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01.04.2006 17:19 |
Preis: ***,00 € |

Verkehrsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Michael Böhler



Guten Tag,
meine Frau hatte mit dem Auto auf der Autobahn einen Auffahrunfall. Ein LKW fuhr, wie die Tachoscheibe zeigt, ungebremst in das Heck des PKW (wirtschaftlicher Totalschaden). Der LKW beschleunigte bis zum Aufprall. Meine Frau hatte zum Zeitpunkt des Aufpralls die Kupplung getreten den Gang herausgenommen und wollte in einen anderen Gang schalten allerdings nicht in den zweiten wie die Polizei später feststellte. Meine Frau fuhr eine dem Verkehr angepasste Geschwindigkeit von 50 bis 60 km/h (Baustelle).

Das Auto ist Vollkasko versichert. Ich hielt zunächst die Vermutung der Polizei, dass meine Frau durch Einlegen des zweiten Ganges die Geschwindigkeit reduziert hätte für logisch und wollte den Schaden über die Versicherung abwickeln. Mein Frau sagte mir aber und auch der Polizei, dass sie nicht im zweiten Gang gefahren sei. Beim Aufprall hat sich die Rückenlehne bis auf den Rücksitz nach hinten gebogen. Sie vermutet, dass sie sich instinktiv am Schalthebel festgehalten und diesen nach hinten gezogen hätte. Die Kupplung war noch getreten, so dass der Hebel in den zweiten Gang einrastete.Ich testete an einem völlig übereinstimmenden Fahrzeug das Verhalten (entsprechend wie die Polizei vermutet) wenn man mit ca. 55 km/h in den zweiten Gang schaltet. Zu meinem Erstaunen war kein Geschwindigkeitsabfall festzustellen, die Motordrehzahl erhöhte sich natürlich.
Ich holte mir daraufhin Rat bei einem Rechtsanwalt. Der erklärte mir nach obiger Schilderung wörtlich, dass ich mir die Rückstufung der Schadensfreiheitsrabatte sparen könnte. Der Fall sei klar. Er nahm Akteneinsicht und stellte fest,dass unsere Schilderung, dass die Polizei vermutet meine Frau hätte mit dem Motor abgebremst, übereinstimmt. Der LKW hielt nach StVO § 4/3 nicht die mindestens 50 m Sicherheitsabstand ein. Dies hat die Polizei verschwiegen.
Der Anwalt forderte die gegnerische Versicherung auf, den Schaden zu begleichen. Diese weigerte sich zu zahlen. Daraufhin reichte der Antwalt die Klage ein. Nachdem ich einschließlich eines Gutachtens über den Restwert des Unfallwagens beinah 3000 € an den Anwalt überwiesen habe, eröffnete er uns, ohne dass irgendwelche neuen Erkenntnisse vorliegen, dass, wenn wir Glück haben ein Vergleich 50/50 zu erreichen wäre. Ich fragte nach dem Sinneswandel. Er erklärte uns, wenn man so einen Prozess führen will muß man eine Rechtsschutzversicherung haben!
Meine Frage: Wie sehen Sie die Chance den Prozess zu gewinnen? Wie soll ich mich gegenüber dem Anwalt verhalten?

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Sehr geehrter Ratsuchender,

auf Grundlage Ihrer Schilderung können Ihre Erfolgsaussichten im Prozess im Rahmen dieser Erstberatung nicht abschließend beurteilt werden. Ohne Kenntnis der Aktenlage wäre dies nicht seriös.

Es spricht jedoch einiges dafür, dass zumindest ein überwiegendes Mitverschulden des Unfallgegners aufgrund des Verstoßes gegen § 4 Abs. 3 StVO vorliegt, auch scheint die im Baustellenbereichh angemessene Geschwindigkeit nicht eingehalten (welche Geschwindigkeit war im Rahmen der Baustelle denn zulässig?). Die Ansicht des gegnerischen Haftpflichtversicherers und auch ein evtl. eingeholtes Gutachten über den Unfallhergang sind für die Beurteilung der Erfolgsaussichten wichtig.

Eine Rechtsschutzversicherung ist für keinen Prozess zwingende Voraussetzung, nur übernimmt diese Gerichts- und Anwaltskosten, weshalb deren Abschluss generell geboten ist. Vielleicht möchte Ihr Anwalt Ihnen das Risiko, durch ein Gutachten erhöhte Kosten tragen zu müssen, ersparen?

Ich rate Ihnen, das Gespräch mit Ihrem Anwalt zu suchen und ihn offen mit Ihren Bedenken zu konfrontieren. Sie sollten ihn besonders auf das Problem der Motorbremse ansprechen; wenn wirklich keine Geschwindigkeitsreduzierung eingetreten sein sollte, könnte ein Sachverständigengutachten oder eine Anfrage beim Fahrzeughersteller hier Licht ins Dunkel bringen (wenn es ein Bremsen gegeben haben sollte, ist ein Mitverschulden von Seiten Ihrer Frau anzunehmen). Hier könnte ein anderes Ergebnis herauskommen als bisher von der Polizei vermutet - zwingend ist dies aber nicht.

