Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Arbeit auf Abruf - Bezahlung Urlaub

11.03.2017 10:23 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Doreen Prochnow


Zusammenfassung: Der Urlaubsanspruch richtet sich nach den tatsächlich zu leistenden Arbeitstagen, auch wenn im Arbeitsvertrag eine andre Anzahl eingetragen ist. Arbeitstag ist jeder Tag, an dem Arbeitsleistungen abgefordert werden.

Guten Tag,

in meinem Arbeitsvertrag findet sich folgender Absatz:

"Der Arbeitnehmer ist nicht vollbeschäftigt. Seine wöchentliche Arbeitszeit beträgt 20 Stunden. Der Arbeitnehmer ist damit einverstanden, darüber hinaus auf Abruf des Arbeitgebers zu arbeiten. Die wöchentliche Inanspruchnahme beträgt dann maximal 40 Stunden. Der Arbeitnehmer ist nur zur Arbeitsleistung auf Abruf verpflichtet, wenn der Arbeitgeber die Lage der Arbeitszeit jeweils mindestens 4 Tage im voraus mitteilt. Es wird jedoch erwartet, daß der Arbeitnehmer auch bei nicht fristgerechter Mitteilung die Arbeitsleistung erbringt."

Ich arbeite regelmäßig 36 Stunden die Woche, per Dienstplan 3 Monate im voraus eingeplant. Die Bezahlung des Urlaubs erfolgt jedoch nach den 20 Stunden pro Woche.

Meine Frage wäre, ob es sich bei soviel Regelmäßigkeit immer noch um Arbeit auf Abruf handelt und die Bezahlung des Urlaubs so gerechtfertigt ist?

Vielen Dank.

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Der Urlaubsanspruch hängt nicht von den geleitsteten Studnen, sondern den regelmäßig geleisteten Tagen ab. Bei einer regelmäßigen 6-Tage Woche besteht ein Anspruch auf 24 Urlaubstage pro Jahr, bei einer 5-Tage-Woche von 20 Urlaubstagen, § 3 BUrlG.

Dabei ist auf die tatsächlich geleistete Arbeit und nicht den Arbeitsvertrag abzustellen (LAG München, Urteil vom 15. Januar 2014, Aktenzeichen 11 Sa 659/13, Bundesarbeitsgericht Urteil vom 15.03.2011, Aktenzeichen 9 AZR 799/09 und BAG, Urteil vom 15.01.2013, 9 AZR
430/11). Weist der Arbeitsvertrag eine geringere Arbeitstaganzahl aus, als die tatsächlich geleistete ist also die tatsächlich geleistet Arbeitszeit maßgeblich. Ein Arbeitstag ist jeder Tag , an dem der Arbeitnehmer Arbeitsleistungen erbringen soll. Da ich davon ausgehe, dass sie mit erhöhter Stunden zahl auch mehr Arbeitstage geleistet haben, steht ihnen auch ein höherer Urlaubsanspruch zu.

Lediglich der Grundurlaubsanspruch kann dem Arbeitsvertrag entnommen werden, wenn dieser den gesetzlichen Mindesturlaub Übersteigt. Werden die 20 Stunden also auf 3-Tage berchnet und stehen ihnen hierfür besipielsweise 15 Urlaubstage arbeitsvertraglich zu, so würde dies den gesetzlichen Urlaubsanspruch um 3 Tage überschreiten. Leisten sie nun aber ihre 36 Stunden an 6 Arbeitstagen in der Woche, so würden ihnen dann 30 Urlaubstage zustehen, statt den gesetzlichen 24.

Fazit: Sie sollten also genau aufpassen, wieviele Arbeitstage sie leisten, denn hiernach, und nicht nach der Stundenzahl, richtet sich ihr Urlaubsanspruch. Eine Urlaubsabgeltung ( Auszahlung des Urlaubsanspruches in Geld kommt nur in Betracht wenn sie aufgrund der Beendigung des Arbeitsverhältnisses keine Möglichkeit hatten, den Urlaub in Freizeit zu nehmen ( § 7 Abs. 4 BUrlG). Hier sind pro abgegoltenen Tag ebenfalls die tatsächlich durchschnittlich geleisteten Stunden pro Tag heranzuziehen.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 11.03.2017 | 19:40

Danke für die schnelle Anwort!

Ich muß die Nachfragefunktion nutzen … ich glaube, ich habe es noch nicht ganz verstanden ...

Meine Frage bezog sich nicht auf den Urlaubsanspruch in Tagen, sondern auf das Urlaubsentgelt.

Ich arbeite doch geplant und regelmäßig mehr als 20 Stunden in der Woche.

