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Arbeiten in den Niederlanden, Steuern in Deutschland?

| 15.02.2018 11:52 |
Preis: 100,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Andreas Wehle


Hallo,

ich habe ein lukratives Arbeitsangebot in der IT-Branche in Amsterdam erhalten. Nun könnte ich dorthin umziehen und meine Steuern und Sozialversicherung ebenfalls in den Niederlanden bezahlen. Diese Abgaben zusammen mit der Miete sind allerdings so hoch, dass sich das Unterfangen kaum lohnt.

Daher würde ich gerne in Deutschland besteuert werden und würde dafür auch jeden Tag von Deutschland aus pendeln. Laut den Informationen hier ( http://bit.ly/2F58OPo ) muss ich allerdings auch mit einem deutschen Wohnsitz meine Steuern und Abgaben in den Niederlanden entrichten. Das hilft mir nicht weiter.

Ist es irgendwie möglich auf legalem (!) Weg in den Niederlanden zu arbeiten, aber in Deutschland zu wohnen und Abgaben zu entrichten?

Ich hatte z.B. daran gedacht eine Firma in Deutschland zu gründen, die das Geld aus den Niederlanden erhält. Wenn ich dann in dieser Firma angestellt wäre, könnte ich in Deutschland meine Steuern und Sozialabgaben bezahlen. Kann es hier eventuell Probleme mit Scheinselbstständigkeit oder ähnlichem geben? Gibt es alternative Wege?

Vielen Dank!

Einsatz editiert am 15.02.2018 14:02:53

Sehr geehrter Ratsuchender,

gern beantworte ich Ihre Frage aufgrund der von Ihnen getätigten Angaben wie folgt.

Soweit Sie bei einer niederländischen Firma in den Niederlanden unselbständig tätig sind, werden Sie neben den entsprechend anfallenden Steuern auch die dortigen sonstigen Abgaben für sämtliche Sozialversicherungen zu entrichten haben.

Da hilft es auch nicht nur als Grenzgänger unterwegs zu sein. Das DBA D/NL aus 2012 enthält keine entsprechende Sonderreglung. Art. 14 Abs. 3 bezieht sich insoweit nur auf die Betriebsstätte, welche in einem grenzüberschreitenden Gewerbegebiet gelegen ist. Hilft also hier nicht weiter.

Insoweit kommt für Sie und Ihrem Anliegen eigentlich nur der Weg über die Selbständigkeit in Frage. Soweit hier NICHT die Artikel 15 bis 20 einschlägig sind (Stichwort Lehrtätigkeit, Studententätigkeit u.ä.) kommen wir hier zum Artikel 21 Abs. 1 DBA D/NL, wonach ausschließlich dem Ansässigkeitsstaat das Besteuerungsrecht zufällt. Insoweit würden bei einer Auftragstätigkeit auch keine Beiträge zur Sozialversicherung anfallen.

Die von Ihnen angedachte Gründung einer Firma in Deutschland würde hier einem eventuellen Verdacht einer Scheinselbständigkeit in den Niederlanden entgegenstehen, so eine solche Gefahr dort überhaupt besteht.

Ob die deutsche Firma eine Kapitalgesellschaft sein sollte, möchte ich dahinstehen lassen, jedoch benötigen Sie für eine Personengesellschaft immer zwingend mindestens eine weitere Person.
Andererseits erhöht sich ab Gründung einer Kapitalgesellschaft auch immer der Verwaltungsaufwand für diese, da hier eine doppelte Buchführung, die Veröffentlichung der Jahresabschlüsse u.a. Verpflichtungen bestehen.
Ein Teil Ihres Umsatzes für die lukrative Tätigkeit in Amsterdam würde sicher hierfür aufgebraucht werden und die Einkünfte der Firma würde bei der Wahl einer Kapitalgesellschaft zuerst bei dieser in Deutschland besteuert und bei Gewinnentnahme dann noch einmal entsprechend bei Ihnen bzw. soweit der Großteil bei Ihnen als GF-Gehalt verbleibt (Problem der Angemessenheit, da sonst eine verdeckte Gewinnausschüttung im Raum steht), dieses Ihrem persönlichen Steuersatz unterfällt.

Ich habe einmal verschiedene Informationsseiten für Sie zusammengestellt…

http://www.go-euregio.eu/de/arbeiten/arbeiten-den-niederlanden/krankenversicherung
https://grenzinfo.eu/wp-content/uploads/30-Fragen-zum-Arbeiten-in-den-Niederlanden_2017.pdf
https://www.vgsd.de/es-geht-auch-unbuerokratisch-abgrenzung-von-scheinselbstaendigkeit-in-den-niederlanden/

Bedenken Sie, dass die Kosten für einen Arbeitnehmer aufgrund der vom Arbeitgeber zu tragenden und abzuführenden Kosten im Grunde immer niedriger sein muss, als für den Auftragnehmer, der diese Kosten stets selbst zu tragen hat. Wenn also Ihre Entgelt für die gleiche Tätigkeit als Auftragnehmer entsprechend höher ausfällt, ist das ein gutes Argument gegen eine Scheinselbständigkeit (auch gegenüber beim Auftraggeber).


Ich hoffe Ihre Fragen beantwortet zu haben und verbleibe mit

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Wehle
Rechtsanwalt /Aachen



Bewertung des Fragestellers 17.02.2018 | 12:27

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