Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Arbeitgeber kürzt Stunden in der Schwangerschaft

23.09.2019 19:07 |
Preis: 50,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von


Zusammenfassung: Arbeitsrecht, Arbeitszeit, Anpassung, stillschweigend

Ich arbeite im Einzelhandel, in einem Arbeitsvertrag mit "variablen Stundeneinsatz auf Stundenlohnbasis".

Zitat Arbeitszeitvereinbarung aus dem Arbeitsvertrag:

"Der Mitarbeiter arbeitet mit flexiblem/variablem Stundensatz auf Stundenlohnbasis. Auf Wunsch des Mitarbeiters wird - abweichend von den Regelungen des Manteltarifvertrages - eine tägliche Arbeitszeit von 3 Stunden und wöchentliche Arbeitszeit von 10 Stunden vereinbart. Der Mitarbeiter und die Arbeitgeberin können sich jederzeit gemeinsam auf einen anderen Arbeitsumfang und oder eine andere Arbeitszeit verständigen. "

Vor der Bekanntgabe der Schwangerschaft habe ich seit 1 Jahr im Durchschnitt 35 Stunden die Woche gearbeitet. Nach Bekanntgabe meiner Schwangerschaft wurde ich nur noch für 10 Stunden / Woche vom Arbeitergeber eingeteilt. Was zu massiven Gehaltseinbußen führt.

Ein Beschäftigungsverbot liegt nicht vor.

Ich habe gelesen, dass laut Mutterschutzgesetz mir als Schwangere keine finanziellen Nachteile entstehen dürfen.

Darf der Arbeitgeber einfach so meine Stunden kürzen? Bzw. auf welcher Grundlage kann ich mich dagegen wehren?



Einsatz editiert am 25.09.2019 13:49:16
25.09.2019 | 18:00

Antwort

von


(23)
Güterbahnhofstraße 10
37073 Göttingen
Tel: 0551-5211627
Web: http://www.RAScheide.de
E-Mail:
Diesen Anwalt zum Festpreis auswählen Zum Festpreis auswählen

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Die vertraglich vereinbarte Arbeitzeit und die faktisch geleistete Arbeitszeit können weit auseinanderliegen, wie in Ihrem Fall.

Rechtlich gesehen gilt, dass eine einvernehmliche zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbarte dauerhafte Abweichung eine stillschweigende Änderung des Arbeitsvertrags darstellt.

Abzuleiten ist dies aus einem Urteil des Landesarbeitsgerichts Hamm (Az.: 8 Sa 2046/05 ). Danach sah der Tarifvertrag der Klägerin ursprünglich 28,5 Stunden pro Woche vor. Tatsächlich arbeitete sie aber über ein Jahr wesentlich länger. Nachdem sie der Arbeitgeber wieder 28,5 Stunden beschäftigen wollte, klagte die Arbeitnehmerin und verlangte auch weiterhin die Beschäftigung und Bezahlung als Vollzeitkraft. Das Gericht gab der Klage statt.

Es lag eine stillschweigende Neuregelung des Arbeitsvertrags.

So liegt es nach Ihren Schilderungen auch in Ihrem Fall.
Ruft der Arbeitgeber ständig und über einen längeren Zeitraum eine erhöhte Arbeitszeit ab und der Mitarbeiter leistet diese, handelt es sich nicht um Überstunden, sondern um die tatsächlich geschuldete vertragliche Leistung. Entscheidend ist dann nicht der Text im Arbeitsvertrag, sondern der wirkliche Wille von Arbeitgeber und Arbeitnehmer, der im tatsächlich „gelebten" Rechtsverhältnis zum Ausdruck kommt. Es muss von einer stillschweigenden Neuregelung des Arbeitsvertrags ausgegangen werden, wobei sich der Umfang der stillschweigend vereinbarten Arbeitszeit aus den praktizierten Arbeitszeiten der vergangenen Jahre ergibt.

Weiter schließe ich aus Ihren Ausführungen, dass für Ihr Arbeitsverhältnis ein Manteltarifvertrag für den Einzelhandel gilt. Diese enthalten oftmals noch weitere für Sie günstige Bestimmungen über die Anpassung der regelmäßigen Arbeitszeit. Sie haben das Recht, für das Arbeitsverhältnis geltende Tarifverträge bei Ihrem Arbeitgeber einzusehen. Diese müssen im Betrieb aushängen.

So heißt es zB in dem MTV Einzelhandel Brandenburg, §. 7 Teilzeitbeschäftigte, die auf Veranlassung des Arbeitgebers in der Zeit vom 1. Januar bis 30. September eines Kalenderjahres in einem Zeitraum von 26 Kalenderwochen durchschnittlich 25 Prozent oder mehr über die einzelver-traglich vereinbarte Arbeitszeit hinaus arbeiten, haben auf ihren Wunsch Anspruch auf einen die tatsächliche Arbeitszeit ausweisenden Arbeitsvertrag. :

Mein abschließender Rat ist daher, von Ihrem Arbeitgeber die schriftlich niedergelegte Anpassung der regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit auf die tatsächliche durchschnittliche Arbeitszeit des letzten Jahres zu fordern, auch für die Vergangenheit. Sie sollten Ihre Arbeitskraft ausdrücklich und schriftlich für diese Wochenstunden anbieten und eine entsprechende Einteilung im Dienstplan fordern.

Dieser Anspruch kann auch vor dem zuständigen Arbeitsgericht eingeklagt werden.

Sie sollten damit nicht allzu lange warten, damit nicht durch die "Rückstufung" auf 10 Stunden wieder eine stillschweigende Änderung des Arbeitsvertrags eintritt.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen


Rechtsanwalt Ingo Scheide

ANTWORT VON

(23)

Güterbahnhofstraße 10
37073 Göttingen
Tel: 0551-5211627
Web: http://www.RAScheide.de
E-Mail:
RECHTSGEBIETE
Arbeitsrecht, Insolvenzrecht, Baurecht, priv., Mietrecht, Markenrecht, Erbrecht, Vertragsrecht
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 70465 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Schnelle, kompetente und ausführliche Beratung! Dankeschön!! ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Habe etwas gewartet auf die Antwort, aber mein Angebot von € 25 war ja auch das Minimum, das man bieten kann, da stürzt sich nicht jeder Anwalt sofort darauf. Alles OK, ganz gutes System. Wer es sehr eilig hat, muss halt etwas ... ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Vielen Dank, Sie haben mir sehr geholfen! ...
FRAGESTELLER
Jetzt Frage stellen