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Anfechtung eines Testaments

13.10.2006 21:19 |
Preis: ***,00 € |

Erbrecht


Sehr geehrte Damen und Herren,
kann ich eine testamentarische Verfügung (Wortlaut: "10,000 DM" für ... ") zunächst annehmen und trotzdem hinterher das Testament anfechten? Erklärung: Ich fühle mich total hintergangen, benötige aber im Moment selbst diese knapp 5,000 EUR dringend. Vielen Dank.

-- Einsatz geändert am 13.10.2006 21:27:06

Sehr geehrte Ratsuchende,

ich bedanke mich für Ihre Anfrage, die ich wie folgt nach Ihren Angaben beantworten möchte.

Ihr Ansinnen werde ich leider zurückweisen müssen, da Sie, wenn Sie mit der Erbschaft nichts zu tun haben wollen, die Erbschaft endgültig ausschlagen müssen.
Dies hat innert sechs Wochen nach Kenntnis der Erbenstellung beim Nachlassgericht zu geschehen.
Sie werden nicht „Rosinen“ rauspicken können, indem zuerst die EUR 5.000,00 annehmen und dann ggf. aus welchem Grund auch immer das Erbe ausschlagen mögen.

Falls diese Verfügung von Todes, die Sie vortragen ein Vermächtnis darstellen, wird sich hinsichtlich der Ausschlagung desselben nichts ändern.

Ich hoffe, Ihnen weitergeholfen zu haben.


Mit freundlichen Grüßen
Bernd Zahn
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 14.10.2006 | 22:30

Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt Zahn,
vielen Dank für Ihre Antwort, die mich verständlicherweise nicht befriedigt. Ich möchte Ihnen deshalb noch nähere Erläuterungen geben.

Durch den Tod meines Vaters vor 5 Jahren bin ich erbrechtlich an seine Stelle getreten und zusammen mit seinem einzigen Geschwister, meiner Tante, Erbe 1. Ranges bei meiner Großmutter väterlicherseits, da keine weiteren Nachfahren auf dieser Ebene vorhanden sind. Mit den "10,000,- DM" wurden im Testament alle 3 Enkel bedacht. Ich denke, dass ich mich in dieser Position mit einer solchen "Zuwendung", die ich "beim Erben" (meiner Tante) einzufordern habe habe nicht zufriedengeben muss. Genauso wird es mir aber mit einem Schreiben des Amtsgerichts, jetzt, 4 Monate nach dem Tod der Großmutter, erstmals mitgeteilt.

Meine Frage ging also dahin, ob ich zunächst die zugedachten 5,000,- EUR quasi als Teilzahlung auf das Erbe annehmen kann. Von Rosinenpicken kann hier nicht Rede sein, da ich ja das Erbe nicht ausschlagen möchte, sondern in dem mir gesetzlich zustehenden Rahmen anzunehmen gedenke. Selbst wenn die Großmutter mich enterbt haben sollte, bin ich doch weiterhin gesetzlicher Erbe mit Pflichtteil.

Was raten Sie mir?

Mit freundlichem Gruß!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 17.10.2006 | 17:56

Sehr geehrte Ratsuchende,

auf Ihre Ergänzungsfrage werde ich wie folgt eingehen.

Nach Ihrem neuerlichen Vortrag stellt sich die Sachlage derart dar, dass Sie mit Ihrer Großmutter eine Erbengemeinschaft bilden, die es gilt auseinanderzusetzen.
Ohne Auseinandersetzung wäre eine Auszahlung der von Ihnen begehrten EUR 5.000,00 allenfalls unter Mitwirkung der Mitbeteiligten an der Erbengemeinschaft aus Kulanzgründen möglich.
Sollten Sie dies nicht zu erreichen vermögen, müssten Sie die Erbauseinandersetzung im Gesamten vorantreiben.

Sollte Sie die Großmutter auf welche Weise auch immer „enterbt“ haben, wären Sie ggf. als Angehörige durch letztwillige Verfügung insbesondere in Form des Testamentes wirksam von der Erbschaft ausgeschlossen.
Gerade wenn diese Konstellation eingetreten ist, wären Sie Pflichtteilsberechtigte, die einen Anspruch in Geld gegen die Erbin in Höhe der Hälfte des gesetzlichen Erbteils hätten.

Ich bedanke mich für das in mich gesetzte Vertrauen und hoffe, Ihnen weitergeholfen zu haben.


Mit freundlichen Grüßen
Bernd Zahn
Rechtsanwalt

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