. Mein Mann ist hier selbständig und wird noch vier Jahre beruflich hier gebunden sein. Anschließend jedoch wäre er flexibel und könnte umziehen, dass wir dann hier wegziehen ist ohnehin angedacht.

Nun habe ich die Überlegung, meinen eigentlich wirklich guten Arbeitsplatz vielleicht doch gar nicht unbedingt kündigen zu müssen.

Sollte auch eine hohe Arbeitsreduzierung möglich sein, kam mir nun der Gedanke, dass man eventuell die Arbeitszeit auf einen Tag pro Woche oder eine Woche pro Monat reduzieren könnte. Das wäre für und darstellbar und so könnte ich evtl. die vier Jahre "überbrücken" und anschießend wieder voll einsteigen.

Welche rechtlichen Möglichkeiten stehen mir da als Arbeitnehmer genau zu? Oder ist es letztlich von der Willkür der Arbeitgebers abhängig?

Ich hätte das gerne gewußt, bevor ich überhaupt eine Anfrage an den Arbeitgeber sende.

MfG





Einsatz editiert am 21.07.2014 13:07:26

Sehr geehrte Fragestellerin,

grundsätzlich ergeben sich die Möglichkeiten einer einseitigen Reduzierung der Arbeitszeit aus Ihrem Arbeitsvertrag oder, soweit ein solcher anwendbar ist, aus dem jeweiligen Tarifvertrag. Ist in beiden Verträgen keine Vereinbarung hierzu getroffen, kommt in der Regel nur eine Reduzierung im beiderseitigen Einverständnis in Betracht. Hier wäre Ihr Arbeitgeber völlig frei der Reduzierung zuzustimmen, sie abzulehnen oder nur in einem bestimmten Umfang zuzustimmen.

Eine Ausnahme hierzu bietet allerdings § 8 des Teilzeit- und Befristungsgesetzes (TzBfG), wenn der Arbeitgeber in der Regel mehr als 15 Personen (ohne Auszubildende) beschäftigt und Ihr Arbeitsverhältnis länger als 6 Monate besteht. Hiernach kann eine gewünschte Arbeitszeitreduzierung keinesfalls von Ihrem Arbeitgeber willkürlich verweigert oder zu niedrig angesetzt werden. Einen generellen Anspruch oder eine konkrete Zeit lässt sich aber leider auch hier nicht grundsätzlich bestimmen, da es, wie so oft, auf die Umstände des Einzelfalles ankommt. Es dürfen nämlich keine betrieblichen Gründe nach § 8 Abs. 4 S. 1 TzBfG vorliegen, die einer Reduzierung entgegenstünden. Dies ist insbesondere der Fall, wenn die Reduzierung „die Organisation, den Arbeitsablauf oder die Sicherheit im Betrieb wesentlich beeinträchtigt oder unverhältnismäßige Kosten verursacht". Etwas anderes gilt wiederum, wenn der anzuwendende Tarifvertrag eine abweichende Regelung vorsieht (§ 8 Abs. 4 S. 3 TzBfG).

Sollte Ihr Arbeitgeber mehr als 15 Arbeitnehmer beschäftigen und § 8 TzBfG damit anwendbar sein, so müssen Sie nach § 8 Abs. 2 TzBfG spätestens drei Monate vor dem gewünschten Beginn der Reduzierung diese in dem von Ihnen gewünschten Umfang gegenüber Ihrem Arbeitgeber geltend machen. Lehnt Ihr Arbeitgeber dies nicht bis spätestens einen Monat vor dem geplanten Beginn schriftlich ab, so gilt Ihr Reduzierungswunsch nach § 8 Abs. 5 S. 2 TzBfG als genehmigt.

Ich möchte meine Antwort noch hinsichtlich der von Ihnen wohl gewünschten Arbeitszeitverlängerung auf Vollzeit nach vier oder fünf Jahren ergänzen: Wenn Sie die Reduzierung der Arbeitszeit nach § 8 TzBfG durchsetzen, so ist Ihr Arbeitgeber nicht verpflichtet nach einer bestimmten Zeitspanne wieder Ihre alte Arbeitszeit „aufleben zu lassen". Vielmehr ist er nur nach § 9 TzBfG verpflichtet Sie bei Freiwerden einer entsprechenden Stelle gegenüber Unternehmensexternen den Vorzug zu geben, sofern Sie hierfür gleichgeeignet sind und sich kein anderer Teilzeitangestellter Ihres Unternehmens hierauf bewirbt. Es empfiehlt sich daher meiner Ansicht nach hier eine umfassende einvernehmliche Lösung mit Ihrem Arbeitgeber zu finden und nur im „Notfall" auf die Möglichkeiten nach § 8 TzBfG zurückzugreifen, soweit diese überhaupt gegeben sind.