Die 20 Stunden pro Woche werden im Arbeitsvertrag unter „Grundentgelt" aufgeführt, die zusätzlich geleisteten Stunden unter „Stundenvergütung".

Wenn ich in Urlaub gehe, werden diese Urlaubstage eben nur mit 4 Stunden/pro Tag mal meinem Stundenlohn verrechnet. Egal, ob ich vorher mehr als 4 Stunden pro Tag bzw. 20 Stunden die Woche gearbeitet habe, was jedes Mal der Fall ist.


Sie schreiben:
„Fazit: Sie sollten also genau aufpassen, wieviele Arbeitstage sie leisten, denn hiernach, und nicht nach der Stundenzahl, richtet sich ihr Urlaubsanspruch. Eine Urlaubsabgeltung ( Auszahlung des Urlaubsanspruches in Geld kommt nur in Betracht wenn sie aufgrund der Beendigung des Arbeitsverhältnisses keine Möglichkeit hatten, den Urlaub in Freizeit zu nehmen ( § 7 Abs. 4 BUrlG). Hier sind pro abgegoltenen Tag ebenfalls die tatsächlich durchschnittlich geleisteten Stunden pro Tag heranzuziehen."

Wenn ich mehr als 20 Stunden in der Woche gearbeitet habe (also 36), steht mir dann beim Urlaubsentgelt auch eine entsprechende Mehrvergütung zu oder kann ich diese wirklich erst nach Beendigung des Arbeitsvertrages geltend machen ?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 12.03.2017 | 08:25

Lieber Fragesteller, gerne beantworte ich ihre Nachfrage.

Zunächst zusammengefasst: Ja sie dürfen eine Urlaubsabgeltung tatsächlich erst nach Ende des Beschäftigungsverhältnisses verlangen, vorher sind sie gehalten ihren Urlaub in Naturalien, sprich freien Tagen zu nehmen.

Für eine Urlaubsabgeltung haben die tatsächlich geleisteten Stunden zu Grunde gelegt zu werden. Hieraus ist eine Berechnungswert als Durchschnitt zu bilden. Hier "schlagen" sozusagen die tatsächlichen Verhältnisse die Rgelungen im Arbeitsvertrag.

Der Gesetzgeber und die Rechtsprechung gehen davon aus, dass niemand eine Maschine ist und daher freie Tage, der Gesundhaltung sowohl in körperlicher als auch psychischer Hinsicht dienen. Somit sollen Arbeitnehmer den Urlaub in freien Tagen erhalten, an diesen Tagen ist ihnen grundsätzlich auch die Tätigkeit bei anderem Arbeitgeber verboten. Sie dienen allein der Erholung des Arbeitnehmers, so dass z.B. auch Krankheit im Urlaub dem Arbeitgeber mitgeteilt werden sollte, da diese einer Aufzehrung des Urlaubsanspruches entgegensteht. Aus diesem Grund ist eine Urlaugbsabgeltung nur im absoluten Hinderungsgrund hinnehmbar, dieser ist gegeben, wenn das Arbeitsverhältnis endet.

Eine Urlaubsabgeltung kann demnach wirklich erst nach Ende des Arbeitsverhältnisses verlangt werden, vorher ist sie unzulässig. Bei der Urlaubsabgeltung sind dann jedoch die tatsächlich geleisteten Stunden zu Grunde zu legen und nicht die "Feststunden" aus dem Arbeitsvertrag.

Auch funktioniert eine MIschform, z.B. Regelarbeitszeit in Freizeit und "Mehrarbeit" als Abgeltung nicht. Sondern auch die Mehrarbeit als freier Tag ausgeglichen zu werden, also in dem sich der Urlaubsanspruch in Tagen erhöht. Erst bei der Abgeltung am Ende des Arbeitsverhältnisses spielt die pro Tag geleistet Stundenzahl eine Rolle. Hier ist zunächst zwischen Überstunden und Mehrarbeit zu differenzieren, aufgrund des Dauerzustandes gehe ich bei ihnen von Mehrarbeit aus und nicht von sporadisch auftretenden nur vereinzelten tageweisen Überstunden aus, aber dies ist sauber zu prüfen.

Bei Überstunden haben diese abgegolten zu werden, Mehrarbeit ist ebenfalls zu vergüten, erhöht aber obendrein noch den Urlaubsanspruch bzw. dessen Abgeltung, da sich die durchschnittlich geleistete Stunden bzw. Arbeitstaganzahl erhöht.

Ich hoffe, nun ist es eindeutiger.

mit freundlichen Grüßen

Doreen Prochnow

FRAGESTELLER 30.12.1899 /5,0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 70047 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Schnelle und fundierte Antwort bei einem komplexen Thema. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Alles bestens. Vielen Dank! ...
FRAGESTELLER