Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Arbeitsplatz in Deutschland - Familie im Ausland(EU)

| 29.05.2010 12:38 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Sehr geehrte Damen und Herren,
nach einem langjährigem Auslandsaufenthalt bin ich seit 02/10 nun wieder in Deutschland tätig. Meine Familie, Ehepartner plus 2 Söhne(19/21) leben aber noch im Ausland und sind nicht erwerbstätig. Die Söhne befinden sich noch in der Ausbildung.

Welche steuerlichen Möglichkeiten habe ich?

1.) Doppelte Haushaltsführung?
2.) Ausbildungskosten Söhne?
3.) Sonstiges?

Bitte obige Punkte detaillieren. Ist eine Vorveranlagung, wenn möglich, sinnvoll?

Besten Dank
pd

Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich auf der Grundlage der von Ihnen gemachten Angaben wie folgt beantworte.

Ich gehe davon aus, dass Sie deutscher Staatsbürger sind und Ihren (Erst-)Wohnsitz derzeit im Ausland haben. Sie beziehen Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit seit Februar 2010.

Daher sind Sie unbeschränkt in Deutschland steuerpflichtig (§§1 Abs. 3 S. 1, 49 Abs. 1 Nr. 4 EStG).

Da Ihre Ehefrau im EU-Ausland lebt, haben Sie dennoch die Möglichkeit nach § 1a EStG weitergehende familien- und ehebezogene Vergünstigungen wahrzunehmen. Im Einzelnen:´

-Realsplitting nach § 10 Abs. 1 Nr. 1 EStG bei in EU- oder EWR-Staaten lebenden Ehegatten, und
- Möglichkeit der Zusammenveranlagung nach § 26 Abs. 1 Satz 1 EStG mit in einem EU- der EWR-Staat lebenden Ehegatten (gleich welcher Staatsangehörigkeit).

Für Zwecke des Lohnsteuerabzugs haben gem. § 1 Abs. 3 EStG als unbeschränkt zu behandelnde Arbeitnehmer gem. § 39c Abs. 4 EStG beim Betriebsstättenfinanzamt des Arbeitgebers eine Bescheinigung zu beantragen und dem Arbeitgeber vorzulegen. Auf dieser Bescheinigung wird die Steuerklasse (ggf. auch Steuerklasse III und IV, vgl. § 38b Satz 3 EStG), die Zahl der Kinderfreibeträge und auf Antrag ein Freibetrag gem. § 39a EStG eingetragen.

Hinsichtlich der Doppelten Haushaltsführung ist auszuführen:
Eine doppelte Haushaltsführung liegt nur vor, wenn Sie als Arbeitnehmer außerhalb des Ortes, in dem Sie einen eigenen Hausstand unterhalten, beschäftigt sind und auch am Beschäftigungsort wohnen (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 EStG). Ist der doppelte Haushalt steuerlich begründet worden, so ist es in der Folgezeit unbeachtlich, aus welchen Gründen dieser weiter aufrecht erhalten wird. Eine zeitliche Begrenzung des Werbungskostenabzugs wird nicht vorgenommen. Die wesentlichen Voraussetzungen sind: Eigener Hausstand (wo Lebensmittelpunkt) und Zweitwohnung am Beschäftigungsort, deren Begründung beruflich veranlasst war.

Eine Wohnung im Ausland kann ebenfalls den Lebensmitelpunkt darstellen, wenn in ihr "hauswirtschaftliches Leben" stattfindet, die Wohnung vom Steuerpflichtigen zumindest maßgeblich finanziell getragen wird und mindestens 1x pro Jahr vom Steuerpflichtigen auch aufgesucht wird.

Als notwendige Mehraufwendungen wegen einer doppelten Haushaltsführung kommen in Betracht:

•die Fahrtkosten in tatsächlicher Höhe zu Beginn und am Ende der doppelten Haushaltsführung. Alternativ kann auch die allgemeine Kilometerpauschale (Fahrtaufwendungen als Reisekosten) in Höhe von 30 Cent angesetzt werden.
•die Fahrtkosten für wöchentliche Familienheimfahrten in Höhe von 30 Cent je Entfernungskilometer, sofern die Familienheimfahrten nicht mit einem vom Arbeitgeber unentgeltlich überlassenen Dienstwagen erfolgen
•Verpflegungsmehraufwendungen (siehe nachstehend)
•Aufwendungen für die Zweitwohnung ( Übernachtungskosten)
•Umzugskosten in tatsächlicher Höhe. Im Gegensatz zu "normalen" beruflich veranlassten Umzugskosten kann keine Umzugskostenpauschale in Anspruch genommen werden

