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Anwaltfehler: zu späte Kündigung - Zinsverlust


06.06.2007 22:45 |
Preis: ***,00 € |

Schadensersatz



Sehr geehrte Damen und Herren Rechtsanwälte,

ich schildere folgenden Sachverhalt:

1998 verstarb mein Lebensgefährte, dem ich ein Darlehen (für das ich mich selbst verschuldet hatte) gegeben hatte. Die Erben wollten nicht zahlen, also ging ich Ende ´98 zum Anwalt.

Zunächst nahm einer der Chef-RAs (Verwaltungsrechtler) meine Angelegenheit auf. Das letzte Gespräch mit diesem hatte ich in 1999. Ich erfuhr, dass das Darlehen ordentlich gekündigt werden muss, damit bei Nicht-Zahlung geklagt werden kann. (Ob der Anwalt einräumt, dass er mir das gesagt hat, ist fraglich, ich erinnere mich jedenfalls.)

Aus mir letztlich unbekanntem Grund gab der RA den Fall an eine angestellte RAin der Sozietät weiter, die sich dann mit meiner Rechtsschutzversicherung darüber auseinander setzte, ob die Kosten übernommen werden. Anfang 2003 - davor lagen Versuche der gütlichen Einigung mit den Erben - erfuhr sie von der Rechtsschutzversicherung, dass diese die Kostenzusage nur geben kann, wenn ordentlich gekündigt ist und die Gegenpartei in Verzug gesetzt ist. Daraufhin kündigte sie bei den Erben das Darlehen.

Das Verfahren war schwierig und ging durch 2 Instanzen. Per Vergleich bekam ich einen Titel im Frühjahr 2006 mit Bestimmung der rechtsüblichen Zinsen seit Kündigung des Darlehens. Mein Geld habe ich vor 3 Wochen im Mai 2007 bekommen, wegen einer Unstimmigkeit in der Ausrechnung der Zinsen ist immer noch etwas Marginales zu klären und nicht ganz abgeschlossen. Deswegen habe ich einen Brief meiner Anwältin vor ein paar Tagen erhalten.

Nun ist es mir schlagartig wie Schuppen von den Augen gefallen. Die Zinszahlung erfolgt seit Kündigung, davor fallen keine Zinsen an. Hätte der Anwalt oder die Anwältin gleich gekündigt, so hätte ich für mindestens 3 Jahre mehr Zinsen bekommen. (per annum mindestens 5000 - 6000 Euro, also ein erheblicher Betrag.)

Nun meine Fragen:

Es kann ja nicht sein, dass sich eine Anwältin von meiner Rechtsschutzversicherung erst erklären lassen muss, dass gekündigt werden muss. Es ist doch ihr Job, das selbst zu wissen. Damit ich als Laie solche Fehler nicht mache, deshalb gehe ich ja zum Anwalt. Mit Gewissheit war ihr klar, dass ich dadurch Zinsen verloren habe. Mir ist das jetzt erst schlagartig klar geworden.

1. Muss sie mich informieren, wenn ihr so ein Fehler unterläuft, oder muss ich meinen Anwalt überwachen?? (Ich hatte die Konsequenz nicht übersehen und sie hatte keinen Ton von meinem Schaden gesagt.)

2. Kann ich jetzt irgendwie Schadenersatzansprüche gegen die Kanzlei geltend machen oder habe ich eh keine Chance, weil alles so hingedreht werden kann, dass ich selbst schuld bin, oder weil´s verjährt ist?

3. Laufen jetzt irgendwelche Fristen, so dass ich schnell tätig werden muss?

Ich danke für eine Antwort. Besonders interessiert mich, die Nennung juristischer Grundlagen und Argumente, da ich als nächstes das Gespräch in der Kanzlei suche um die Sache anzusprechen und zu hören, was die dazu sagen. Damit ich dann entscheiden kann. Oder sollte ich das persönliche Gespräch lieber wegen möglicher Fallstricke lassen? Wäre nicht mein Stil.

Ich danke herzlich.

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Sehr geehrte Fragestellerin,

aufgrund Ihrer Sachverhaltsinformationen kann ich Ihnen Folgendes mitteilen:

1. Sie müssen unterscheiden zwischen den Darlehenszinsen und den Verzugszinsen.

Die Darlehenszinsen bekommen Sie für die Hingabe des Darlehens. Je länger das Darlehen "dauert", desto mehr Zinsen bekommen Sie, so dass in diesem Sinne das Zuwarten mit der Kündigung des Darlehens für Sie gerade günstig war.

