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Anspruch Vorerbe/Nacherbe

| 08.02.2015 17:24 |
Preis: ***,00 € |

Erbrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Tobias Rösemeier


Zusammenfassung: Nach § 2100 BGB kann ein Erblasser einen Erben in der Weise einsetzen, dass dieser erst Erbe wird, nachdem zunächst ein anderer Erbe geworden ist. Es handelt sich um eine Anordnung von Vor- und Nacherbschaft.

Sehr geehrte Frau Rechtsanwältin, sehr geehrter Herr Rechtsanwalt,

folgende Situation liegt bei mir vor.

Ich bin als Nacherbe im Testament meiner Großmutter erwähnt worden, wurde allerdings nicht vom Nachlaßgericht nach Eröffnung informiert.

Meine Mutter ließ mir eine Kopie des Testament zukommen.

Zum Zeitpunkt der Erstellung des Testaments durch meine Großmutter, besaß diese ein Zweifamilienhaus, welches in der oberen Etage von Ihr selbst bewohnt wurde, die untere Etage von Ihrem Sohn. Es hieß immer, ich sollte nach Ihrem Tod die obere Etage bekommen.

Ihr Sohn zog 2008 aus, und kümmerte sich seitdem weder um seine Mutter noch um die untere Wohnung.

2009 wurde meiner Großmutter ein vom Amtsgericht bestellter Betreuer zugeteilt. 2012 wurde meine Großmutter pflegebedürftig und kam nach längerem Krankenhausaufenthalt in ein Pflegeheim. Kurz darauf wurde das Haus verkauft um die entstandenen und weiter anstehenden Kosten der Pflege zu tilgen. Nachdem Tod 2014 stand nun noch eine gewisse Summe da, aus der meine Mutter ( Tochter cc. cc ) ihren Pflichtteil erhielt.


Nun meine Frage:

Habe ich Anspruch auf einen gewissen Pflichtteil aus der Verkaufssumme des Zweifamilienhauses?

Beerbe ich meinen Onkel nach dessen Tod? Er hat wohl nach dem Tod seiner Mutter geheiratet.

Wenn ja, welche Schritte müsste ich einleiten, um diesen Anspruch geltend zu machen.



Hier nun das Testament:
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Testament

Ich, XX XX, geb. am XX.X.XX, im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte, errichte nachfolgendes Testament.

1. Mein Mann YY YY ist am YY.YY.YY gestorben. Hiermit hebe ich die indem mit meinem Mann am .. . .... geschlossen Ehe - und Erbvertrag ( Urk. Nr. xxx x , Notar aa aa) getroffene Verfügung gem. Ziffer III . 2 auf.

2. Meine Tochter cc cc schließe ich ausdrücklich von der Erbfolge aus.

3. Zu meinem Alleinerben setze ich meinen Sohn vv.vv ein. Er ist alleiniger Vorerbe und , soweit möglich, von allen gesetzlichen Beschränkungen befreit. Nacherbin bezüglich des zum Zeitpunkt des Nacherbfalls noch vorhanden Vermögens ist meine Enkelin rr.rr, ersatzweise deren Tochter dd, für den Fall, daß mein Sohn vv.vv den Erbfall nicht erlebt, bestimme ich zur Ersatzerbin meine Enkelin rr, wiederum ersatzweise meine Urenkelin dd.


Ort, dem 00.0. 07

Unterschrift.

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Mit freundlichen Grüßen

Frau B.

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Fragen möchte ich Ihnen gern auf Grundlage der angegebenen Informationen wie folgt beantworten:

Voranzustellen ist zunächst, dass Ihre Großmutter in der Tat ein Testament nach dem Ableben ihres Ehemannes errichtet hat, welches zum Inhalt hat, dass deren Sohn (Ihr Onkel) zum Alleinerben bzw. zum sogenannten befreiten Vorerben beruft und deren Tochter zugleich enterbt (Ihre Mutter). Hierneben werden Sie zum Nacherben nach dem Onkel bestimmt.

Dies bedeutet, dass vorliegend Ihr Onkel Vorerbe geworden ist und Sie sodann nach dessen Ableben Nacherbe sein sollen.

Nach § 2100 BGB kann ein Erblasser einen Erben in der Weise einsetzen, dass dieser erst Erbe wird, nachdem zunächst ein anderer Erbe geworden ist. Es handelt sich um eine Anordnung von Vor- und Nacherbschaft.

Der Vorerbe und der Nacherbe sind beide Rechtsnachfolger des Erblassers. Im Gegensatz zur Erbengemeinschaft erben sie aber nicht gleichzeitig, sondern zeitlich versetzt hintereinander. Der Nacherbe hat ein Anwartschaftsrecht auf die Nacherbschaft.

Mit dem Eintritt des Falles der Nacherbfolge ( hier der Tod des Onkels) hört der Vorerbe auf, Erbe zu sein, und die Erbschaft fällt dem Nacherben an (§ 2139 BGB).

Derzeit haben Sie als Nacherbe also noch keinen Anspruch am Nachlass, somit auch keinen Pflichtteilsanspruch.

Ohnehin besteht das Nacherbe nur maximal in den Nachlass, welcher zum Zeitpunkt des Todes der Großmutter noch vorhanden war. Offensichtlich war zu diesem Zeitpunkt das Haus bereits verkauft und der Erlös teilweise für Pflege etc. verbraucht. Maßgebend ist also der Bestand des Nachlasses zum Todeszeitpunkt der Großmutter. Dieser mindert sich zudem um den ausbezahlten Pflichtteilsanspruch, welchen Ihre Mutter erhalten hat.

Für den Vorerben stellt der Nachlass der Großmutter eine gesonderte Vermögensmasse dar. Da dieser aber sogenannter befreiter Vorerbe ist, kann er grundsätzlich über den Nachlass verfügen. Er darf allerdings keine Schenkungen vornehmen.

Als Nacherbe haben Sie gegenüber dem Vorerben bereits vor Eintritt des Nacherbfalls wichtige Rechte, die geltend gemacht werden sollten, hier insbesondere das Auskunftsrecht (§ 2121 BGB)über den Bestand des Vorerbes.

Der erste Schritt wäre also, diesen Anspruch geltend zu machen.

Durch eine testamentarische Anordnung einer Vor- und Nacherbschaft soll das Erbe möglichst erhalten bleiben.

Der Vorerbe ist zur ordnungsgemäßen Verwaltung verpflichtet und bestimmte Verfügungen bedürfen daher der Genehmigung des Nacherben.

Es ist anzuraten, ggf. zu Geltendmachung des Auskunftsanspruchs und weiterer Rechte einen auf Erbrecht spezialisierten Anwalt vor Ort hinzuzuziehen.


Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Bewertung des Fragestellers 08.02.2015 | 19:21

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Stellungnahme vom Anwalt:
FRAGESTELLER 08.02.2015 5/5,0
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