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Arbeitsrecht, Meldung der Erkrankung beim Arbeitsgeber

10.10.2018 19:42 |
Preis: 60,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von


Guten Tag,

ich bin bei einer Bank als Bankangestellter beschäftigt, Tarif: TVöD. Ich bekam einen Brief zur Kenntnisnahme, dass der Arbeitgeber von §5 Satz 3, EFZG Gebrauch macht. Gemäß Gesetz muss ich ab sofort auch ab dem ersten Tag der Erkrankung eine Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung einreichen. Zusätzlich aber soll ich mich nur beim Vorgesetzten am ersten Tag der Erkrankung telefonisch krank melden.
In unserem Intranet-Portal (Personal-Portal ), das Bekanntmachungen für alle Mitarbeiter/innen veröffentlicht , steht unter anderem: " Die Führungskraft ist am ersten Tag der Erkrankung zu informieren. Die Meldung kann telefonisch, per e-mail oder Fax erfolgen."
Bis jetzt habe ich immer per E-mail meine Erkrankung gemeldet und die Information kam immer beim Vorgesetzten an.
Meine Frage: Muss ich mich an die telefonische Meldung halten ? Oder kann ich mich auf das "Personal-Portal" berufen und weiterhin die Erkrankung per E-mail an meinen Vorgesetzten melden ?
Ist dies eventuell ein Fall der Ungleichbehandlung ?

Vielen Dank !

10.10.2018 | 21:14

Antwort

von


(1019)
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50226 Frechen
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Sehr geehrter Fragesteller,

zu Ihrer Anfrage nehme ich wie folgt Stellung:


1.

Grundsätzlich kann eine Anweisung, sich beim Vorgesetzten ausschließlich telefonisch arbeitsunfähig krank zu melden, durchaus rechtmäßig sein.

Dabei sind folgende Überlegungen entscheidend:

Die Krankmeldung muss gegenüber dem Arbeitgeber oder Ihrem Vorgesetzten erfolgen. D. h., die Information an einen Kollegen reicht nicht aus. Die Krankmeldung kann per Telefax, per E-Mail, per SMS oder auch über WhatsApp dem Vorgesetzten bekannt gemacht werden. Eine gesetzliche Regelung hierzu gibt es nicht. Die korrekte Krankmeldung setzt aber voraus, dass sie den Vorgesetzten unverzüglich erreicht.

Werden z. B. aufgrund innerbetrieblicher Strukturänderungen E-Mails nur in bestimmten Zeitintervallen (dreimal am Tag oder alle zwei Stunden) abgerufen, ist nicht mehr sichergestellt, dass eine Krankmeldung den Arbeitgeber unverzüglich erreicht.

Wenn also die Betriebsabläufe dahingehend geändert worden sind, dass eine unverzügliche Krankmeldung nur telefonisch möglich ist, halte ich die Anweisung, sich telefonisch krank zu melden durchaus für zulässig.

Allerdings würde ich dafür Sorge tragen, dass Sie im Streitfall die unverzügliche Krankmeldung auch beweisen können. Hier käme z. B. ein Zeuge (Ehefrau etc.) in Betracht. Gleichzeitig würde ich aber zusätzlich zum Anruf alle bekannten Möglichkeiten nutzen. D. h., sollten Sie zusätzlich zum Anruf dem Vorgesetzten den Krankheitsfall per E-Mail oder per Fax, ggf. auch per SMS bekannt machen.


3.

Eine (unzulässige) Ungleichbehandlung läge dann vor, wenn andere Mitarbeiter sich per E-Mail oder anders krank melden dürfen und die Anweisung, sich telefonisch krank zu melden, nur an Sie gerichtet wäre.


Mit freundlichen Grüßen

Gerhard Raab
Rechtsanwalt


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