Offensichtlich geht es daher um die Verzugszinsen. Diese entstehen in der Tat erst mit Kündigung des Darlehens und bedürfen zusätzlich der Mahnung oder Fristsetzung hinsichtlich des daraus entstehenden Rückerstattungsanspruchs. Hätte Ihre RAin daher früher das Darlehen gekündigt sowie die Rückzahlung des Darlehens und der Zinsen abgemahnt und!! geht man weiter davon aus, dass Ihre Erben trotzdem nicht gezahlt hätten, dann hätten Ihnen sicherlich längere Zeit Verzugszinsen zugestanden als dies in Ihrem Fall tatsächlich geschehen ist. Dieses hypothetische "Mehr" an Verzugszinsen wäre Ihr Schaden (der mit dem "Weniger" an evtl. Darlehenszinsen zu verrechnen wäre).

Sicherlich kann man darin einen Anwaltsfehler sehen, dass das Darlehen nicht frühzeitiger gekündigt wurde und Ihnen damit frühzeitiger der Rückerstattungsanspruch (des Darlehens und der Darlehenszinsen) zugestanden hätte.

Diese Rechtslage kann sich nochmals ändern, soweit in Ihrem Darlehensvertrag zu dem einen oder anderen Punkt abweichende Vereinbarungen getroffen wurden. Im Übrigen gehe ich davon aus, dass in Ihrem Fall kein sog. Verbraucherdarlehensvertrag (Unternehmer als Darlehensgeber, Verbraucher als Darlehensnehmer) vorliegt.

2. Über diesen Anwaltsfehler hat Sie die RAin bzw. die Kanzlei zu informieren. Ansonsten macht Sie sich evtl. wiederum schadensersatzpflichtig (z.B. weil der Haftungsanspruch so verjährt).

3. Sicherlich besteht die Möglichkeit von Schadensersatzansprüchen gegenüber Ihrer ehemaligen Kanzlei. Allerdings müssen Sie dabei neben der anwaltlichen Pflichtverletzung auch beweisen, dass Ihnen gerade dadurch der geltend gemachte Schaden entstanden ist und die Pflichtverletzung schuldhaft war. Hier dürfte die Schlüsselstelle für eine derartige Klage liegen.

4. Der mögliche Haftungsanspruch verjährt - vereinfacht gesagt -drei Jahre nach seiner Entstehung und der Kenntnis des Gläubigers (Sie) von diesem Haftungsanspruch. Dies wäre hier Ende 2010.

5. Ich rate Ihnen Folgendes: Wegen des scheinbar doch erheblichen Darlehensbetrages (was sich auch auf die Zinsen auswirkt) sollten Sie an der Sache dranbleiben und genau prüfen lassen, ob Ihnen hier Schadensersatzansprüche zustehen können. Die Sache scheint durchaus erfolgversprechend zu sein. Entscheidend dürfte sein, dass Sie beweisen können, dass bei einer früheren Kündigung die Gegner ebenfalls nicht gezahlt hätten, so dass Sie früher in den Genuß von Verzugszinsen gekommen wären. Dafür kann man entsprechende Indizien sammeln.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen damit einen ersten Eindruck vermitteln.

Bei weiteren Fragen oder Anliegen stehe ich Ihnen gern zur Verfügung. Soweit aus dem Bereich www.frag-einen-anwalt.de heraus eine Kontaktaufnahme an mich persönlich gewünscht ist, bitte ich zunächst ausschließlich um Kontakt per E-Mail.

Mit freundlichen Grüßen

Schneider
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 08.06.2007 | 00:03

Sehr geehrter Herr Schneider,

ich danke Ihnen sehr herzlich für Ihre ausführliche und kompetente Antwort. Das war für mich sehr, sehr wertvoll und erhellend. Das hat mir sehr geholfen.

Hier noch eine Nachfrage.

