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Anzeige wegen Ladendiebstahl


25.08.2007 14:47 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Jens Jeromin



Hallo!

Ich wurde nach einem Besuch bei H&M auf der Strasse vom Kaufhausdetektiv angesprochen, daß ich beim Diebstahl beobachtet wurde.
Daher mußte ich mit in das Büro und meine Tasche öffnen. Darin befanden sich die angeblich gestohlenen Kleidungsstücke. Zwar handelte es sich bei allen Teilen um neue Kleidung aus dem Hause H&M. Allerdings alle ohne Preisschild oder sonstige Anhänger. Ich erklärte daher, daß ich die Sachen am Vortag gekauft hatte und auf dem Weg zu meiner Freundin bin, der ich die Sachen vorführen wollte, und eben noch einmal bei H&M rein bin,um mich umzuschauen. Allerdings heute, ohne etwas zu kaufen.

Das hat mir der Detektiv nicht geglaubt. Er hätte mich die ganze Zeit beobachtet und ich sei mit wesentlich weniger Teilen aus der Kabine gekommen, als ich mit hineingenommen habe. Was auch stimmt, allerdings habe ich zwischendurch einmal Sachen ausgetauscht,weggehängt und neue hereingeholt. Das glaubte er mir nicht. Er hätte die ganze Zeit vor der Umkleide gesessen. Was nicht sein kann, da ich zwischendurch herauskam und er dort nicht saß.

Er sagte, ich soll alles zugeben, dann kann ich gehen. Wenn ich es nicht zugebe, kommt die Polizei und führt mich in Handschellen aus dem Geschäft, um mich dann nach Hause zu fahren und gegebenenfalls noch meine Wohnung zu durchsuchen. Ich fühlte mich sehr von ihm in die Ecke gedrängt.

Das wäre mir zwar sehr peinlich gewesen. Doch ich stritt weiterhin alles ab. Dann kam die Polizei und nahm lediglich meine Personalien auf und behielt die Kleidung ein, um sie "sicherzustellen".

Ich habe gerade schon geguckt, aber den Bon von den Kleidern habe ich nicht mehr, da ich sehr viel bei H&M kaufe und die Belege immer wegschmeiße, da es sich eben um billige Ware handelt, von der man sich auch schnell wieder trennt.

H&M erstattete Strafanzeige gegen mich. Der Detektiv wurde noch darauf hingewiesen, daß solche Praktiken, bei denen einem mit Handschellen gedroht werden, nicht in Ordnung seien.
Ich konnte gehen.

Die angeblich gestohlenen Waren haben etwa einen Gesamtwert von €120. Ich bin 26 Jahre alt und nicht vorbestraft.

Nun meine Fragen:
Womit muß ich rechnen? Sicherlich mit einer Anhörung bei der Polizei. Geht das schriftlich oder muß ich dort hinfahren? Wird es auch vor Gericht gehen? H&M kann mir ja keinen Diebstahl nachweisen, oder?
Ich studiere auf Lehramt und muß zum Referandariat ein Führungszeugnis vorlegen. Wird darin auch etwas von der Anzeige stehen?
Wie wahrscheinlich ist es, daß das Verfahren eingestellt wird? Ist der Wert dafür zu hoch?

Vielen, vielen Dank und viele Grüße.

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Sehr geehrte Fragestellerin,

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Es bleibt zunächst der Polizei überlassen, ob man Ihnen einen Anhörungsbogen zur schriftlichen Äußerung übersendet oder Sie zur mündlichen Beschuldigtenvernehmung auf das Revier bittet.

Entscheidend ist, dass Sie stets das Recht haben, der polizeilichen Ladung nicht Folge zu leisten und zunächst zum Tatvorwurf zu schweigen. das ist ein elementares Recht des Beschuldigten im Strafverfahren und kann nicht negativ gedeutet oder gar gegen Sie verwendet werden.

Wenn Sie sich äußern möchten können Sie dies trotz Ladung zum persönlichen Gespräch auch schriftlich tun oder bei einem Anhörungsbogen darum bitten, persönlich vernommen zu werden.

Sie sehen: ob und wie Sie sich äußern steht Ihnen frei.

Ein reines Ermittlungsverfahren steht nicht im polizeilichen Führungszeugnis.

Hinsichtlich des Nachweises eine Straftat sprechen zunächst einige Indizien gegen Sie (wer mit neuen Waren aber ohne Bon ein Geschäft betritt um weitere Waren zu kaufen oder zu probieren, meldet dies im Regelfall schon zur Eigensicherung an der Information o.ä.).

Entscheidend wird auch sein, was der Detektiv im Detail bezeugen kann und er dabei glaubhaft erscheint. Für Sie könnte auch sprechen, wenn Ihre Freundin bestätigen würde, dass Sie sich zu einer "Modenschau" verabredet. Falls Ihre Freundin bestätigen kann, dass Sie am Tag vor dem Diebstahl sinngemäß vereinbart haben "wenn ich morgen zu dir komme, zeige ich die den neuen gelben Rock und das rote T-Shirt", hätte dies entlastende Tendenz, wenn man dann gerade diese Waren bei Ihnen entdeckt hätte. Diese Aussage müsste aber selbstverständlich auch der Wahrheit entsprechen.

