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Angabe von privaten Veräußerungsgeschäften außerhalb der Frist

13.09.2009 01:15 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Dr. Corina Seiter


Sehr geehrte Anwälte,

müssen private Veräußerungsgeschäfte außerhalb der Spekulationsfrist überhaupt in der Steuererklärung angegeben werden?

Die Formulare sehen nicht danach aus, als ob Sie dafür gedacht sind. Handelt es sich um Aktien tauchen die ja manchmal trotzdem im Depotauszug auf, aber wenn es sich um andere Wirtschaftsgüter und macht man damit einen erheblichen einmaligen Gewinn (außerhalb eines Jahres) z.B. aus nicht gehandelten Optionsvereinbarungen, wie gibt man diese dann an?

Ein Beispiel wären z.B. Optionen welche man auf GmbH Anteile vereinbart hat und nach Ablauf der Spekulationsfrist veräußert (also die Option auf die GmbH Anteile). Davon erhält das Finanzamt sogar Kopien über den Notar.

Gibt man eine solche Option nicht in der Steuererklärung an weil es eben außerhalb der Frist ist? Sollte man bei höheren Beträgen das FA zumindestens darauf hinweisen oder ist dies nicht vorgesehen. Bei Aktien werden die Gewinne ja auch nicht angegeben oder beim Verkauf von Immobilien?

Sehr geehrter Fragender,

da unter die sog. privaten Veräußerungsgeschäfte im Sinne der §§22, 23 EStG diverse verschiedene Ausprägungsformen (z. B. Veräußerungen bestimmter im Privatvermögen gehaltener Wertpapiere oder von Grundstücken innerhalb bestimmter Fristen) fallen, bitte ich Sie zum Zwecke der Beantwortung Ihrer Frage - insbesondere vor dem Hintergrund, dass es sich hierbei vom Umfang her nur um eine Erstberatung handeln kann - zu präzisieren, auf welche Geschäfte genau Ihre Fragestellung abzielt.

Sie können mir dieses gerne per Email zusenden, dann komme ich in der Ergänzung darauf zurück, um Ihnen die kostenlose Nachfrage zu erhalten.

Ich habe Ihnen eine Mail mit den Kontaktdaten zugesandt.

Mit freundlichen Grüßen Dr. C. Seiter

Ergänzung vom Anwalt 15.09.2009 | 12:21

Sehr geehrter Fragender,

nach Präzisierung Ihrer Frage komme ich nunmehr auf diese im Rahmen einer Erstberatung auf Basis der von Ihnen gegebenen Informationen zurück:

Da Sie angeben, die Behaltensfrist von mind. 1 Jahr für Optionspapiere eingehalten zu haben, gehe ich folglich davon aus, dass Sie diese noch vor dem 1.1.2009 erworben haben müssen.

Dies bedeutet, dass insoweit (für Gewinne/Verluste aus diesen Papieren) noch die alte bis 31.12.2008 geltende Rechtslage Gültigkeit hat:

Gewinne und Verluste aus sog. privaten Veräußerungsgeschäften (hierzu zählen grds. auch die hier in Rede stehenden Termingeschäfte) gehören danach steuerlich zu den "Sonstigen Einkünften" nach § 22 Nr. 2 EStG. Die Besteuerung selbst ist geregelt in § 23 EStG:
Veräußerungsgewinne (sog. Spekulationsgewinne) sind steuerpflichtig, wenn sie im Kalenderjahr - nach Saldierung mit Spekulationsverlusten - insgesamt mindestens (ab 2008) 600 EUR betragen. Bei Verheirateten gilt dieser Betrag für jeden Ehegatten. Spekulationsgewinne können mit anderen negativen Einkünften, z. B. aus Vermietung und Verpachtung, verrechnet werden.
Veräußerungsverluste (Spekulationsverluste) können im selben Jahr nur mit Spekulationsgewinnen verrechnet werden. Ein Ausgleich mit anderen Einkünften, z. B. aus Kapitalvermögen, ist nicht zulässig.