Info: Ich hatte keine Darlehenszinsen erhalten. Dies ließ sich nicht durchsetzen. Es wurde auf richterliche Empfehlung ein Vergleich geschlossen, dessen Inhalt die Richter nach ihrem Bekunden sonst geurteilt hätten. - Ohne Darlehenszinsen. -

Zeitgleich habe ich selbst all die Jahre Zinsen an meine Bank bezahlt für einen Kredit, den ich u.a. aufgenommen hatte um meinem Lebensgefährten das Darlehen geben zu können - ist meinen Anwälten bekannt.

Nun meine Nachfrage

a)Wenn meine Anwältin früher gekündigt hätte, hätte ich für diese Zeit Verzugszinsen bekommen, mit denen hätte ich meine Kreditzinsen bezahlen können. Ist der Schaden so nachgewiesen? Habe ich das richtig zu Ende gedacht: Schadensansprüche in Höhe der Verzugszinsen habe ich, wenn ich nachweisen kann, dass die Gegner dann auch nicht früher gezahlt hätten; Ansprüche in Höhe meiner in dieser Zeit bezahlten privaten Zinsen habe ich aber auf jeden Fall, denn wenn sie früher bezahlt hätten, hätte ich ja den Kredit teilweise ablösen können und dafür nicht Zinsen bezahlt.

b)Reicht es für eine "schuldhafte" Pflichtverletzung, den beschriebenen Fehler gemacht zu haben, mit dem Wissen der Anwälte, dass ich meinerseits Kreditzinsen bezahle, oder muss da noch mehr dazu kommen? Mit Absicht, um mich zu schädigen ist der Fehler ja nicht passiert. Ich als Mandantin habe nie gesagt, wir warten mit der Kündigung, habe sie aber auch nicht sofort verlangt, wusste ja nicht, was sie bedeutet, dachte die Anwälte machen das schon.

Für Ihre Ratschläge, wie ich weiter vorgehen soll und Ihren Nachtrag bedanke ich mich sehr. Ich bedauere es sehr, dass Sie nicht hier in der Gegend ansässig sind, sonst hätte ich Sie beauftragt.

Mit freundlichen Grüßen.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 08.06.2007 | 00:26

Sehr geehrte Fragestellerin,

einen Schaden hätten Sie bereits nachgewiesen, wenn Sie den Richter davon überzeugen können, dass bei einer früheren Kündigung und Inverzugsetzung des Darlehens die Verzugszinsen (früher als dann tatsächlich geschehen) angefallen wären. Das Argument mit dem Bankkredit brauchen Sie dafür nicht.

Die Anwaltshaftung ist i.Ü. sehr streng geregelt und eigentlich eine Garantiehaftung, d.h. macht der Anwalt irgendeinen Fehler, ist dies fast immer auch schuldhaft. Denn die Anforderungen an die Sorgfalts- und Arbeitspflichten sind immens hoch und mehr oder weniger an einem Juristengott ausgerichtet.

Das Problem bei Anwaltshaftung ist daher nicht, die Schuld der Anwalts nachzuweisen, sondern 1. die Pflichtverletzung (dann ist die Schuld dafür fast immer automatisch gegeben), 2. den Schaden (in Ihrem Fall erscheint beides ohne Weiteres darzulegen) und die Tatsache, dass die Pflichtvertzung des Anwalts zum Schaden geführt hat (dies ist sicherlich wesentlich schwieriger nachzuweisen, in Ihrem Fall aber durchaus möglich).

Daher stehe ich Ihrem Fall auch durchaus positiv gegenüber. Genaues kann aber nur eine Prüfung bei einem Anwalt vor Ort ergeben. Dafür und in der ganzen Sache alles Gute!

MfG

Schneider
Rechtsanwalt

Ergänzung vom Anwalt 07.06.2007 | 03:17

Vielleicht noch als Nachtrag: Wie schon gesagt würde ich in Ihrem Fall einen Anwalt mit der Prüfung von Regressansprüchen beauftragen. Denn dadurch können Sie anschließend mit einer relativ sicheren Erkenntnisgrundlage in Gespräche mit Ihrem anderen Anwalt gehen. Wenn Sie z.B. feststellen, dass Sie Ihren Schaden gar nicht beweisen können (und damit Regressansprüche keinen Erfolg versprechen), wäre das Gespräch anders zu führen als wenn Sie ein echtes Angriffsmittel hätten.

MfG

Schneider
Rechtsanwalt
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