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Anzeige wegen Untreue

| 21.12.2005 10:12 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Sylvia True-Bohle


Sehr geehrte Damen und HErren,

A und B bilden Erbengemeinschaft E und führt gemeinschaftlich eine Erbengemeinschaftskonto.

A hat widerrechtlich eine Privatentnahme vom Gemeinschaftskonto getätigt. Laut Auskunft eines Anwalts aus dem Erbrecht handelt es sich um den Tatbestand der Untreue.

A wurde mehrfach angemahnt, das Geld zurückzuüberweisen.

A hat die Entnahme per Lastschrift sich zukommen lassen.

Frage: wenn B das Geld per Widerruf der Lastschrift dem GEmeinschaftskonto wieder zukommen läßt , kann B dann auch nachträglich es zu einer Anzeige bringen?

(Es geht nicht in der Frage darum, ob ein strafrechtliches Vorgehen von B gegen A sinnvoll ist oder nicht. Es interessiert lediglich die REchtslage )

Besten Dank für eine Antwort

Sehr geehrte(r) Ratsuchende(r),

die Untreue ist die vorsätzliche Verletzung der Pflicht zur Betreuung (auch) fremder Vermögensinteressen durch Benachteiligung des zu Betreuenden (BGHSt 14, 47).

Der Treuebruch ist dabei darin zu sehen, dass die dem Täter obliegende (mit-)Pflicht, fremde Vermögensinteressen wahrzunehmen, verletzt wird.

Und nun kommt das Wichtige: Die Untreue ist vollendet, wenn eine als Schaden anzusehnede GEFÄHRUNG vorliegt (BGHSt 20, 305); dazu reicht auch eine vorübergehende Gefährdung eines Anspruches aus!

Dieses ist nach Ihrer Schilderung hier gegeben, so dass die Frage, ob per Widerruf der Lastschrift das Geld dem Gemeinschaftskonto wieder zugeflossen ist, für die strafrechtliche Bewertung unwichtig ist.

Das Verhalten stellt also eine Untreue dar und kann zur Anzeige gebracht werden.

Die Staatsanwaltschaft hat das das Ermittlungsverfahren zu eröffnen. Kommt es zur Anklage, wäre die Frage der Rückführung allein bei der Strafzumessung zu berücksichtigen, nicht jedoch bei einer Verurteilung selbst.


Mit freundlichen Grüßen

Rechtsanwältin
Sylvia True-Bohle

Nachfrage vom Fragesteller 21.12.2005 | 10:40

besten Dank für die schnelle Beantwortung meiner Frage, die mir sehr geholfen hat.

Mit "GEFÄHRUNG" meinen Sie sicherlich GEFÄHRDUNG, oder?

Und hier meine Nachfrage:

Die Entnahme besteht in Höhe von 5000 Euro. B hat A sogar über den Anwalt von A mehrfach angemahnt, das Geld zurückzuführen.

Wie stehen (unverbindlich eingeschätzt) die Chancen der ERöffnung einer Anklage und ,falls man das überhaaupt einschätzen kann, welches Strafmaß? Im Fall einer Verurteilung: Eintrag ins Führungszeugnis?

Ich bedanke mich im voraus und wünsche IHnen ein erfolgreiches und spannendes Jahr 2006

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 21.12.2005 | 10:45

Zunächst Danke für die guten Wünsche, die ich hiermit zurückgeben möchte.

Es muss natürlich Gefährdung heißen; bitte entschuldigen Sie den Tippfehler.

Die Chancen für die Eröffnung der Anklage stehen nicht schlecht, da hier vergeblich die Rückzahlung angemahnt worden ist.

Beim Strafmaß gehe ich davon aus, dass A nicht vorbestraft ist, so dass mit einer Geldstrafe zu rechnen wäre (ansonsten mit einer Gefängnisstrafe, ggfs. mit Bewährung), deren Höhe ohne weitere Anhaltspunkte aber nicht vorhergesagt werden kann. Sollte die Verurteilung 90 Tagessätze überschreiten, gäbe das einen Eintrag.


Mit freundlichen Grüßen

Rechtsanwältin
Sylvia True-Bohle

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