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Anzeige Unterschlagung vom Ex-Arbeitgeber

10.05.2011 19:24 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von


in unter 2 Stunden

Hallo,
heute hatte ich einen Brief von der Polizei im Briefkasten. Unterschlagung eines Elektronikartikels im Wert von ca. 500€.
Einladung für kommenden Freitag.

Kurze Vorgeschichte.
Ich befand mich in der Ausbildung im kaufm. Bereich im 2. Lehrjahr. Der Betrieb nahm keinerlei Rücksicht auf meine Ausbildung oder rechtliche Bestimmungen. Ich durfte die Pausenzeit nicht außerhalb verbringen, teilweise wurde mir der Besuch der Berufsschule verboten, ich durfte die Pausen an 2 Tagen der Woche erst nach 7 Stunden absolvieren. Ich arbeitete freiwillig Sonntags weil ich das Pensum sonst nicht geschafft hätte und mein Ausbilder mir keine Hilfe war. Dies natürlich ohne Bezahlung. Dazu kamen weitere Dinge wie Anweisung zum Verkauf ohne Rechnung oder Entfernung des MHD bei Tintenpatronen.
Es folgten viele weitere Streitpunkte wie nichtige Abmahnung usw.
Ich ließ mich krankschreiben, mein Arzt stellte versch. Diagnosen, alle zurückzuführen aufgrund der schlechten Bedingungen in der Ausbildung.
U.A. waren das Mobbing, Burn-Out, Depression und aufgrund dessen auch eine akute psychotische Störung (Wiederausbruch wegen Existenzangst) usw. Eine Kopie der Krankmeldung für die KK legte ich meinem AG bei, damit er wusste, was los war.

Auf Anraten meines Arztes kündigte ich nach 2 Monaten Krank sein und stützend auf seine Diagnosen fristlos. Diese wurde akzeptiert und ich mache meine Ausbildung in einem anderen Betrieb zu Ende.

Kommen wir zur Sache. Zu Weihnachten gab es nie Weihnachtsgeld, sondern nur einen Gutschein von einem der Lieferanten. Diesen Gutschein bekam jeder Mitarbeiter, allerdings in unterschiedlicher Höhe, per e-Mail zugestellt. Dies war streng vertraulich, da man, je nach Stellung, unterschiedliche Beträge bekam. Bei mir waren es 400€ und damit 200€ mehr als meine Azubikollegen. Man war mit meiner ARbeit zufrieden und ich hatte bis dato immer schön "Ja und Amen" gesagt.

Mitte Februar hatte ich mir immer noch nichts ausgesucht, als wir aus einer Promototion den besagten Artikel kostenlos geschenkt bekommen haben. Der Chef bat mir an, mir diesen zu schenken und mein Gutschein dann ausgelöst wird.
Ich nahm das Angebot an.

Heute kam dann der besagte Brief. Nach Telefonat mit einem vertrauensvollen Kollegen, welcher dort immer noch beschäftigt ist, soll ich das Paket angenommen haben, was der Wahrheit entspricht. Unterschrieben habe ich bei der Zustellung mit meinem Namen auf dem elektronischen Gerät der DHL. Das Gerät wurde natürlich nie verkauft, geschweige den eingebucht. Es taucht also nirgendwo auf im System. Naja und nun will der Chef nichts mehr von der Schenkung wissen, sondern beruft sich auf das Fehlen im System. Ich habe es also angenommen, aber nie wirklich abgegeben, was natürlich falsch ist.
Wobei ich mir hier wieder denke, dass er ja auch das Gerät mit nach Hause hätte nehmen können und er mir beweisen muss, dass ich es mitgenommen hab und nicht er. Richtig?

