Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Alleiniges Sorgerecht beantragt - Welche Chancen?

| 27.04.2010 20:56 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Carolin Richter


Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte den Sachverhalt kurz umreißen:
Mein Ex-Lebensgefährte und ich haben noch während der Schwangerschaft das gemeinsame Sorgerecht für unseren Sohn, jetzt 7 Monate alt, erklärt. Bereits während der Schwangerschaft kam es zu mehreren Trennungen von seiten meines Ex-Partners, nachdem er die Verantwortung nicht übernehmen wollte. Des Weiteren erfuhr ich während der Schwangerschaft und auch nach der Geburt meines Sohnes keinerlei Unterstützung durch ihn. Die Sorge für meinen Sohn oblag mir somit seit seiner Geburt allein. Sämtliche Entscheidungen (Arztbesuche, Kindergarten etc.) wurden bislang allesamt von mir allein getroffen. Wir haben zu keiner Zeit zusammen gewohnt und haben eine Wochenendbeziehung geführt. Die Beziehung ging jetzt Mitte Januar endgültig in die Brüche. Nach einem Gespräch mit ihm, bat ich um Übertragung des alleinigen Sorgerechts auf mich. Er hat dem zugestimmt und die entsprechende privatschriftliche Erklärung unterzeichnet. Daraufhin habe ich einen Antrag beim Familiengericht gestellt. Im Zuge des Antragsverfahrens hat er seine Erklärung mündlich widerrufen und besteht nun weiterhin auf der gemeinschaftlichen Sorge. Die Anhörungen beim Jugendamt haben zwischenzeitlich stattgefunden.

Der Grund für die Übertragung des Sorgerechts ist folgender: Mein Ex-Partner ist schwer depressiv und hat bereits mehrere Suizide versucht, der letzte war vor zwei Jahren. Er befand sich bereits mehrmals in therapeutischer Behandlung, auf Drogenentzug (Jahr 2001), er nahm Antidepressiva. All das habe ich erst während unserer Beziehung erfahren. Wir waren insgesamt ein Jahr zusammen. Er ist nach wie vor schwer depressiv, nahm bis Februar diesen Jahres Antidepressiva und spricht nach wie vor in regelmäßigen Abständen vom Selbstmord. Er ist in seiner Art sehr labil und unbeständig. Aufgrund dessen halte ich ihn nicht für geeignet, die Personen- und Gesundheitssorge für unseren Sohn auszuüben. Ich selbst habe starke Bedenken, dass er in der Lage ist, Entscheidungen zu treffen, die dem Wohle unseres Sohnes dienen.Er hat sich bislang auch nicht eingebracht. Aus diesem Grunde möchte ich das alleinige Sorgerecht für meinen Sohn. Auch gerade vor dem Hintergrund, wenn ich einmal nicht mehr in der Lage sein sollte, die Sorge für meinen Sohn zu übernehmen. Ich möchte verhindern, dass mein Sohn dann zum Kindsvater kommt, weil ich Angst habe, dass meinem Sohn etwas zustößt und der Kindsvater nicht in der Lage ist, sich angemessen um das Kind zu kümmern. Das Umgangsrecht möchte ich meinem Ex-Partner nicht absprechen, jedoch nur in meiner Anwesenheit. Dies haben wir bereits auch so geregelt.

Meine Fragen lauten:
Welche Chancen habe ich im Rahmen des bereits anhängigen Sorgerechtsstreits? Muss ich davon ausgehen, dass ein Sachverständiger mit der Begutachtung von dem Kindsvater beauftragt wird? Kann ich bereits jetzt eine wirksame Vorsorge treffen, d. h. kann ich in einer notariellen Erklärung meine Eltern als Vormund oder Pfleger für meinen Sohn, bestellen, für den Fall, dass ich die Sorge nicht mehr ausüben kann?

Vielen Dank für Ihre Bemühungen.
Mit freundlichen Grüßen

Sehr geehrte Fragestellerin,

gern beantworte ich Ihre Frage unter Beachtung Ihrer Sachverhaltsangaben und Ihres Einsatzes.

Gem. § 1626 a BGB besteht die gemeinsame elterliche Sorge nur, wenn die Mutter dazu einwilligt. Nach Ihren Sachverhaltsangaben haben Sie die gemeinsame elterliche Sorge erklärt.

