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Arbeiten aus dem Ausland - Arbeitsrechtliche Aspekte


| 30.11.2015 19:50 |
Preis: ***,00 € |

Internationales Recht


Beantwortet von


Zusammenfassung: Problematik der Einreise mit einem Touristenvisum, wenn nicht klar ist, ob man sich nun zu touristischen Zwecken oder anderen in mehreren Ländern der Welt aufhält. Hinweise zu Krankenver-sicherungen und Steuern bei längeren Auslandsaufenthalten.


Hallo,
wie mit meinem deutschen Arbeitgeber vereinbart, werde ich ein komplettes Jahr aus dem Ausland arbeiten. Die Frage die sich mir stellt, ist ob es grundsätzlich bestimmte rechtliche Aspekte in den bereisten Ländern zu beachten gibt.

Details zu meinem Arbeitsverhältnis:
- Ich erhalte bei meinem deutschen Arbeitgeber eine einjährigen Vertrag als Angstellter mit 20 Stunden Wochenarbeitszeit.
- Der Vertrag erlaubt es mir aus jedem beliebigen Ort der Welt zu arbeiten.
- Weiterhin werde ich ausschließlich Leistungen für meinen deutschen Arbeitgeber erbringen.
- Weiterhin werde ich von meinem deutschen Arbeitgeber über mein deutsches Konto entlohnt.

Details zu meiner persönlichen Situation:
- Weiterhin behalte ich meinen Wohnsitz in Deutschland (obwohl mein gewöhnlicher Aufenthaltsort wohl nicht mehr in Deutschland bleibt).

Details zu meiner Reiserei:
- Jedes Monat werde ich meinen Aufenthaltsort wechseln und in eine neue Stadt reisen (2 Monate in Argentinien und jeweils 1 Monat in Bolivien, Peru, Türkei, Tschechien, Kroatien, Serbien, Thailand, Malaysia, Kambodscha, Vietnam).
- In den Städten verbleibe ich nur temporär und beabsichtige dort keinen Wohnsitz anzumelden.

KONKRETE FRAGEN:
- Benötige ich eine Arbeitserlaubnis für die einzelnen Länder? (Hier geht es mir eher um eine grundsätzliche Antwort und nur zweitrangig um Details pro Land)
- Bin ich verpflichtet mein Einkommen in den einzelnen Ländern zu versteuern und dort Sozialversicherungsbeiträge abzuführen?

Momentan beabsichtige ich in die einzelnen Länder mittels Touristenvisa und ohne Arbeitserlaubnis einzureisen - da ich einerseits den lokalen Arbeitsmarkt nicht beeinflusse und mit meinem 50%-Vertrag tatsächlich meinen Hauptzweck im Reisen sehe.
Meine Steuern und Sozialversicherungsabgaben plane ich zu 100% in Deutschland abzuführen, weil dort meine Leistung verwertet wird, ich dort entlohnt werde und dort auch meinen Wohnsitz behalte.

Vielen Dank im Voraus für Ihre Unterstützung und etwaige Tipps !
30.11.2015 | 21:34

Antwort

von


131 Bewertungen
Winsstraße 66
10405 berlin
Tel: 03040393365
Web: www.jahn-law.com
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Sehr geehrter Fragesteller,

gerne beantworte ich Ihre Frage auf der Basis des gegebenen Sachverhaltes, der leider ein wenig lückenhaft ist, wie folgt.

Wenn Sie selbst Staatsangehöriger eines Mitgliedsstaates der EU wie z.B. Deutschlands sind, wovon ich mangels anderer Sachverhaltsangaben ausgehe, stellt sich ihre Frage nach der Arbeitserlaubnis bzw. einem Visum für Kroatien und Tschechien überhaupt nicht, da das auch EU-Mitgliedsstaaten sind.

Zu den anderen Ländern ohne ins Detail zu gehen, das allgemein das Folgende:

Generell ist die Idee in welches Land auch immer mit einem Touristenvisum einzureisen, obwohl man schon weiß, dass man nicht nur Tourist sein wird, problematisch, weil zumindest alle Rechtsordnungen, mit denen ich leidlich vertraut bin, darin ein Einreisevergehen sehen.

