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Anwaltsabzocke?


| 05.06.2006 12:55 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von


in unter 2 Stunden

Sehr geehrte Damen und Herren,

meine Scheidung kostet mich ein Vermögen.
Die Scheidung selbst kam auf fast 3000 Euro welche ich bereits bezahlte für Anwalt und Gericht. Mein Gehalt liegt monatlich so
bei 2400 Euro netto (Beamter). Frau verdient nichts.

Nun sagte mein Anwalt es kommen noch folgende Rechnungen von ihm auf mich zu.

Berechnung Zugewinn ca. 4000 Euro (Bei Streitwert ca. 100´000 Euro) Berechnung Unterhalt ca. 2500 Euro (nachehelicher Unterhalt) Klage Umgangsregelung Kind ca. 1500 Euro (mein eigenes Kind sehe ich schon seit 3 Jahren nicht mehr)

Das sind bereits 10´400 Euro für den Anwalt.

Und er sagte mir nun er will noch 4000 Euro "schwarz" dazu haben, weil es sehr viel
Arbeit ist. Ansonsten müsse er nach Stundenbasis abrechnen und das wäre viel teurer.

Die komplette Scheidung würde mich dann: 14 TSD Anwalt plus 5 TSD für Gutachten Kind plus 2 TSD für Hausbewertung summa summarum 20 TSD Euro kosten!

Langsam geht mir finanziell die Luft aus und will das nicht zahlen.
Was wird passieren?
Muss er die Berechnungen nach der Gebührenordnung der Anwälte auch ohne "Schwarzgeld" ordnungsgemäß durchführen?
Darf ein Anwalt einfach einen Mandanten so unter Druck setzen und die Gebühr erhöhen, weil es mehr Arbeit für Ihn ist?
Kurzum was soll ich machen?
Vielen Dank für Ihre Antwort.
05.06.2006 | 14:17

Antwort

von


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Saaläckerstr.2a
63801 Kleinostheim
Tel: 06027-990650
Web: www.kanzlei-wollinger.de
E-Mail:
Sehr geehrter Fragesteller,

ich möchte Ihnen Ihre ( wirklich haarsträubende) Frage wie folgt beantworten:

Zunächst einmal möchte ich klarstellen, daß die Gebühren eines Rechtsanwaltes sich nicht danach richten, ob er mit Ihrer Sache viel oder wenig Arbeit hat!
Die Kosten errechnen sich vielmehr nach dem so genannten Streit-bzw. Gegenstandswert. Darüber hinaus besteht für den Rechtsanwalt grundsätzlich auch die Möglichkeit eine Honorarvereinbarung zu treffen, etwa ein Stundenhonorar oder ein Pauschalhonorar. Wie die Abrechnung erfolgt, muß vor Annahme des Mandats geklärt werden. Wird z.B. kein Stundenhonorar vereinbart ( und von Ihnen unterschrieben)gelten die gesetzlichen Gebühren. Eine Abrechnung erfolgt dann nach der Gebührentabelle des Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG). Eine nachträgliche Abrechnung nach Stundenbasis ist nicht mehr möglich. Zudem wäre dies bei Scheidungssachen auch äußerst ungewöhnlich- hier erfolgt eine Abrechnung fast immer nach dem RVG.
Bei den von Ihnen angegebenen Werten wie z.B. Unterhalt 2.500 EUR etc. kann es sich meiner Ansicht nach nur um ein Mißverständnis handeln ( ansonsten wäre die Dreistigkeit des Anwalts wohl ein Fall für die Bildzeitung).
Die angegebenen Werte können nach ordnungsgemäßer Berechnung nur die Streitwerte sein, nicht die Höhe des Betrages, den Sie bezahlen müssen. Lassen Sie mich kurz erklären wie die Kosten für eine Scheidung berechnet werden:
Für das reine Scheidungsverfahren ohne Folgesachen ist das dreifache Monatsnettoeinkommen beider Ehegatten für den Streitwert entscheidend.Für Folgesachen ( das sind z.B. die Regelung des Unterhalts, Vermögens, Sorge-und Umgangsrechts, Versorgungsausgleich, Hausrat)gelten folgende Streitwerte:
- Sorgerecht: Wenn gleichzeitig mit der Scheidung auch über das Sorgerecht entschieden wird, dann beträgt der Streitwert 900 EUR. Wird über das Sorgerecht alleine in einem Verfahren entschieden, dann beträgt der Streitwert regelmäßig 3.000 EUR. Wenn eine Sache besonders schwierig ist kann er auch höher sein.
- Zugewinnausgleich: Hier richtet sich der Streitwert nach der konkret geltend gemachten Ausgleichsforderung ( werden also im Endeffekt 5.000 EUR verlangt, ist der Streitwert 5.000 EUR).
-Unterhalt: Wird der nacheheliche Unterhalt oder der Kindesunterhalt zusammen mit der Scheidung geregelt, so richtet sich der Streitwert nach dem Jahresbetrag des geltend gemachten Unterhalts.Wird er in einem gesonderten Verfahren geltend gemacht, setzt sich der Streitwert aus dem Jahresbetrag dieser Unterhaltsforderung zuzüglich aufgelaufener Rückstände bei Klageerhebung zusammen.