Als Gewinn oder Verlust aus einem Veräußerungsgeschäft gilt im Übrigen der Unterschiedsbetrag zwischen dem Veräußerungserlös einerseits und den Anschaffungskosten, Anschaffungsnebenkosten, Veräußerungskosten und direkt zurechenbaren Werbungskosten andererseits. Als Werbungskosten abziehbar (und zwar unabhängig von der Zahlung stets zum Zeitpunkt der Veräußerung) sind dabei grundsätzlich alle durch das Spekulationsgeschäft veranlassten Aufwendungen, die nicht zu den Anschaffungskosten gehören und nicht vorrangig einer anderen Einkunftsart zuzurechnen sind.

HINWEIS (Besonderheit bei Termingeschäften): Falls bei einem Termingeschäft der Basiswert entgegen Ihrer Erwartung in die "falsche" Richtung verläuft, verliert das Optionsrecht im Zeitverlauf allmählich an Wert, wird dann unverkäuflich und zum Schluss wertlos. Lassen Sie in diesem Falle die Kaufoption bzw. Verkaufsoption am Ende der Laufzeit verfallen, ist die gezahlte Optionsprämie mitsamt Nebenkosten und damit Ihr gesamter Kapitaleinsatz verloren. Leider ist in diesem Fall die Optionsprämie nicht als Werbungskosten absetzbar und somit eine Verlustverrechnung mit Spekulationsgewinnen nicht möglich - auch nicht innerhalb der Spekulationsfrist. Dies jedenfalls ist die Auffassung der Finanzverwaltung (BMF vom 27.11.2001, BStBl. 2001 I S. 986, Tz. 18 und 23; BFH vom 19.12.2007, IX R 11/06, BStBl. 2008 II S. 519).
Verliert Ihre Option also an Wert, sollten sie diese kurz vor Ende der Laufzeit veräußern, spätestens vor Ablauf der Spekulationsfrist - mit der Order "bestens", auch für nur 1 Cent. Nur dann liegt ein privates Veräußerungsgeschäft vor (§ 23 Abs. 1 Nr. 2 EStG). In diesem Fall können Sie bei der Ermittlung des Spekulationsverlustes die gezahlte Optionsprämie mitsamt Nebenkosten vom Erlös abziehen und den verbleibenden Verlust zumindest steuerlich mit Spekulationsgewinnen im selben Jahr, im Vorjahr oder im Folgejahr verrechnen.

Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften (wie gesagt: nur wenn Anschaffung des Wertpapiers bis 31.12.2008) sind in der Einkommensteuererklärung in einer besonderen "Anlage SO" anzugeben.
Zur Abgabe dieser "Anlage SO" sind Sie jedoch nur verpflichtet, wenn Ihr Gesamtgewinn aus privaten Veräußerungsgeschäften mindestens 600 EUR beträgt.

Haben Sie keine privaten Veräußerungsgeschäfte getätigt oder bleiben Sie mit Ihrem Gesamtgewinn aus solchen Geschäften unter der Freigrenze, müssen Sie diese grds. nicht angeben (Sie müssen dieses sodann im Steuerhauptformular auf Seite 2 durch entsprechendes Ankreuzen bestätigen; bei Eheleuten muss jeder Ehegatte unter der Freigrenze bleiben).

HINWEIS: Die Abgabe der "Anlage SO" ist (dennoch) aber in den Fällen zu empfehlen, falls Sie oder Ihr Ehegatte nach Saldierung von Gewinnen und Verlusten einen Verlust erlitten haben. In diesem Fall geben Sie den Verlust in der Anlage SO an. Dieser Verlust wird dann nach Ihrer Wahl in das Vorjahr zurückgetragen oder in das Folgejahr vorgetragen, zur Verrechnung mit etwaigen Gewinnen aus Spekulationsgeschäften.

Ab 1.1.2009 gehören Gewinne/Verluste aus derartigen Geschäften zu den Einkünften aus Kapitalvermögen, wo diese grds. der sog. pauschalen Abgeltungssteuer unterliegen. Auch in diesem Fall unterbleibt grds. eine Angabe in der Steuererklärung, wobei auch hier in bestimmten Fällen (auf eine nähere Ausführung wird in Anbetracht des gewöhnlichen Umfangs einer Erstberatung verzichtet) eine "freiwillige" Einbeziehung in die allgemeine Steuerveranlagung (Wahlrecht) lohnen kann.

Ich hoffe, Ihnen hiermit weitergeholfen zu haben und verbleibe

mit freundlichen Grüßen,

Dr. C. Seiter

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