Ich nehme an, Sie haben an Ihren Anwalt einen Vorschuss über Geschäfts-, Verfahrens- und Terminsgebühr bezahlt; die Höhe ist nicht ungewöhnlich. Sie können als Auftraggeber jetzt verlangen, dass Ihr Anwalt für diese Summe auch gute Arbeit leistet.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Böhler
Rechtsanwalt



Nachfrage vom Fragesteller 04.04.2006 | 12:56

Sehr geehrter Herr Böhler,
vielen Dank für Ihre Antwort. Ich habe noch einige Ergänzungen und Nachfragen.
Geschwindigkeiten von 50-60 km/h sind für die Autobahn recht niedrig. Erlaubt waren 80 km/h. der Verkehr ließ aber keine höheren Geschwindigkeiten zu.
Selbst bei normalem Sicherheitsabstand (25 bis 30 m, für LKW sind mindestens 50 m ab 50 km/h vorgeschrieben) für diese Geschwindigkeiten müsste der Vordermann schon stehen um einen Unfall zu verursachen. Meine Frau hatte ausreichenden Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug und musste zu keinem Zeitpunkt bremsen. Der LKW-fahrer bestätigte auch im Polizeibericht, dass er keine Bremslichter gesehen hat. Meine Frau fuhr mit konstanter Geschwindigkeit, kann aber keine exakte Angabe über die Höhe machen. Nach der Tachoscheibe beschleunigte der LKW von 50 auf 63 km/h bis zum Aufprall. Für mich ist das eindeutig, der Junge hat gepennt. Wenn man mit eine Relativgeschwindigkeit von 6 bis 8 km/h irgendwo auffährt und zu spät merkt empfindet man, dass der Vordermann steht.
Wer muss den eigentlich was beweisen? Muss der LKW-fahrer beweisen, dass meine Frau ohne zu bremsen angehalten hat oder meine Frau, dass sie nicht bebremst hat?
Der einzige Beweis ist, dass nach dem Unfall im PKW der zweite Gang eingelegt war. Meine Frau vermutet, dass sie während des Aufpralls den Schalthebel nach hinten gezogen hat. Die Polizei vermutet ein Abbremsen mit dem Motor (die Polizei hat die Aufgabe Fakten zu sammeln und keine falschen Schlussfolgerungen zu ziehen, es läuft eine Beschwerde von mir). Weiterhin sind beim Schalten in den zweiten Gang zwischen 50 und 60 km/h bei dem Fahrzeugmodell kein Geschwindigkeitsreduzierungen festzusellen.
Nach Ihrer Auskunft hätte mein Anwalt, wenn er ehrlich gwesen wäre, sagen müssen, lassen sie die Sache von der Versicherung abwickeln. Alles andere wäre nach Ihrer Meinung unseriös gewesen.
Denn meine Frage bei der Erstberatung lautete: Versicherung oder eindeutiger Ausgang zu meinen Gunsten bei einem eventuellen Prozess. Der Anwalt entschied sich wohl für sein Einkommen. Ich möchte wissen ob ich von meinem Anwalt Schadensersatz verlangen kann. Denn auch nach Ihrer Auffasung habe ich jetzt Prozesskosten und den Verlust der Schadesfreiheitsrabatte zu tragen.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 04.04.2006 | 14:28

Sehr geehrter Ratsuchender,

nach wie vor kann ich im Rahmen dieser Plattform, ohne dass ich zuvor die Akten eingesehen habe und die verschiedenen Ansichten und Gutachten kenne, keine seriöse Einschätzung Ihrer Erfolgsaussichten abgeben. Ich kann deshalb leider auch nicht überprüfen, ob und ggf. in welcher Weise Ihr Anwalt Fehler gemacht hat, hierzu müssten Sie mir oder einem Rechtsanwalt in Ihrer Nähe ein entsprechendes Mandat erteilen. In einem etwaigen Haftungsprozess haben Sie die Fehler des Anwaltes zu beweisen.

Prinzipiell ist es aber immer richtig, nach Verkehrsunfällen einen im Verkehrsrecht versierten Rechtsanwalt, am besten einen aus der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht im Deutschen Anwaltverein einzuschalten, da ein Anwalt mehr für den Betroffenen herausholen kann, Versicherungen neigen nämlich dazu, nur unvollständig zu regulieren (was Laien aber in der Regel nicht auffällt).

In Sachen Beweislast gilt bei Auffahrunfällen ein Anscheinsbeweis, dass den Auffahrenden das alleinige Verschulden an einem Auffahrunfall trifft: entweder war er unaufmerksam oder hat zu wenig Abstand gehalten. Dem LKW-Fahrer bleibt nur die Möglichkeit, zu beweisen, dass im konkreten Fall ein vom gewöhnlichen Geschehensverlauf abweichender atypischer Verlauf vorlag, der Ihre Frau also zum Beispiel plötzlich grundlos stark abbremste. Hier gibt es für Sie also eine Beweiserleichterung.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Böhler
Rechtsanwalt

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