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Anwalt hat Verjährungsfrist ein Klage verpasst! Kann ich ihn belangen?

24.09.2009 22:03 |
Preis: ***,00 € |

Schadensersatz


Beantwortet von


in unter 1 Stunde

Hallo,

ich habe am 30.06.2006 einen schweren Motorradunfall gehabt. Ich fuhr an einer Kreuzung bei grün los und habe stark beschleunigt, ca. 150m weiter kam ein Kleinbus aus einer Parkplatzeinfahrt, in welchen ich dann nach Bremsen etc. eingeschlagen bin. Das Dekragutachten ergab, daß mein Motorrad der StVo entsprach, daß ich bei erlaubten 60 km/h, nach messen der Bremsspur mit ca. 90km/h unterwegs war, aber trotzdem entsprechend reagiert habe. Das strafgesetzliche Verfahren ergab, keine Schuld für mich, aber auch keine Schuld für meine Unfallgegnerin, obwohl mir die Schwere der Mehrschuld trotzdem angelastet wird, was sich aber darauf begründet, daß Zeugenaussagen zu Rate gezogen wurden die so utopisch sind, daß man sie normalerweise nicht glauben kann. Befreundete Polizisten hatten mir eigentlich im Nachgang des Unfalls zugestimmt, daß an sich ein klare Vorfahrtsverletzung meines Unfallgegners vorliegt...

Anschließend zu dem Strafverfahren wollte ich, auf Anraten meines Anwaltes eine Zivilklage anstreben, da ich ja im Gegensatz zu meiner völlig unverletzten Unfallgegnerin unverhältnismäßig schwerer getroffen bin, nämlich eine mittlerweile festgeschriebene Behinderung von 30% habe.
Ich habe dann im Nachgang alle Unterlagen, zwecks Ausfällen, Einschränkungen, Gutachten, Verdienstausfällen etc. bei meinem Anwalt eingereicht und es hieß immer, wir haben ja 3 Jahre Zeit, danach verjährt es.
Meine ADAC Rechtschutzversicherung stimmte dann auch einer Kostenübernahme bei einer Schadensersatzklage von 20% zu.
Eine Anklageschrift wurde verfasst, meine Aussage/Stellungnahme zum Unfallhergang wurde beim Anwalt verfasst und unterschrieben,

aber

bis heute hab ich nichts mehr gehört. Ich habe leider diesen Sommer wegen persönliche Gründen, die Frist selber aus den Augen verloren.

Trotzdem habe ich ja nun nicht mehr die Chance, meinen damaligen Unfallgegner zu belangen, aber und das sind meinen Fragen:

Kann ich meinen Anwalt dafür belangen, daß er sich nicht im erforderlichen Maße für mich eingesetzt, ja sogar die Frist vergessen hat. Und wie sind die Erfolgsaussichten bei einer Schadensersatzklage gegen einen Anwalt? Wie muß ich vorgehen wenn es etwaige Aussichten gebe und worauf ist zu achten?

Danke für die Antwort

MfG

24.09.2009 | 22:22

Antwort

von


(892)
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Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Zunächst gehe ich davon aus, dass Ihr Schadensersatzanspruch noch nicht verjährt ist, denn die Verjährungsfrist von 3 Jahren beginnt gem. § 199 BGB

"mit dem Schluss des Jahres, in dem
1. der Anspruch entstanden ist und
2. der Gläubiger von den den Anspruch begründenden Umständen und der Person des Schuldners Kenntnis erlangt oder ohne grobe Fahrlässigkeit erlangen müsste."

Die Verjährungsfrist begann also mit dem Jahreswechsel 2006/2007 und endet erst am 31.12.2009.

Im Übrigen können auch Verhandlungen den Lauf der Verjährungsfrist hemmen.

Dies vorausgeschickt darf ich Ihnen aber mitteilen, dass ein Fristversäumnis selbstverständlich einen anwaltlichen Fehler darstellen kann, der einen Regressanspruch begründen kann. Das allerdings nur, wenn die Klage bei Beachtung der Frist erfolgreich gewesen wäre - die Fristversäumung müsste sich also kausal in einem Schaden niederschlagen. Dies wäre von Ihnen in einem Regressverfahren nachzuweisen - es würde also inzidenter geprüft, ob bei fristgerechter Klageerhebung diese erfolgreich gewesen wäre - andernfalls kann Ihnen durch die Versäumung der Frist ja kein Nachteil entstanden sein.

Aber: Ich gehe - vorbehaltlich einer konkreten Prüfung - davon aus, dass Ihr Anspruch noch nicht verjährt ist und somit die Klage noch zeitig eingereicht werden kann.

Ich empfehle Ihnen aber, Ihren Anwalt nochmals schriftlich - also nachweisbar - daran zu erinnern und Klageauftrag im Rahmen der Deckungzusage zu erteilen.

Sollte darauf keine Reaktion erfolgen und Sie sich weiter schlecht vertreten fühlen, sollten Sie überlegen, einen Kollegen mit der weiteren Vertretung zu betrauen. Das ist, sofern noch keine Klageschrift verfasst wurde, ohne Extra-Kosten möglich, sofern der neue Anwalt dann nur für das Klageverfahren mandatiert wird.

Ich hoffe, Ihnen mit meiner Antwort geholfen zu haben und stehe Ihnen für Rückfragen und die weitere Vertretung selbstverständlich gerne zur Verfügung.

Bei Bedarf kontaktieren Sie mich bitte unter <info@rechtsanwalt-schwartmann.de> oder telefonisch unter 0221-3559205.

Mit freundlichen Grüßen

A. Schwartmann
Rechtsanwalt




Rechtsanwalt Andreas Schwartmann
Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht

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