Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Angestellt in Niederlande und eigene GmbH Neugründung in Deutschland

| 21.07.2014 17:13 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Falk-Christian Barzik, Diplom-Finanzwirt (FH)


Hallo,

ich bin Angestellter in den Niederlanden und habe vor für ein nebenberufliches Projekt eine GmbH oder UG zu gründen, deren Sitz in Deutschland sein wird. Ich will mit meinem niederländischen Einkommen auch weiterhin in den Niederlanden Steuern bezahlen und die GmbH über Deutschland führen. Ist das aus steuerrechtlicher Sicht möglich oder muss ich mich für ein Land entscheiden?

Vielen Dank und beste Grüße

Samuel

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Sofern Sie einen Wohnsitz in den Niederlanden bleiben Sie grundsätzlich mit ihren gesamten Einkünften („Welteinkommen") in den Niederlanden steuerpflichtig. Sie werden daher auch weiterhin in den Niederlanden ihre Einkommensteuererklärung abgeben müssen und dort ihre Steuern bezahlen.

Jedoch steht Deutschland grundsätzlich ein Besteuerungsrecht an den in Deutschland erzielten Einkünften aus dem Gewerbebetrieb zu (sog. beschränkte Steuerpflicht).
Dies gilt jedoch nach einem Doppelbesteuerungsabkommen mit den Niederlanden gemäß Art. 5 DBA nur, wenn die GmbH in den Niederlanden eine Betriebsstätte unterhalten würde (Betriebsstättenprinzip).

Die Betriebstätte ist dabei nach § 12 AO und Art. 5 DBA zu bestimmen. In jedem Fall ist dies jede feste Geschäftseinrichtung oder Anlage, die der Tätigkeit eines Unternehmens zu dienen bestimmt ist. Als Betriebstätten sind daher insbesondere anzusehen:

1.
die Stätte der Geschäftsleitung,
2.
Zweigniederlassungen,
3.
Geschäftsstellen,
4.
Fabrikations- oder Werkstätten,
5.
Warenlager,
6.
Ein- oder Verkaufsstellen,
8.
Bauausführungen oder Montagen, auch örtlich fortschreitende oder schwimmende, wenn
a)
die einzelne Bauausführung oder Montage oder
b)
eine von mehreren zeitlich nebeneinander bestehenden Bauausführungen oder Montagen oder
c)
mehrere ohne Unterbrechung aufeinander folgende Bauausführungen oder Montagen
länger als sechs Monate dauern.

Ob die Tätigkeiten der GmbH in Deutschland einen solchen Umfang erreicht, der die Voraussetzungen des § 12 AO erfüllt, bitte ich Sie selbst kritisch zu prüfen, da der Sachverhalt dahingehend keine Angaben macht.
Trotz fester Geschäftseinrichtung liegt aber jedenfalls keine Betriebsstätte vor, wenn z.B. nur Einrichtungen zur Lagerung und Ausstellung von Waren und Gütern, Güter- und Warenbestände zur Auslieferung oder (Weiter-)Verarbeitung, Einkaufseinrichtungen oder Einrichtungen zur Informationsbeschaffung bestehen.

Sofern eine Betriebsstätte vorliegt, wären Sie in Deutschland nur (!!!) hinsichtlich der Einkünfte aus der GmbH zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet.

Abschließend möchte ich Sie darauf hinweisen, dass es sich bei dieser Antwort, basierend auf Ihren Angaben, lediglich um eine erste rechtliche Einschätzung des Sachverhaltes handelt. Diese kann eine umfassende Begutachtung nicht ersetzen. Durch Hinzufügen oder Weglassen relevanter Informationen kann die rechtliche Beurteilung völlig anders ausfallen.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 21.07.2014 | 19:14

Sehr geehrter Herr Barzik,

vielen Dank für die Beantwortung. Ich habe meinen Wohnsitz in Deutschland, mein niederländisches Einkommen versteuere ich in den Niederlanden (was ich auch weiterhin gern beibehalten möchte), da ich in Deutschland selbst über kein persönliches Einkommen verfüge. Wenn ich nun in Deutschland eine GmbH gründe, werde ich dann auch mit meinen niederländischen Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit fortan in Deutschland steuerpflichtig? Oder ist die deutsche Steuerpflicht dann nur auf die GmbH als juristische Person des Privatrechts beschränkt und meine möglichen Kapitaleinkünfte über die beschränkte Steuerpflicht in Deutschland reguliert? Ich muss dazu sagen, dass die GmbH vorerst keine Gewinne (sondern eher Verluste) hervorbringen wird, da wir mit unserer Startup-Softwareentwicklung noch in der Entwicklungsphase sind. Die Einstufung als GmbH oder UG ist aber notwendig, um bei inländischen Geldgebern (Venture Capitals) Gelder zu beantragen, die dann als Unternehmensbeteiligungen in die GmbH einfliessen.