Wenn Sie strafrechtlich bisher nicht in Erscheinung getreten sind, ist eine Einstellung nach § 153a StPO gegen Zahlung einer Geldauflage noch im Bereich des Möglichen, zwar sind 120 € keine Bagatelle, andererseits ist bei dem Kaufhaus aber kein Schaden eingetreten, da die Ware zurückgegeben würde. Für eine solche Einstellung wird aber regelmäßig ein Geständnis verlangt.

Beachten Sie bitte, dass eine derartige Einstellung auch noch in einer mündlichen Verhandlung erfolgen kann. Es ist daher möglich, das man Sie zunächst anklagt, um sich einen persönlichen Eindruck von Ihnen machen zu können und weil man Ihnen möglicherweise die abschreckende Wirkung von Anklage und Gerichtsverhandlung "zukommen" lassen will. Eine Anklage bedeutet daher nicht, dass keine Einstellung mehr erfolgen kann.

Um detaillierter einschätzen zu können, welche Zeugenaussage der Detektiv machen wird oder gemacht hat und wie Sie sich aufgrund der Beweislage verhalten sollten, empfehle ich Ihnen, einen Kollegen vor Ort zu beauftragen. Dieser kann Akteneinsicht nehmen, eine eventuelle Aussage mit Ihnen vorbereiten und gegebenenfalls gezielt auf den § 153a StPO hinarbeiten.

Ich hoffe Ihnen auf diesem Weg eine erste rechtliche Orientierung ermöglicht zu haben und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Jens Jeromin
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 25.08.2007 | 16:24

Vielen Dank für Ihre Antwort.
Allerdings verstehe ich nicht, warum ich eine Einstellung nach §153a StPO anstreben sollte, wenn ich doch nichts gestohlen habe.

Sicher spricht es auf den ersten Blick gegen mich, daß ich die Sachen in meiner Tasche hatte und auch daß ich die Belege nicht mehr habe.

Aber das macht mich doch noch nicht zur Kaufhausdiebin, oder?

Werden diese Tatsachen so schwer wiegen, daß ich ein falsches Geständnis ablegen soll?

Und falls ich das nicht mache und trotzdem verurteilt werde, womit habe ich denn dann straftechnisch und im Führungszeugnis zu rechnen?

Vielen Dank und viele Grüße.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 25.08.2007 | 18:50

Sehr geehrte Fragestellerin,

gerne beantworte ich Ihre Nachfrage.

Ich möchte Ihnen keineswegs raten, ein falsches Geständnis abzulegen.

Nur müssen Sie sich darüber bewusst sein, dass die Chancen für eine Einstellung des Verfahrens wegen mangelndem Tatverdacht nach § 170 II StPO aufgrund Ihrer Schilderung nicht überwiegend wahrscheinlich ist.

Die Kombination daraus, dass Sie mit neuer H&M-Kleidung in der Tasche betroffen werden, als Sie eine Kabine bei H&M verlassen, hierüber aber keine Quittung vorlegen können und die Aussage des Detektives Sie augescheinlich auch belasten wird, bedeutet für Sie in der Kombination die konkrete Gefahr, dass man von Ihrer Täterschaft ausgeht.

Selbstverständlich kann ich hierüber aus der Ferne ohne Akteneinsicht nicht abschließend urteilen. Aber hinzu kommt, dass Ihre Erklärung, nämlich die Sachen schon vorher gekauft zu haben, von 95 % aller Ladendiebe als Schutzbehauptung vorgeschoben wird. Natürlich hat auch in diesen Fällen nie jemand mehr die Quittung.

Es ist also nicht zwingend erforderlich, dass jemand sieht, wie Sie Waren in die Tasche stecken bzw. Waren mit Etiketten aus Ihrer Tasche zieht, um trotzdem einen Diebstahl anzunehmen- das wäre das Paradies für Ladendiebe. Ein Zusammentreffen von Indizien und Zeugenaussagen kann auch genügen, um bei einem Richter die Überzeugung von einer Täterschaft zu bilden.

Für diese Gefahr möchte ich Sie sensibilisieren. Wie Sie mit dieser Situation nun umgehen, ob und was Sie aussagen bzw. einen Kollegen aufsuchen, ist eine persönliche Entscheidung, die ich Ihnen von hier aus leider nicht abnehmen kann.

Sie haben aus meiner Sicht aber selbst im Falle einer Verurteilung nicht mit einer Strafe zu rechnen die so hoch ausfällt, dass sie einen Eintrag in das polizeiliche Führungszeignis nach sich ziehen wird.

Mit freundlichen Grüßen

Jens Jeromin
Rechtsanwalt

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