Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Arbeitsrecht, Pflichten und Rechte als Arbeitnehmer

| 17.06.2012 17:34 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Sehr geehrte Damen und Herren,

habe folgendes Problem bzw Fragen dazu:

Folgender Sachverhalt:

Bin Angestellter in einem landwirtschaftlichen Lohnunternehmen, entlohnt werde ich nach Stunden, wöchentliche Arbeitszeit laut Vertrag 45h - ergo 180h monatlich.
Da es sich bei landwirtschaftlichen Arbeiten um ein Saisongeschäft handelt, haben wir ab Mitte/Ende Juli Hochkonjunktur, d.h. wir arbeiten im Schnitt 300h bis 350h im Monat.
Für diese Jahr sind einige Änderungen geplant, die ich für nicht rechtens empfinde!

1. Die Maschinen (Maishäcksler, Mähdrescher) bleiben fast immer beim Kunden, d.h. wir als Arbeiter fahren jeden Morgen 1-1,5h dort hin, und abends die gleiche Strecke/Zeit wieder zurück! -Also fahrt vom Ort des Arbeitgebers zum Ort des Kunden - abends wieder zurück!
Dies soll ab dieser Saison nicht mehr als Arbeitszeit gelten und wird somit auch nicht mehr vergütet!
Zitat Arbeitgeber: " Einer fährt, die anderen liegen im Auto und pennen"
Frage hierzu: Ist es dem Arbeitgeber erlaubt, die Fahrtzeit zum Kunden nicht zu vergüten?

2. Wie oben beschrieben, arbeiten wir teilweise über 350h im Monat!
Wo sind hier Grenzen? Und, das wäre für mich eine wichtige Information, KANN bzw DARF ich, da ich auf Stundenbasis bezahlt werde, nach 180h, für den Rest des Monats zu Hause bleiben?
Das liegt auch nicht in meinem Interesse, aber irgendwo müssen auch Grenzen sein und wenn der Arbeitgeber darauf beharrt, den Fahrtweg nicht zu entlohnen, dann werde ich für mich die Konsequenz ziehen und nach 180h einfach zu Hause bleiben!
Hoffe, Sie können mir mit ein paar Tipps bzw mit meinen Rechten und Pflichten weiterhelfen!

Bei weiteren Fragen stehe ich jederzeit unter der angegebenen E-Mailadresse zur Verfügung.

Mit freundlichem Gruß






Sehr geehrter Ratsuchender,

besten Dank für die Anfrage, die ich anhand des von Ihnen geschilderten Sachverhaltes gerne wie folgt beantworten möchte.

1. Ist Fahrzeit bezahlte Arbeitszeit?

Differenziert zu betrachten ist die für Dienstreisen aufgewendete Zeit. Der Arbeitnehmer, der ein auswärtiges Dienstgeschäft wahrnimmt, erfüllt damit seine Arbeitspflicht. Mit der entsprechenden Anordnung konkretisiert der Arbeitgeber unmittelbar die zu erbringende Arbeitsleistung. Er legt fest, dass der Arbeitnehmer eine bestimmte Aufgabe außerhalb des normalen Arbeitsorts zu erbringen hat. Mit dieser Ortsbestimmung legt er zugleich fest, dass der Arbeitnehmer zu seiner Arbeit anreisen muss. Schließlich trifft er auch eine zeitliche Bestimmung, indem er Beginn und Ende des auswärtigen Dienstgeschäfts und damit zugleich mittelbar die Reisezeiten festlegt.

Grundsätzlich beginnt und endet die Arbeitszeit mit dem Erreichen bzw. Verlassen des Arbeitsplatzes. Hiervon kann durch Kollektiv- oder Einzelvertrag, aber auch durch betriebliche Übung abgewichen werden. Insbesondere kann auf das Betreten des Betriebsgeländes oder das Erreichen der Arbeitsstelle abgestellt werden. Die Wegezeiten (Dauer der Hin- und Rückfahrt) einer Dienstreise gelten nicht als Arbeitszeit iS von § 2 Abs. 1 ArbZG.

Sie arbeiten in sogenannten Einsatzwechseltätigkeit, da sich Ihr Einsatzort stets ändert.

