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27.03.2014 17:48 |
Preis: ***,00 € |

Urheberrecht, Markenrecht, Patentrecht


Beantwortet von


in unter 2 Stunden
Ich habe vor Jahren ein altes Bild eines asiatischen Heiligen gekauft. Dieses Kunstwerk wurde einst von einem unbekannten asiatischen Künstler aufgrund von Heiligenverehrung hergestellt, später dann verkauft, verschenkt, wieder verkauft und dann an mich verkauft. Das Kunstwerk ist mindestens 50 Jahre alt, schätze ich.

Nun will ich es gerne im Rahmen einer Buchveröffentlichung abbilden. Habe ich das Recht dazu? Es gibt viele sehr ähnliche Bilder dieses Heiligen, da der Heilige immer grundsätzlich ähnlich dargestellt wird, und doch sind die Details z.T. verschieden, wie der Hintergrund usw.. Es gibt unendlich viele Variablen der Darstellung. Der Heilige hat vor vielen Jahrhunderten gelebt und es unterliegt der künstlerischen Freiheit, selbst sein Gesicht darzustellen, da es keine Dokumente vom wahrhaften Ausehen des Heiligen gibt.


27.03.2014 | 18:44

Antwort

von


(1943)
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26131 Oldenburg
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Sehr geehrte Ratsuchende,

gerne beantworte ich Ihre Anfrage unter Berücksichtigung Ihrer Sachverhaltsschilderung und Ihres Einsatzes wie folgt:

Ein Gemälde unterliegt als Werk der bildenden Kunst grundsätzlich dem Urheberrechtsschutz, vgl. § 2 Ansatz 1 Nr. 4 UrhG. Zwar muss es sich dabei um eine persönliche geistige Schöpfung handeln, also gewisse individuelle Züge des Künstlers erkennen lassen. Bei einem Gemälde wird man aber regelmäßig hiervon ausgehen können, wenn es sich nicht um eine Massenproduktion handelt, auch wenn es eine Vielzahl vergleichbarer Abbildungen gibt.

Eine Abbildung des Gemäldes im Rahmen einer Buchveröffentlichung wäre daher eine Vervielfältigungs- und Verbreitungshandlung im Sinne der §§ 16 ff. UrhG und ohne Einwilligung des Künstlers bzw. dessen Erben grundsätzlich nicht zulässig (es sei denn, der Künstler ist bereits seit über 70 Jahren verstorben, bei einem anonymen Werk läuft die 70-Jahres-Frist ab Veröffentlichung - §§ 64 , 66 UrhG ).

Eine Ausnahme von dieser Einwilligungspflicht bietet das Bildzitat gemäß § 51 UrhG . Ein solches Zitat erfordert allerdings einen Zitatzweck und eine Auseinandersetzung mit dem Bild im Text, wobei das Bild nur unverändert und mit zutreffender Quellen- bzw. Urheberangabe veröffentlicht werden darf. Wenn sich Ihr Buch also mit dem Gemälde beschäftigt und hierfür zu Zitatzwecken eine vollständige Abbildung erforderlich ist, kann eine Veröffentlichung auch ohne Einwilligung des Künstlers zulässig sein.

Im Gegensatz dazu wäre eine Veröffentlichung nur zu "Dekorationszwecken" etc. ohne Einwilligung des Künstlers unzulässig, zumindest wenn die 70-Jahres-Frist noch nicht abgelaufen ist. Wobei in der Praxis die Wahrscheinlichkeit, dass ein unbekannter asiatischer Maler eines über 50 Jahre alten Gemäldes aufgrund der Buchveröffentlichung auf dem deutschen Markt Ansprüche geltend machen wird, wohl eher als gering einzuschätzen wäre.


Ich hoffe, Ihnen eine erste hilfreiche Orientierung ermöglicht zu haben. Bei Unklarheiten benutzen Sie bitte die kostenfreie Nachfragefunktion.

Mit freundlichen Grüßen


Rechtsanwalt Jan Wilking

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