Diese Erklärung kann nicht ohne weiteres rückgängig gemacht werden. Nur das Familiengericht kann die elterliche Sorge auf einen Elternteil übertragen. Wie Sie angeben, habe Sie bereits einen solchen Antrag bei Gericht gestellt. Die Übertragung der elterlichen Sorge auf einen Elternteil wird das Gericht ausschließlich an dem Kindeswohl ausrichten ( § 1671 BGB).

Ist ein Elternteil nicht erziehungsfähig, wird es im Kindeswohlinteresse liegen, die elterliche Sorge auf den anderen Elternteil übertragen werden. Eine pauschale Antwort kann hier nicht gegeben werden, da eine solche Entscheidung Tatfrage ist und von den Einzelheiten des Falles abhängt. Anhaltspunkte für eine Erziehungsunfähigkeit sind zum Beispil folgende Kriterien:

- ein Elternteil lehnt vollständig die Kommunikation mit dem Anderen ab, es können daher keine gemeinsamen Entscheidungen getroffen werden

- eine psychsische Erkrankung eines Elternteils, die es ihm nicht ermöglicht, gemeinsam mit dem Anderen Entscheidungen für das Kind zu treffen

- eine sehr weite räumliche Entfernung, die die Absprache zwischen den Eltern sehr erschwert, kann auch der Grund für die Übertragung der elterlichen Sorge sein

Die elterliche Sorge kann daher übertragen werden, wenn der eine Elternteil nach seinem Charakter, Anlagen und innerer Einstellung zur Erziehung ungeeignet ist. Dabei müssen aber sehr schwerwiegende Mängel vorliegen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass zur Überprüfung der Erziehungsfähigkeit des Kindesvaters ein Sachverständiger beauftragt wird. Sie können Sie auch gesondert bei Gericht beantragen. Obwohl das Amtsermittlungsprinzip im Sorgerechtsverfahren gilt, ist es immer von Vorteil, wenn Sie die psychischen Probleme des Kindesvaters ausführlich bei Gericht vortragen und als Beweis ein Sachverständigengutachten anbieten.

Möglich ist es, Teile der elterlichen Sorge vollständigen auf einen Elternteil zu übertragen, zb.: Aufenthaltsbestimmungsrecht, Gesundheitsfürsorge, Frage der schulischen Angelegenheiten.

In Ihrem Fall spricht der Grund der Depression dafür, Ihnen die alleinige elterliche Sorge zu übertragen. Ob es allerdings ausreichend ist, kann ich nicht abschließend sagen, da es immer eine Einzelfallentscheidung ist. Nicht ausreichend ist, dass er sich bisher nicht an den Entscheidungen für das Kind beteiligt hat und Sie nicht unterstützt hat. Allenfalls ist dies ein Anhaltspunkt, der letzendlich den Ausschlag gibt, allein ausreichend sind diese Gründe aber nicht.

Eine Übertragung der elterlichen Sorge auf Ihre Großeltern kann nur durch das Familiengericht erfolgen. In diesem Fall müssen Ihre Eltern, falls Ihnen etwas zustößt, die Übertragung der elterlichen Sorge auf sich beim Familiengericht beantragen. Eine anderweitige Möglichkeit zur Übertragung gibt es nicht.

Ich hoffe Ihnen einen Überblick verschafft zu haben. Bitte beachten Sie, dass geringfügige Sachverhaltsabweichungen zu einer veränderten rechtlichen Beurteilung führen können. Bitte beachten Sie weiter, dass eine Onlineberatung keine Beratung vor Ort ersetzen kann.

Mit freundlichen Grüßen

C. Richter
Rechtsanwältin

Bewertung des Fragestellers 27.04.2010 | 21:37

Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

"Vielen Dank für die schnelle Antwort. Zumindest habe ich jetzt einen besseren Überblick. MfG"
Stellungnahme vom Anwalt:
FRAGESTELLER 27.04.2010 5/5,0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 70047 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Schnelle und fundierte Antwort bei einem komplexen Thema. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Alles bestens. Vielen Dank! ...
FRAGESTELLER