Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
480.336
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Arbeitszeit, wenn Tagessatz vereinbart war - Nachforderung möglich?


02.12.2015 20:02 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Dr. Holger Traub, Dipl. Kfm.



Folgendes Anliegen bitte ich zu prüfen:

Eine Unternehmensberatung beschäftigte mich als Unterauftragnehmer (Management Consultant) für ein großes Projekt bei einem Dax-Unternehmen. Im Vertrag war eine Vergütung nach Tagessatz auf der Basis von Manntagen vereinbart. Die Konditionen waren nicht verhandelbar, der Vertrag lag als sog. Formvertrag vor. Der Tagessatz war mit 670 EUR sehr gering. (Reisekosten wurden mit einer Pauschale extra vergütet.)

Im Vertrag war nicht definiert, wie lang ein Arbeitstag sein sollte. AGBs, in denen dies hätte geregelt sein können, existierten nicht.

Erst nach Vertragsabschluss stellte sich heraus, dass ich zehn Stunden am Tag arbeiten sollte. Angeblich verlangte der Kunde das so, weil dies im Rahmenvertrag zwischen Unternehmensberatung und Kunde geregelt sei.

Später stellte sich heraus, dass stattdessen zwischen Unternehmensberatung und Kunde eine Abrechnung auf Stundenbasis vereinbart war. Die von mir geleisteten Mehrstunden waren also zum klaren finanziellen Vorteil für die Unternehmensberatung.

Die zwei Stunden zusätzliche Arbeitszeit pro Tag habe ich nun nachträglich für einen Zeitraum von mehr als 12 Monaten in Rechnung gestellt. Die Unternehmensberatung verweigert die Zahlung mit Hinweis auf den vereinbarten Tagessatz.

Welche Chancen hätte ich, den Betrag vor Gericht einzuklagen und welche Argumente sprechen für meine Forderung?

PS: Die angestellten Mitarbeiter der Unternehmensberatung und die anderen Freelancer mussten ebenfalls jeden Tag 10 Stunden beim Kunden arbeiten.

Notfall?

Jetzt vertrauliche kostenlose Ersteinschätzung von einem erfahrenen Anwalt erhalten!

Feedback noch heute.

Kostenlose Einschätzung starten
Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Prinzipiell ist es häufig gängige Praxis, dass Unternehmen, welche auch Freelancer beschäftigen, gegenüber dem Kunden bzw. Mandanten höher abrechnen und den Mehrgewinn nicht an den Freelancer bzw. Mitarbeiter weitergeben.

Für die Beantwortung Ihrer Frage, ist mangels vertraglicher Regelung, eine Auslegung des Arbeitsvertrages notwendig.

Generell umfasst ein Manntag ein 8-Stunden-Tag. Fraglich ist, ob Sie bzgl. Ihrer Tätigkeit auch von einem 8-Stunden-Tag oder von einem 10-Stunden-Tag ausgehen konnten bzw. mussten. Betrachtet man auf der einen Seite die übrigen Unternehmenberater, die für das besagte Unternehmen tätig sind sowie den gängigen Zeiten in dieser Branche, spricht die Tätigkeit eher für einen 10-Stunden-Tag.

Im Falle eines gerichtlichen Klageverfahrens hat das Gericht die Gesamtumstände (Vertragsschluss, Tätigkeitsbereich, Umfeld etc.) rechtlich zu würdigen. Da die Arbeitsgerichte jedoch eher arbeitnehmerfreundlich urteilen, sind die Erfolgsaussichten für eine Rückforderung - zumindest bzgl. eines Teil der in Rechnung gestellten - Stunden, nicht aussichtslos.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Traub
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 02.12.2015 | 21:54

Vielen Dank, Herr Dr. Traub.

Für den Kunden waren auf dem Projekt mehrere große Beratungen tätig, deren Mitarbeiter arbeiteten alle weniger als 10 Stunden am Tag. Die 10 Stunden waren auf Wunsch des Kunden ausdrücklich die Ausnahme. Deswegen gab es zwischen Kunden und Unternehmensberatung auch ständig Ärger, was schließlich zur Beendigung der Zusammenarbeit führte (die Unternehmensberatung behauptete auch gegenüber dem Kunden, dass die 10-Stunden-Tage im Rahmenvertrag festgeschrieben seien, was sich als Lüge herausstellte).

Aber meine Frage bezieht sich auf einen anderen Aspekt: Ist irgendwo festgeschrieben, dass ein Arbeitstag im Schnitt 8 Stunden hat? Das würde eine mögliche Klage sicher unterstützen.

Nochmals besten Dank!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 03.12.2015 | 05:40

Sehr geehrter Fragensteller,

eine exakte Zeitbemessung für einen Manntag bzw. Personentag ist nicht festgelegt. Die üblichen Stunden hierfür schwanken von Land zu Land und von Branche zu Branche. Normalerweise wird dies im Arbeitsvertrag mitgeregelt. Da dies vorliegend nicht der Fall war, gelten meine obigen Ausführungen. Ein Gericht hat hier den Vertrag anhand der Gesamtumstände auszulegen und zu würdigen.

Dass auf Wunsch des Kunden nicht mehr als 8 Arbeitsstunden gewünscht waren betrifft das Verhältnis Kunde/Unternehmensberatung. Dieser Wunsch erschließt sich auch vor dem Hintergrund, da in diesem Verhältnis ja Stundenhonorare vereinbart waren. Auch dieser geschilderte Umstand kann zur Gesamtauslegung herangezogen werden.

Eine "sichere" Prognose dahingehend, wie das jeweilige Arbeitsgericht die Sach- und Rechtslage einschätzen wird, kann ich Ihnen in hiesiger Sache aufgrund der kargen vertraglichen Regelungen nicht abgeben.

Ich bedaure, Ihnen keine rechtssichere Antwort übermitteln zu können.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Traub
Rechtsanwalt

FRAGESTELLER 30.12.1899 /5.0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 60143 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Sehr schnelle und hilfreiche Antworten. Kompetent und freundlich. So wünscht man es sich als Mandant. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Sehr hilfreiche Informationen. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Vielen Dank für die schnelle und ausführliche, sehr gute Antwort. ...
FRAGESTELLER