Ich bleibe natürlich bei der Wahrheit das es mir geschenkt wurde. Zeugen gibt es hierfür nicht. Er hat es mir alleine gesagt und überreicht, es durfte ja niemand wissen, dass ich deutlich mehr bekomme als alle anderen. Das aber jeder eine e-mail mit Gutschein bekommt ist aber ein offenes Geheimnis. Unter der Hand wird natürlich darüber geredet.
Die besagte mail habe ich leider nicht mehr. Wer bewahrt schon 5 Monate seine mails auf? Zudem löscht web.de glaube ich bei kostenloser Nutzung die mails nach ein paar Wochen automatisch.
Ob die Kollegen, welche noch dort angestellt sind, meine Aussagen stützen bzgl. des Gutscheins weiß ich nicht. Man will es sich ja nicht verscherzen. Ich werde auf jeden Fall alle Namen bei der Polizei angeben.

Wie gehe ich nun vor?
Mein Cousin arbeit bei der Polizei. Er sagt, ich soll auf jeden Fall hingehen und hören, was mir vorgeworfen wird. Eine Aussage machen muss ich nicht. Aber wird mir das dann nicht zur Last gelegt wenn ich nichts sage?

Es steht ja dann Aussage gegen Aussage und er muss mir beweisen, dass ich das Gerät unterschlagen habe und nicht ich, dass er mir das Gerät geschenkt hat (lt. meinem Cousin)
Gehe ich da richtig mit der Aussage?
Soll ich wirklich zur Vernehmung gehen? Oder direkt zum Anwalt? Was erwartet mich alles?

Ich bin ja eigentlich auf der sicheren Seite weil er mir das nicht beweisen kann und ich auch logisch erklären kann, wieso er mir das Gerät alleine und ohne Kenntnis der anderen übergeben hat.

10.05.2011 | 20:07

Antwort

von


(206)
Borussiastraße 112
44149 Dortmund
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Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Wie gehe ich nun vor? Soll ich wirklich zur Vernehmung gehen?

Falls Sie sich entschliessen sollten, zur Vernehmung zu gehen, sollten Sie auf keinen Fall Angaben zu den Tatvorwürfen machen. Sie kennen zwar Ihre Version der Geschnisse, haben aber keine Vorstellung davon, welche Angaben ihr Ex-Chef im Rahmen seiner Anzeigeerstattung gemacht hat. Sie haben zwar einige Informationen von einem ehemaligen Kollegen erhalten, aber auch der kennt die Details der Anzeige naturgemäß nicht. Faktisch gesehen würden Sie sich gegen einen Tatvorwurf verteidigen, den Sie nur vage kennen. Das dies mit erheblichen Risiken verbunden ist, liegt auf der Hand.

Aber wird mir das dann nicht zur Last gelegt wenn ich nichts sage? Oder direkt zum Anwalt?

Sie haben natürlich das Recht, sich bei der Vernehmung zunächst den Tatvorwurf in groben Zügen mitteilen zu lassen (ein Anrecht darauf den gesamten Vorwurf sofort im Detail zu erfahren oder gar die Akte einzusehen, besteht nicht) und danach keine Angaben zu machen. Dann würden Sie ihr Schweigerecht in Anspruch nehmen und das darf Ihnen nicht negativ ausgelegt werden.

Zunächst oder vollständig zu den Tatvorwürfen zu schweigen, um sich z.B. erst einmal anwaltlich beraten zu lassen, ist ein elementares Recht des Beschuldigten im Strafverfahren aus dem keine negativen Schlüsse gegen Sie gezogen werden dürfen.

Wenn Sie also meine, "cool" genug zu sein, den Tavorwurf zu erfragen und danach keine Angaben zu machen, können sie dies tun. Den gesamten Akteninhalt werden Sie dann aber immer noch nicht kennen, vor allem werden Sie nicht wissen, ob Sie die erhobenen Vorwürfe mit gezieltem Vortrag zu Sache entkräften, Zeugen benennen oder weiterhin schweigen sollten.