Ich hoffe ich konnte Ihnen weiterhelfen. Sollte etwas unklar oder ein Aspekt offen geblieben sein, nutzen Sie gerne die Nachfragefunktion.


Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 21.07.2014 | 14:51

Sehr geehrter Herr Laudor,

herzlichen Dank für die ausführliche Antwort, das hilft mir schon sehr weiter.

Bezüglich der Reduzierung und ggf. späteren Aufstockung der Arbeitszeit (§§ 8 und 9 TzBfG) habe ich noch eine Frage.

Der Arbeitgeber schreibt in seinem Schreiben "...befristete Arbeitszeitreduzierung...", leider ohne Angaben von Paragraphen.

Läßt sich daraus nicht evtl. ableiten, dass die Arbeitszeitreduzierung nach Fristablauf endet und dann wieder aufgestockt wird?

MfG

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 21.07.2014 | 16:09

Sehr geehrte Fragestellerin,

das Schreiben Ihres Arbeitgebers zielt meines Erachtens nicht auf §§ 8, 9 TzBfG, sondern auf eine einvernehmliche Lösung. Wie bereits dargestellt kann in einer Vereinbarung zwischen Ihnen und Ihrem Arbeitgeber hinsichtlich einer Reduzierung und anschließenden Hebung der Arbeitszeit nahezu alles vereinbart werden was Sie wollen, hierzu gibt es zumindest im unteren Bereich keine gesetzlichen Vorgaben (nur nach oben gibt es Beschränkungen durch das Arbeitszeitgesetz, was in Ihrem Fall aber nicht relevant sein dürfte). Die Betonung liegt allerdings auf "einvernehmlich", Ihr Arbeitgeber muss dem also zustimmen.

So wie ich das verstanden habe bietet Ihr Arbeitgeber aber genau ein solches Modell an welches Sie wünschen, nach dem zuerst eine Reduzierung der Arbeitszeit erfolgen soll und nach den fünf Jahren Sie wieder in Vollzeit arbeiten würden. Über die genauen Modalitäten müssten Sie sich aber bei Ihrem Arbeitgeber informieren und diese mit ihm auch vereinbaren (vielleicht sind auch nur 4 Jahre möglich, Sie müssen da einfach verhandeln). Stellen Sie hierbei sicher, dass die vereinbarten Punkte unbedingt schriftlich festgehalten werden und sich Ihr Arbeitgeber hier auch verbindlich über die gesamte Zeit verpflichtet.

Erst wenn eine solche einvernehmliche Lösung scheitert, sollten Sie auf § 8 TzBfG zurückgreifen und hierdurch versuchen Ihren Arbeitgeber zu einer Reduzierung zu zwingen (und später auf § 9 TzBfG hinsichtlich der erneuten Erhöhung). Allerdings können Sie ja in den Verhandlungen Ihre Kenntnis dieser Vorschriften auch nutzen um für Sie das optimale Ergebnis zu erreichen. Dass Ihr Arbeitgeber Ihnen überhaupt von sich aus ein solches Angebot gemacht hat, ist für mich aber ein Zeichen, dass er hier mit sich reden lassen dürfte.

Ich hoffe die Frage damit vollständig beantwortet zu haben und wünsche Ihnen ein gutes Gelingen.


Mit freundlichen Grüßen

Johannes Laudor
Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers 23.07.2014 | 12:50

Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

Stellungnahme vom Anwalt:
FRAGESTELLER 23.07.2014 5/5,0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 69096 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
4,6/5,0
Anwälte können nur dann richtige Aussagen treffen wenn die Frage auch richtig formuliert war. Dies musste ich nachholen und war mein Fehler. Herr Richter hatte sich dann erneut die Mühe gemacht und erneut umfangreich recherchiert. Ich ... ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Die Frage wurde zur vollsten Zufriedenheit beantwortet. Vielen Dank. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Schnelle und klare Antwort! Vielen Dank! ...
FRAGESTELLER