Leider geben sie nicht an, was genau sie in den betreffenden Ländern machen wollen. Das ist hier aber wichtig, um das Risiko einschätzen zu können. Wenn Sie z.B. Reisejournalist sind oder sich wirklich nur für Recherchen in den betroffenen Ländern aufhalten wollen, ist es nun einmal einfach gängige Praxis, dass dafür kaum jemand eine Form von Arbeitsvisum beantragt. (Das macht auch merkantilen Sinn, weil man nur Geld in das Land trägt, aber keines aus ihm herausholt.) Auch Journalisten bekommen aber mitunter Probleme bei ihren Recherchen mit dieser Praxis, wenn Sie in Richtungen ermitteln, die jemand Offiziellem im Landesinnern nicht genehm sind, und einige der genannten Länder sind nicht ohne politische und soziale Spannungsfelder, die Mitteleuropäer schlecht einschätzen können.

Wenn es aber darum geht, dass sie dort etwas verkaufen wollen, oder etwa als Handelsvertreter für ihren deutschen Arbeitgeber auftreten wollen, geht das mit dem Touristenvisum überhaupt nicht: Um ein Beispiel herauszugreifen für Argentinien müssten sie dafür ein "visa de negocios" beantragen. Nähere Informationen dazu, finden sie auf der Seite der argentinischen Botschaft, und ich würde davon ausgehen, dass es ähnliche Formalia für die anderen genannten Staaten gibt.

Wirklich unbedenklich ist ihr Vorhaben, wohl nur dann, wenn sie praktisch überhaupt nicht in das ökonomische und politische des jeweiligen Ziellandes einzugreifen gedenken. Das wäre allerdings eine sehr seltene Konstellation: Es müsste dann so sein, dass sie quasi ihre eigene, persönliche Weltreise als Tourist machen, und nebenbei ein bisschen Online für den deutschen Arbeitgeber tätig sind, denn da würde ja auch nur eine touristische Reise vorliegen, da sie sich in den genannten Ländern zu ihrem Privatvergnügen aufhalten und dort auch nur touristische Ausgaben haben.

Die Beibehaltung eines deutschen Meldewohnsitzes ist immer auch ein allerdings nicht konklusives Indiz für das Vorliegen eines steuerlichen Wohnsitzes in Deutschland, und man kann auch einen steuerlichen Wohnsitz beibehalten, ohne sich mehr als sechs Monate im Inland aufzuhalten. Auf einem anderen Blatt steht allerdings in welcher Form und ob überhaupt die ganzen Reisekosten sich im übernächsten Jahr bei Ihnen oder ihrem Arbeitgeber auswirken werden (falls überhaupt, wenn es wirklich nur um touristische Reisen geht).

(Ich weiß nicht, ob es sie betrifft, aber häufig bekommen Personen, die arbeitend eine sehr lange Weltreise machen, und ihren steuerlichen Wohnsitz in Deutschland beibehalten, auch Probleme mit Kinder- oder Elterngeld, sofern das für sie relevant sein sollte).

Ein Problem, an das sie noch nicht gedacht, dass sich hier aber stellen wird, ist die Krankenasse, sofern sie gesetzlich krankenversichert sind und keine private Krankenversicherung mit weltweiter Deckung abschließen. Die Beiträge in die deutsche gkV müssen nämlich bezahlt werden, obwohl außerhalb der EU und weniger Staaten, mit denen eine entsprechendes Sozialversicherungsabkommen besteht, kein Deckungsschutz besteht, wenn sie dort krank werden.

Sie haben hier noch eine kostenlose Nachfragefunktion, die ich sie auch zu nutzen ermuntern möchte, falls diese Antwort für sie nicht detalliert genug oder erschöpfend sein sollte. Präzisieren Sie dann aber bitte, ihre eigene Staatsangehörigkeit, die Art ihrer Tätigkeit und die Verbindung zwischen dieser und all den Reisen.