Wenn Sie kontinuierlich schweigen laufen sie Gefahr, dass die Staatsanwaltschaft die Angaben des Ex-Chefs eventuelle zu plausibel hält und feststellt, dass Sie sie nicht entkräftet haben und sich daher zur Anklageerhebung entschliesst.

Sioe sollten daher frühzeitig einen Anwalt mit der Akteneinsicht und weiteren Beratung beauftragen. Ob Sie dies sofort tun und den Vernehmungstermin nicht wahrnehmen oder im Vernehmungstermin keine Angaben machen und zeitnah danach einen Anwalt aufsuchen, hängt vor der Frage ab, wie gut Sie sich zutrauen, bei der Vernehmung nach Mitteilung der Tatvorwürfe direkt das Schweigerecht in Anspruch zu nehmen.

Ich rate Ihnen, sofort einen Anwalt einzuschalten und sich das "Spielchen" beim Vernehmungstermin zu sparen.

Gehe ich da richtig mit der Aussage?

So pauschal leider nicht. Sie überlegen vom zivilrechtlichen Standpunkt aus, wo das Problem "Aussage gegen Aussage" bekannt ist.

So einfach ist es im Strafprozess nicht. Sie sind als Beschuldigter Objekt des Verfahrens, das man mit den Mitteln der Strafprozessordnung (StPO) be- und entlasten kann. Einen eventuellen Strafanspruch gegen Sie verfolgt nicht ihr Ex-Chef, sondern der Staat.

Richtig ist zwar zunächst, dass man Ihnen Ihre Schuld nachweisen muss, nicht Sie müssen Ihre Unschuld beweisen.

Ihr Ex-Chef ist in einem Ermittlungsverfahren gegen Sie aber ein Zeuge und damit ein Beweismittel der StPO, dessen sich der Staat bedienen kann.

Dabei muss man selbstverständlich prüfen, ob ein Zeuge schlüssige und wahrheitsgemäße Angaben macht. Kommt man aber zu diesem Eindruck, kann man Sie aufgrund der Zeugenaussage Ihres Ex-verurteilen.

Im Ergebnis läuft es also auf die Frage hinaus, wem man mehr Glauben schenkt und hier ist der Beschuldigte leider immer in der ungünstigen Situation, dass man ihm trotz Unschuldsvermutung gerne unterstellt, er neige zur Unwahrheit, um einer Veruteilung zu entgehen.

Wenn Sie sich also zu einer Aussage enstchliessen, sollte dies in Kenntnis des Akteninhalts und zielgerichtet gegen die erhobenen Vorwürfe geschehen- das gelingt am besten mit fachkundiger, sprich anwaltlicher Hilfe.

Was erwartet mich alles?

Das ist derzeit schwer einzuschätzen, da Sie ihr Alter zur vermeintlichen Tatzeit nicht nennen und somit nicht einmal abzuschätzen ist, ob Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht anzuwenden wäre.

Unterstellt, man würde Sie verurteilen, wäre bei fehlenden Vorbelastungen (=Ersttäter) grob mit 40-60 Tagessätzen, also einer Geldstrafe, bei einem Erwachsenen und der Ableistung von Sozialstunden im Falle der Anwendung des Jugendstrafrechts zu rechnen.

Für eine präzisere Einschätzung müsste allerdings die Emittlungsakte bekannt sein, hierfür bitte ich um Verständnis.

Ich wünsche Ihnen im Ergebnis, dass Ihre Einschätzung zutreffend ist und Sie sich letztlich "auf der sicheren Seite" befinden. Aufgrund der Besonderheiten des Beweisrechts der StPO sollten Sie zunächst jedoch Vorsicht walten lassen und den Umfang der Tatvorwürfe und das weitere Vorgehen mit anwaltlicher Hilfe abklären.

Einstweilen hoffe ich, Ihnen auf diesem Weg eine hilfreiche erste Orientierung ermöglicht zu haben und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Jeromin
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Strafrecht


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