Beste Grüße und vielen Dank!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 21.07.2014 | 19:55

Sehr geehrter Fragesteller,

ich bin bei der vorherigen Beantwortung aufgrund Ihres Sachverhaltes davon ausgegangen, dass sie ihren Wohnsitz in den Niederlanden haben und nur in DE eine GmbH gründen wollen. Durch die Tatsache, dass ihr Wohnsitz in Deutschland ist, wird die Sache viel einfacher.

Mit deutschem Wohnsitz sind sie mit ihren gesamten Welteinkommen grundsätzlich in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig. Wie oben dargestellt, regeln die DBAs jedoch Ausnahmen von dieser Grundregel. Unter eine dieser Ausnahmen fallen Sie mit Ihren -nach eigenen Auskünften- nur in den Niederlanden steuerpflichtigen Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit (§ 19 EStG, Art. 10 DBA NL).

Diese Einkünfte werden auch nicht durch die Gründung einer deutschen GmbH in Deutschland steuerpflichtig, wie Sie befürchten. Das Besteuerungsrecht verbleibt aufgrund des DDBAs vielmehr auch danach bei den Niederlanden, so dass Sie dahingehend beruhigt sein können.

Jedoch erzielen Sie aus Ausschüttungen der GmbH in Deutschland steuerpflichtige Dividenden (§ 20 EStG), die Sie hier in einer Einkommensteuererklärung anzugeben haben. Die Erklärung hat sich jedoch auf diese Dividenden zu beschränken.

Darüber hinaus ist die GmbH in Deutschland ganz normal körperschaftssteuerpflichtig.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

Ergänzung vom Anwalt 21.07.2014 | 18:36

Sehr geehrter Fragesteller,

leider ist mir bei der ersten Bearbeitung Ihrer Frage ein Fehler unterlaufen. Ich bitte Sie diesen Fehler zu entschuldigen. Die korrekte Antwort ist die Folgende:

Sofern Sie einen Wohnsitz in den Niederlanden haben, bleiben Sie grundsätzlich mit ihren gesamten Einkünften („Welteinkommen") in den Niederlanden steuerpflichtig. Sie werden daher auch weiterhin in den Niederlanden ihre Einkommensteuererklärung abgeben müssen und dort ihre Einkommensteuern bezahlen.

Jedoch steht Deutschland grundsätzlich ein Besteuerungsrecht an den in Deutschland erzielten Einkünften zu (sog. beschränkte Steuerpflicht). Wann dies genau der Fall ist, ist im hier vorliegenden Fall von Kapitaleinkünften (§ 20 EStG) durch Art. 13 des Doppelbesteuerungsabkommens (DBA) mit den Niederlanden geregelt. Demnach steht den Niederlanden das Besteuerungsrecht an den Dividenden zu, so dass Sie die Gewinnausschüttungen der GmbH in den Niederlanden in Ihrer Einkommensteuererklärung zu erklären haben.

Jedoch hat die GmbH –als eigenes Rechtssubjekt- in Deutschland Quellensteuer in Höhe von 15% an das Finanzamt auf die Ausschüttungen abzuführen. Diese Quellensteuer können Sie sich wiederum (anteilig) in den Niederlanden auf Ihre Einkommensteuer anrechnen lassen. Zu den Details würde ich dahingehend jedoch die Hinzuziehung eines niederländischen Steuerberaters empfehlen. Insbesondere welche Anforderungen die niederländischen Finanzbehörden an die erforderlichen Unterlagen zur Anrechnung der Quellensteuer stellen.

Desweiteren dürfen sie jedoch nicht vergessen, dass die GmbH als eigens Rechtssubjekt in Deutschland körperschaftssteuerpflichtig sein wird, da sie ihren Gesellschaftssitz in Deutschland (Ort der Leitung) inne hat (§ 1 KStG). Deswegen werden Sie für die GmbH in Deutschland eine Körperschaftssteuererklärung abzugeben haben.

Abschließend möchte ich Sie darauf hinweisen, dass es sich bei dieser Antwort, basierend auf Ihren Angaben, lediglich um eine erste rechtliche Einschätzung des Sachverhaltes handelt. Diese kann eine umfassende Begutachtung nicht ersetzen. Durch Hinzufügen oder Weglassen relevanter Informationen kann die rechtliche Beurteilung völlig anders ausfallen.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Bewertung des Fragestellers 23.07.2014 | 14:58

Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

"Ich bin komplett zufrieden mit der Information, die mir Herr Barzik hat zukommen lassen. Daher gebe ich 5 Sterne in allen Kategorien."
Stellungnahme vom Anwalt:
Jetzt Frage stellen