Als notwendige Fahrtkosten sind anzuerkennen:

die tatsächlichen Aufwendungen für die Fahrten anläßlich der Wohnungswechsel zu Beginn und am Ende der doppelten Haushaltsführung. Für die Ermittlung der Fahrtkosten sind die Regelungen zu den Reisekosten anzuwenden. Zusätzlich können etwaige Nebenkosten nach Maßgabe der Ausführungen zu den Reisekosten berücksichtigt werden;
Die Aufwendungen für jeweils eine tatsächlich durchgeführte Familienheimfahrt wöchentlich. Bei Aufwendungen des Arbeitnehmers für Fahrten mit einem eigenen oder einem ihm zur Nutzung überlassenen Kraftfahrzeug sind die Vorschriften für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte sinngemäß anzuwenden.
Anstelle der Aufwendungen für eine Familienheimfahrt können die Gebühren für ein Ferngespräch bis zu einer Dauer von 15 Minuten mit Angehörigen, die zum Familienhausstand des Arbeitnehmers gehören, berücksichtigt werden (BFH-Urteil vom 18.3.1988 - BStBl 1988, Teil II, Seite 988). Dabei können jeweils nur die Gebühren nach dem günstigsten Tarif als notwendige Mehraufwendungen anerkannt werden.

Als notwendige Aufwendungen für die Zweitwohnung sind deren tatsächliche Kosten anzuerkennen, soweit sie nicht überhöht sind (BFH-Urteil vom 16.3.1979 - BStBl 1979, Teil II, Seite 473). Steht die Zweitwohnung im Eigentum des Arbeitnehmers, so sind die Aufwendungen in der Höhe als notwendig anzusehen, in der sie der Arbeitnehmer als Mieter für eine nach Größe, Ausstattung und Lage angemessene Wohnung tragen müßte. Zu den Aufwendungen für die Zweitwohnung gehören auch die Absetzungen für Abnutzung, Hypothekenzinsen und Reparaturkosten (BFH-Urteil vom 3.12.1982 - BStBl 1983, Teil II, Seite 467).

Als Verpflegungsmehraufwendungen sind für einen Zeitraum von maximal drei Monaten nach Bezug der Wohnung am neuen Beschäftigungsort für jeden Kalendertag, an dem der Arbeitnehmer von seiner Wohnung am Lebensmittelpunkt abwesend ist, die bei Dienstreisen ansetzbaren Pauschbeträge anzuerkennen. Dabei ist allein die Dauer der Abwesenheit von der Wohnung am Lebensmittelpunkt maßgebend. Hinweis: Bei Arbeitnehmern, die in regelmäßigen Abständen immer wieder den gleichen Beschäftigungsort aufsuchen (z.B. Saisonarbeiter) beginnt jeweils wieder eine neue Dreimonatsfrist

Die o.a. Mehraufwendungen können vom Arbeitnehmer als Werbungskosten abgezogen werden, soweit sie nicht vom Arbeitgeber steuerfrei erstattet werden. Die Erstattung der Mehraufwendungen bei doppelter Haushaltsführung durch den Arbeitgeber erfolgt nach § 3 Nr. 13 oder 16 EStG steuerfrei, soweit keine höheren Beträge erstattet werden, als sie auch beim Arbeitnehmer als Werbungskosten abziehbar wären.

