Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
479.887
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Anfechtung des Kaufs einer antiken Lampe wegen falscher Herstellungszeitangabe


06.12.2017 14:37 |
Preis: 45,00 € |

Kaufrecht


Beantwortet von



Liebe Anwälte,

ein Kunde hat bei mir eine antike Lampe erworben.
Im vorausgegangenem Verkaufsgespräch habe ich,
mangels Fachkenntnis mündlich nur eine grobe Alterseinschätzung
gegeben und das Alter um 19.Jhdt oder später eingeschätzt.
Dem Kunde gefiel die Lampe, bekam sie nach Hause geliefert und anmontiert.
6 Tage später erfahre ich per mail über dessen Unzufriedenheit, weil er
„von einem alten Stück, bis 1900 oder früher, ausgegangen war".
Ich habe daraufhin noch einmal selbst recherchiert und
ein Herstellungsdatum um 1920 herausgefunden und aus geschäftlicher Kulanz
den Eintausch gegen eine andere Ware/Lampe angeboten, worauf keine Antwort kam.
Nach 2 Monaten bekam ich eine mail, worin der Kunde nach „Befragung von Fachleuten"
das Alter der Lampe auch auf ca 1920 und den Wert auf ca. ein Drittel niedriger schätzt.
Mittels Anwälten fordert er nun die Rückabwicklung des Kaufes wegen
„überhöhten Preises" und einer „falschen Herstellungszeitangabe",
sowie eine Begleichung seiner Anwaltskosten.

Muss ich dem Folge leisten bzw wie ist Ihre Einschätzung?
Vielen Dank und Grüße aus Hamburg
06.12.2017 | 16:55

Antwort

von



Bertha-Benz-Straße 5
10557 Berlin
Tel: 030346554263
Web: www.rokpartner.de
E-Mail:
Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen wie folgt beantworten:

Grundsätzlich ist zwischen Anfechtungs- und Gewährleistungsrecht zu unterscheiden. Dabei genießt das Mängelgewährleistungsrecht regelmäßig den Vorzug gegenüber dem Anfechtungsrecht (BGH NJW-RR 08, 222). Ist eine Eigenschaft vereinbart und wird diese Eigenschaft nicht erfüllt, liegt grundsätzlich eine negative Abweichung der „Ist- von der Sollbeschaffenheit" vor. Eine solche Abweichung wird als Mangel bezeichnet, § 434 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB).

Von Bedeutung ist, worüber sich bei dem Kaufvertragsschluss geeinigt wurde, bzw. was im Kaufvertrag selbst fixiert wurde.

Nach Ihren Ausführungen wurde vereinbart, dass die Lampe aus dem „19. Jhd. oder später" stammt. Hieraus ergibt sich keine eindeutige Zeitangabe, aus welcher Zeit die Lampe genau stammt. Der Zusatz „und später" könnte hier nämlich so ausgelegt werden, dass die Lampe beispielsweise aus dem 20. Jhd. stammt (da dies später als das 19. Jhd. wäre). Da die Lampe in diesem Fall tatsächlich aus der bezeichneten Zeit stammen würde, wäre jedenfalls die Herstellungszeitangabe nicht fehlerhaft – wie von der Gegenseite vorgetragen.

Allerdings kommt es in Ihrem Fall auf die wortgenaue Aussage und die Umstände an, die bei Vertragsschluss vorlagen; da diese im Rahmen einer gerichtlichen Auseinandersetzung, im Rahmen einer Beweisaufnahme, eine tragende Rolle spielen würden.

Für den hypothetischen Fall, dass die Beweisaufnahme zu dem Ergebnis gelangt, dass vereinbart wurde, 19 Jhd. (oder früher):

In diesem Fall wäre grundsätzlich das Mängelgewährleistungsrecht einschlägig. Der Käufer hätte dann unterschiedliche Möglichkeiten gegen den Verkäufer (also Sie) vorzugehen. Dabei hat der Käufer dem Verkäufer grundsätzlich die Möglichkeit einzuräumen, eine mangelhafte Lieferung nachzubessern – dies bezeichnet man als Nacherfüllung, § 439 BGB. Eine Nacherfüllung (die Lieferung einer anderen Lampe) ist aber immer dann nicht möglich, wenn die Nacherfüllung unmöglich ist, § 275 BGB. Da das Alter der von Ihnen angebotene Lampe nachträglich nicht verändert werden kann, wäre eine solche Unmöglichkeit der Nacherfüllung wohl zu bejahen. Der Käufer kann dann insbesondere den Kaufpreis insgesamt zurückzufordern (was einen Rücktritt darstellt) oder aber den Kaufpreis mindern. Dies wäre auch ohne Fristsetzung möglich, § 326 Absatz 5 BGB.

Für die Frage der Anwaltskosten käme es in diesem Kontext (Mängelgewährleitung) darauf an, ob Sie die Rückabwicklung Ihrerseits verweigert haben – dies geht aus Ihren Vorgaben nicht eindeutig hervor. Nach der Rechtsprechung des OLG Karlsruhe (NJW-RR 90, 929) bestehet ein Schadenersatzanspruch – wie die Notwendigkeit anwaltlicher Hilfe – dann, „wenn der Gegner sich dem Grunde oder der Höhe nach weigert, den Schaden zu begleichen. Unerheblich ist, ob es sich um einen in rechtlicher oder tatsächlicher Hinsicht besonders schwierig gelagerten Fall handelt".


Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen


ANTWORT VON


Bertha-Benz-Straße 5
10557 Berlin
Tel: 030346554263
Web: www.rokpartner.de
E-Mail:
RECHTSGEBIETE
Kaufrecht, Arbeitsrecht, Strafrecht, Verkehrsrecht, Reiserecht
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 60044 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Es wurde alles verständlich erklärt sehr gerne bei Rechtsfragen wieder. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Es ist eine Wohltat, wenn man so schnell eine so kompetente, klare und unzweifelhafte Antwort bekommt. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Auf meine Frage bekam ich schnell eine sehr klare Antwort, auf Nachfrage dann auch detailliert und dennoch auf den Punkt gebracht (und nicht ohne Humor). Vielen Dank! ...
FRAGESTELLER