In dem Scheidungsverfahren werden alle Streitwerte der zu entscheidenden Angelegenheit addiert. Dies ergibt den Gesamtstreitwert. Nach diesem Gesamtstreitwert berechnen sich die Rechtsanwalts- und Gerichtskosten. Ist der Streitwert z.B. 30.000 EUR beträgt eine Gebühr von 1,0 758 EUR. Der Anwalt bekommt in der Regel eine 1,3 Gebühr. Für den reinen Scheidungsantrag bekommt er meist zwei Gebühren ( eine Verfahren- und eine Terminsgebühr). Ganz grob gerechnet: 758 x 1,3 = 985,40 EUR x 2= 1970,80 EUR.

Geben Sie Ihrem Anwalt auf keinen Fall " Schwarzgeld"- Sie haben ein Recht auf eine ordnunggemäße Abrechnung. Falls sich das " Mißverständnis" nicht mit Ihrem Anwalt klären läßt und er Ihnen keine "saubere" Abrechnung nach dem RVG vorlegt, wenden sie sich an die für Ihren Anwalt zuständige Rechtsanwaltskammer ( richtet sich nach dem Gericht, an dem der Anwalt zugelassen ist) und erstatten Anzeige. Das würde zwar schwerwiegende Konsequenzen für Ihren Anwalt haben, aber ein solches Verhalten kann nicht gebilligt werden und schadet dem Ruf der gesamten ehrlich arbeitenden Rechtsanwaltschaft.
Lassen Sie sich nicht von Ihrem Anwalt unter Druck setzen.

Ich hoffe Ihnen soweit geholfen zu haben und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Diana Wollinger
Rechtsanwältin


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"Sehr geehrte Frau Wollinger,
Sie haben mir mehr als nur geholfen und ich werde diese Plattform, in den einschlägigen Internetforen weiterempfehlen. Da mittlerweile Beratungskosten bis zu 500 Euro die Stunde kosten dürfen, gibt es einfach genügend "schwarze Schafe" bei Anwälten, die das Leid von Betroffenen hier ausnutzen.

Herzlichen Dank für Ihre positive und ausführliche Beantwortung meiner Frage. Natürlich werde ich das Schwarzgeld nicht mehr bezahlen. "
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Sehr geehrte Frau Wollinger,
Sie haben mir mehr als nur geholfen und ich werde diese Plattform, in den einschlägigen Internetforen weiterempfehlen. Da mittlerweile Beratungskosten bis zu 500 Euro die Stunde kosten dürfen, gibt es einfach genügend "schwarze Schafe" bei Anwälten, die das Leid von Betroffenen hier ausnutzen.

Herzlichen Dank für Ihre positive und ausführliche Beantwortung meiner Frage. Natürlich werde ich das Schwarzgeld nicht mehr bezahlen.


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