Mit freundlichen Grüßen
Ra. Jahn LL.M.



Nachfrage vom Fragesteller 08.12.2015 | 00:12

Sehr geehrter Herr Ra. Jahn LL.M.,

vielen Dank für Ihre verständliche und ausführliche Antwort. Gerne liefere ich hiermit die fehlenden Informationen nach und stelle mein Verständnis Ihrer Antwort entsprechend dar. Für die Bestätigung meiner Interpretation möchte ich Ihnen im Voraus danken.

Zunächst, wie gewünscht, ein paar grundsätzliche Informationen: Ja, ich bin Staatsangehöriger eines EU-Mietgliedsstaates. Meine Tätigkeit führe ich für die Zentrale eines deutschen, global-tätigen Konzerns aus. Meine Tätigkeit beschränkt sich auf interne Leistungen (Personalwesen). Diese dienen zwar Mitarbeitern in der ganzen Welt, stehen aber in keinem direkten Zusammenhang mit den bereisten Ländern.

Tatsächlich ist es so, dass ich eine persönliche Weltreise als Tourist mache und nebenbei (zu 50%) online für meinen deutschen Arbeitgeber tätig bin. Somit werde ich weder in das ökonomische noch politische Geschehen der Länder eingreifen. Die Auswahl der Länder basiert auf meinen touristischen Interessen und nicht auf geschäftlichen Verknüpfungen meines deutschen Arbeitgebers zu diesen Märkten. Bis auf mögliche Telefon- und Internetkosten werde ich somit auch nur touristische Ausgaben haben. Auch die Reise- und Lebenserhaltungskosten werde ich und nicht mein Arbeitgeber tragen.

Meine CONCLUSIO basierend auf Ihren Ausführungen: Mittels Touristenvisa in die einzelnen Länder einzureisen ist somit unbedenklich. Entspricht diese Conclusio Ihrem Verständnis?

Glücklicherweise bin ich privat krankenversichert und die jeweils ersten beiden Monate im außereuropäischen Ausland sind laut meiner Versicherung inklusive. Darüber hinaus müsste ich für die einzelnen zusätzlichen Monate im außereuropäischen Ausland einen Zuschlag bezahlen. Falls Sie mir beantworten könnten, ob bzw. wie dieser Zuschlag grundsätzlich zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufzuteilen ist, wäre ich Ihnen sehr dankbar.

Vielen Dank für Ihre hervorragende Beratung,
mit freundlichen Grüßen!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 08.12.2015 | 08:46

Sehr geehrter Fragesteller,

gerne beantworte ich auch Ihre Nachfrage.

Die Conclusio ist zutreffend. Solange Sie wirklich nur Tourist sind, sind sie nur Tourist.

Der Zuschlag zur pkV landet dann aber natürlich de acerudo zu 100% bei Ihnen, eben weil die Reise Ihr Privatvergnügen ist, und es an jeder betrieblichen Veranlassung fehlt.

Außerdem ist dieser Zuschuss in 2015 sowieso auf €301,25 beschränkt, was schon nur der Hälfte des Basistarifs bei "Unisextarif" entspricht und keine weitere Zuschläge abdecken kann.

Was man vielleicht noch beachten sollte, ist, dass aus ihrem Reisepass ja diese ganzen Reisen bei Einreise ersichtlich sind und man sich vielleicht vorab informieren solllte, ob es irgendwelche gegenwärtigen Spannugen zwischen den ganzen Ländern gibt, die einfach dazu führen, dass Grenzbeamten sich etwas anstellen. An was ich denke, ist so etwas wie, dass wenn man z.B. von einem südamerikanischen Land in ein anderes reist und dabei einen 24h-Zwischenstop auf einem Flughafen in den USA hat, werden die natürlich mit jedem Stempel im Paß mißtrauischer.

Gute Reise.

MIt freundlichen Grüßen
Ra. Jahn

Bewertung des Fragestellers 08.12.2015 | 11:09


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