Der Arbeitnehmer hat Anspruch auf Ersatz der Mehraufwendungen, die aus der Tätigkeit an wechselnden Einsatzstellen entstehen (Küttner, Personalhandbuch, Einsatzwechseltätigkeit, Rn. 3).
Muss der ArbN Wege zu einer anderen Einsatzstelle zurücklegen, ist die Wegezeit als Arbeitszeit zu vergüten (BAG 8. 12. 60, AP Nr 1).

Da das Bundesarbeitsgericht damit bereits vor über 50 Jahren anders entschieden hat, als es Meinung des Chefs ist, ist die Fahrtätigkeit zum Kunden zu vergüten ggf. abzüglich der Zeit, die ohnehin zum Betrieb des Chefs anfallen würde.

2. Arbeitszeit

Die Grenzen sind dort, wo tarifvetragliche Regelungen entgegenstehen oder es gesetzliche Verbote gibt. Zuletzt sind Anwälte aus Großkanzleien gescheitert, sich "Überstunden" vergüten zu lassen. Die Arbeitszeit beträgt in solchen Kanzleien durchaus 70-80 Stunden die Woche und damit 280 - 320 Stunden.

Zudem müssen Sie betrachten, dass Sie in einem Saisongeschägt tätig sind.

Wenn Sie einen 180 Stundenvertrag haben, sind Sie auch nur verpflichtet, Arbeitsleistung für 180 Stunden zu verrichten. Zudem ist der Arbeitgeber gehalten, da das Arbeitsrecht einen sozialschützenden Charackter hat, auf die Gesundheit der AN Rücksicht zu nehmen, was mit 350 Stunden nicht unbedingt der Fall ist.

Alle Stunden, die über die 180 Stunden hinaus geleistet werden, sind entweder in Geld oder in Freizeit oder aus einer Kombination zu vergüten.

Mit 350 Stunden verstößt der AG aber gegen § 3 ArbZG, wonach die tägliche Arbeitszeit 8 Stunden nicht überschreiten darf und maximal auf 10 Stunden täglich ausgeweitet werden kann.

Allerdings gibt es Ausnahmen nach § 7 wenn die mehrgeleistete Arbeitszeit zu einem anderen Zeitpunkt abgebaut werden kann.

Ich gehe davon aus, dass Sie, wie die Beschäftigten im Baugewerbe, in der Hauptsaison die Stunden für die Nebensaison aufbauen.

Ich hoffe, Ihnen einen ersten Überblick über die Rechtslage gegeben haben zu können.

Bitte bedenken Sie, dass meine Einschätzung ausschließlich auf Ihren Angaben beruht.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Grübnau-Rieken LL.M.; M.A.
Master of Laws, Magister Artium
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 19.06.2012 | 21:21

Sehr geehrter Herr Grübnau-Rieken

herzlichen Dank für Ihren Rat, sehr hilfreich!

Hätte noch eine Frage:

Wie oben beschrieben, Anstellung auf Stundenbasis.
Wie sieht es denn da aus mit Wochenendarbeit, ist der AG verpflichtet am Wochenende prozentualen Mehrlohn zu zahlen, oder ist das freiwillig?

Wie viel das wäre, ab welcher Stundenzahl, wieviel prozent Samstags und Sonntags, das lässt sich rausfinden!
Frage ist nur, Pflicht oder Freiwillig?

Nochmals herzlichen Dank!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 19.06.2012 | 22:33

Sehr geehrter Ratsuchender,

die von Ihnen gestellte Nachfrage geht über die Ausgangsfragestellung hinaus, bzw. stellt eine neue Frage dar. Nach den AGB des Plattformbetreibers ist es mir daher verwehrt, hierzu Stellung zu nehmen.

Bitte haben Sie hierfür Verständnis.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Grübnau-Rieken LL.M., M.A.
Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers 19.06.2012 | 22:45

Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

Stellungnahme vom Anwalt:
FRAGESTELLER 19.06.2012 4,4/5,0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 70047 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Schnelle und fundierte Antwort bei einem komplexen Thema. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Alles bestens. Vielen Dank! ...
FRAGESTELLER