Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Arbeiten in CH, wohnen in D

24.07.2013 15:20 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Ich habe ein sehr gutes Jobangebot in der Schweiz (als Angestellter einer Firma). Da ich diesen Job von überall aus machen kann (Werbetexter, ich muss max 1 mal im Monat auf ein Meeting in CH), stellt sich natürlich die Frage, ob ich nicht einfach weiterhin in D wohnen bleibe.

Das Gehalt soll in CH versteuert werden, nicht in D. Nach meinem Kenntnisstand geht dies nur, wenn ich meinen "Lebensmittelpunkt" nicht mehr in D habe und mich auch nicht mehr als 180 Tage/Jahr in D aufhalte. (und auch keine Frau oder Kinder in D habe, was nicht der Fall ist)


Fragen hierzu:

Darf ich in D eine eigene Wohnung als ZWEITWOHNUNG mieten (für meinen Aufenthalt hier (180 Tage))?

Ebenso könnte ich eine Wohnung in D über einen Freund/Familienmitglied mieten. Darf ich Miete aus CH an einen Vermieter in D überweisen, bei dem ein Freund/Familienmitglied die Wohnung gemietet hat, oder muss die Miete direkt vom Mieter überweisen werden (dem ich die Miete dann monatlich aus CH überweisen müsste <-- ist dies problematisch?)

Ist dies generell "rechtens"? Worauf muss ich dabei achten? Was kann mir schlimmstenfalls passieren bei einem solchen Konstrukt?





Sehr geehrte(r) Ratsuchende(r),

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich im Rahmen einer Erstberatung und aufgrund des von Ihnen geschilderten Sachverhalts wie folgt beantworten möchte:

Zunächst stellen Sie vollkommen richtig fest: Sie sind in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig, wenn Sie in Deutschland einen Wohnsitz oder Ihren gewöhnlichen Aufenthaltsort haben, § 1 EStG.

Hierfür ist unmaßgeblich, ob Sie in Deutschland einen Zweit- oder einen Erstwohnsitz haben. Sie können also selbstverständlich in Deutschland eine "Zweitwohnung" mieten. Wenn Sie sich dort aber an mehr als 180 Tagen aufhalten, haben Sie in Deutschland Ihren gewöhnlichen Aufenthaltsort und sind damit weiterhin unbeschränkt steuerpflichtig. Die Steuerpflicht knüpft also nicht nur an den Wohnsitz an, sondern vor allem an die tatsächlichen Umstände, eben den tatsächlichen Aufenthalt.

Sie können selbstverständlich auch eine Wohnung über einen Freund mieten, sie dürfen auch Miete aus CH an einen Vermieter in Deutschland überweisen, bei dem ein Freund/Familienmitglied die Wohnung gemietet hat, wenn der Vermieter dabei mitspielt.

Steuerrechtlich ist dies aber nicht von Relevanz.

Ich gehe davon aus, dass Sie durch obige Konstruktion dem Finanzamt gegenüber Ihren Aufenthalt in Deutschland verschleiern wollen.

Dies ist natürlich nicht rechtens und stellt im Erfolgsfalle eine strafbare Steuerhinterziehung dar. Die Maximalstrafe bei einfacher Hinterziehung liegt bei 5 Jahren Freiheitsstrafe, nach der Rechtsprechung des BGH ist bei der Strafzumessung allerdings die Höhe des Hinterziehungsbetrages maßgeblich. Bis 50.000 € werden hauptsächlich Geldsrafen verhängt. Der hinterzogene Betrag ist meistens nachzuzahlen.

Als Fazit lässt sich einfach sagen: Entweder sie leben (tatsächlich) die meiste Zeit des Jahres in Deutschland, dann sind Sie hier unbeschränkt steuerpflichtig und haben Ihr schweizer Einkommen hier zu versteuern. Oder Sie leben die meisste Zeit in der Schweiz und haben in Deutschland keinen Wohnsitz, dann sind Sie mit Ihrem schweizer Einkommen in der Schweiz unbeschränkt steuerpflichtig. Unwahre Angaben über die tatsächliche Aufenthaltsdauer führen im Entdeckenfalle im besten Falle zu einer Nachversteuerung, im schlimmsten Falle zu einem Verfahren wegen Steuerhinterziehung.


Ich hoffe, Ihnen mit meinen Ausführungen einen ersten Überblick verschafft haben zu können, wie er im Rahmen einer Erstberatung möglich ist und bedanke mich nochmals für die Anfrage.

Bei Nachfragen nutzen Sie unbedingt die kostenlose Nachfragefunktion. Dies gilt natürlich auch, sollte ich Ihre Nachfrage falsch gedeutet haben.

Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 24.07.2013 | 18:05

Wenn ich Sie recht verstehe, ist es also durchaus möglich, eine Zweitwohnung in D zu haben und (ausschließlich) in CH Steuern zu zahlen, sofern ich tatsächlich nicht mehr als 180 tage in dieser (meiner) Zweitwohnung in D zubringe, korrekt?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 25.07.2013 | 09:19

Danke für die Nachfrage, die ich wie folgt beantworte:

Leider haben Sie mich da nicht richtig verstanden.

Unbeschränkt steuerpflichtig in Deutschland ist gemäß § 1 EStG, wer hier einen Wohnsitz ODER seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat.

Einen Wohnsitz kann man auch begründen, wenn man sich weniger als 183 Tage im Jahr im Inland aufhält.

Für die Annahme eines Wohnsitzes genügt es, wenn man in Deutschland eine Wohnung zu seiner Verfügung hat.

Im Einzelfall sind alle tatsächlichen Umstände zu berücksichtigen, die erkennen lassen, dass die Wohnung als Bleibe dient, dass Sie ständig oder doch mit einer gewissen Regelmäßigkeit und Gewohnheit benutzt wird.Beipielhafte Faktoren: Dauer der tatsächlichen Nutzung, Bauausführung, Lage, Ausstattung und Einreichtung etc.

Gehört einem also ein Haus in Deutschland, hat man unabhängig davon, ob man in dem Haus auch tatsächlich lebt, im Zweifle auch einen Wohnsitz in Deutschland, weil man jederzeit das Haus als Wohnung nutzen könnte. Vermietet man das Haus allerdings langfristig, liegt wohl kein Wohnsitz mehr vor.

Mieten Sie eine Wohnung in Deuztschland, haben Sie hierüber die Verfügungsbefugnis.

Lassen Sie die Wohnung durch einen Dritten mieten, haben aber die Schlüssel und zahlen auch die Miete, stellt dies eine Umgehung dar. Ob diese entdeckt wird, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Dieses Handeln ist aber, wie bereits ausgeführt, strafbar.

Also: Mieten Sie in Deutschalnd eine Zweitwohnung, und lässt sich diese Zweitwohnung aufgrund Ihres Nutzungsverhaltens als Wohnsitz qualifizieren (regelmäßige Nutzung (auch unter 183 Tage), Schlüsselgewalt, Zahlung von Miete, Lagerung von persönlichen Gegenstände etc), bleiben Sie in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig.

Die einzige Möglichkeit, relativ sicher einer Besteuerung in Deutschland zu umgehen, ist die Aufgabe jeglichen Besitzes in Deutschland und der Umzug in die Schweiz.

FRAGESTELLER 30.12.1899 /5,0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 70966 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Die Antwort war eindeutig, so dass nun Rechtsklarheit besteht. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Alles bestens ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Herr Wilking hat sehr detailliert, freundlich und hilfreich geantwortet. Ich empfehle ihn weiter. ...
FRAGESTELLER