Die Ausbildungskosten Ihrer Söhne können Sie als außergewöhnliche Belastungen nach § 33a EStG abzsetzen. Im Einzelnen: Liegen die Voraussetzungen für Realsplitting nicht vor oder ist der Antrag hierfür nicht gestellt, kann der Geber Unterhaltsleistungen, zu denen er gesetzlich verpflichtet ist (zur Bestimmung der Unterhaltspflicht BFH 18.5.2006 III R 26/03, BFH/NV 2006, 1930), bis zu 8.004 € ab 2010, zeitlich vorher 7.680 € pro Kalenderjahr, als außergewöhnliche Belastung geltend machen (§ 33a Abs. 1 EStG). Der Höchstbetrag erhöht sich um die Beiträge, die der unterstützende Steuerpflichtige für die Basiskranken- und - pflegeversicherung der unterstützten Person aufgewendet hat. Kann er diese Beiträge als Sonderausgaben geltend machen (§ 10 Abs. 1 Nr. 3 Satz 1 EStG), geht der Sonderausgabenabzug vor. Im Fall des § 33a Abs. 1 EStG braucht der Empfänger die Leistungen nicht zu versteuern. Zu den Unterhaltsaufwendungen nach § 33a Abs. 1 EStG gehört neben der Basisversorgung nur der typische Unterhaltsbedarf, insbesondere Ernährung, Kleidung, Wohnung, Hausrat, Versicherungen. Die Abzugsfähigkeit eines besonderen und außergewöhnlichen Unterhaltsbedarfs, z.B. Krankheits- oder Pflegekosten, richtet sich nach § 33 EStG unten Rz. 13. Hat die unterhaltene Person eigene Einkünfte und Bezüge (z.B. Arbeitslosengeld, Wohngeld), so vermindert sich der abzugsfähige Höchstbetrag um den Betrag, um den die Einkünfte und Bezüge den Betrag von 624 € im Kalenderjahr übersteigen (§ 33a Abs. 1 Satz 4 EStG). Vermögen des Unterhaltenen bis 15.500 € bleibt anrechnungsfrei (R 33a.1 Abs. 2 EStR). Für die Einkünfteberechnung des Empfängers gilt § 2 EStG; die Bezüge werden um damit zusammenhängende Aufwendungen gekürzt, mindestens um den Pauschbetrag in Höhe von 180 €.


________________________________________
Ich darf Sie abschließend darauf hinweisen, dass diese Plattform eine ausführliche und persönliche Rechtsberatung nicht ersetzen kann. Es wird ausschließlich das Ziel verfolgt, eine erste überschlägige Einschätzung Ihres geschilderten Rechtsproblems auf Grundlage der von Ihnen übermittelten Informationen von einem Rechtsanwalt zu erhalten. Die von mir erteilte rechtliche Auskunft basiert ausschließlich auf den von Ihnen zur Verfügung gestellten Sachverhaltsangaben. Durch Hinzufügen oder Weglassen relevanter Informationen im Rahmen Ihrer Sachverhaltsschilderung kann eine völlig andere rechtliche Beurteilung die Folge sein.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen einen ersten Überblick verschaffen und meine Ausführungen helfen Ihnen weiter. Sie können sich gern im Rahmen der Nachfrageoption auf diesem Portal mit mir in Verbindung setzen. Für eine kostenlose Rückfrage stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung. Sollten Sie eine darüber hinausgehende Vertretung in Erwägung ziehen, empfehle ich Ihnen eine Kontaktaufnahme über die unten mitgeteilte E-Mail-Adresse. Die moderne Kommunikation ermöglicht insoweit auch die Überbrückung größerer Entfernungen.


Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 30.05.2010 | 09:55


"Ich gehe davon aus, dass Sie deutscher Staatsbürger sind und Ihren (Erst-)Wohnsitz derzeit im Ausland haben."

Diese Annahme ist leider falsch. Ich bin seit 02/2010 wieder in Deutschland mit Hauptwohnsitz gemeldet. Meine Frau ebenfalls. Sie pendelt zwischen den Wohnsitzen/Ländern. Ändert dies die Möglichkeiten?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 30.05.2010 | 10:01

Sehr geehrter Ratsuchender,

ich beantworte Ihre Nachfrage gern wie folgt:

Nein, dies ändert die Möglichkeiten nicht.

Allerdings leiten sich dann die steuerlichen Handlungsalternativen aus anderen Paragraphen her. Die Grundbeurteilung bleibt dieselbe.

Sie sind somit unbeschränkt steuerpflichtig (§ 1 Abs. 1 EStG). Damit stehen Ihnen die Abzugsmöglichkeiten der doppelten Haushaltsführung und der außergewöhnlichen Belastungen über § 33a EStG ebenfalls zu.

Ich hoffe, Sie haben damit alle gewünschten Informationen erhalten. Für Rückinformationen oder weitergehende rechtliche Beratung in dieser oder einer anderen Angelegenheit stehe ich Ihnen gern zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen


Mariana Stötzer-Werner
Rechtsanwältin

Bewertung des Fragestellers 30.05.2010 | 10:25

Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

Stellungnahme vom Anwalt:
Jetzt Frage stellen