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Ärzte haben mich falsch behandelt, was kann ich tun?

| 04.07.2009 22:37 |
Preis: ***,00 € |

Medizinrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Jeremias Mameghani


Sehr geehrte Frau Rechtsanwältin, sehr geehrter Herr Rechtsanwalt,

nachfolgend schildere ich Ihnen mein Problem und möchte gerne von Ihnen wissen, ob eine Klage auf Schadensersatz und Schmerzensgeld Aussicht auf Erfolg haben könnte.

Im Alter von ca. 30 J. fing ich mit Hautproblemen in Form von schwerer Akne (Diagnose des damaligen langjährigen Hausarztes: schwere Dermatitis) an. Die befallenen Hautstellen waren nur im Gesicht, aller-dings wechselnd, mal an der Stirn, mal am Kinn, dann wieder rund um die Nase.
Es wurde vom Hausarzt Minocyclin für einen kurzen Zeitraum (ca. 6-8 Wochen) verabreicht. Das Hautbild besserte sich, verschlechterte sich jedoch nach einiger Zeit wieder, so daß eine erneute Minocyclin-Gabe erfolgte. Dieser Zustand zwischen Minocyclin-freien Zeiten, in der kaum Hautprobleme bestanden und Zeiten mit Hautproblemen, hielt bis zum ca. 34. Lebensjahr an. Nachdem die Aknefreien Phasen jedoch immer kürzer wurden, wurde seitens des Hausarztes die Minocyclin-Gabe weiter verordnet unter Kontrolle lediglich des Blutbildes.
Leider wurde mir nicht mitgeteilt, daß es sich um ein Antibiotikum aus der Gruppe der Tetracycline handelt und auf Folgen, was Darm und andere Organe betreffen kann wurde ich ebenfalls nicht hingewiesen. Den Beipackzettel habe ich, muß ich gestehen, leider nicht gelesen, da ich dem langjährigen Hausarzt vertraut habe.
Allerdings habe ich meinen Hausarzt aufmerksam gemacht auf meine ständig zunehmenden Darmbeschwer-den sowie schlimmer werdende Probleme mit Sodbrennen (das ich vorher nie kannte). Auf meine eigene Intitiative (nicht durch den Hausarzt angeordnet) ließ ich zuerst eine Darm- und ein Jahr später eine Magen-spiegelung machen. Beides ohne Befunde, mit Ausnahme eines Refluxproblems.
Nachdem mir bekannt war, daß Minocyclin ein Antibiotikum ist, fragte ich beim Hausarzt nach, was wir mit meinen Hautproblemen unternehmen und wie lange ich dieses Mittel noch einnehmen sollte. Darauf bekam ich zur Antwort, daß ich dann da eben durch müsste.

Inzwischen war ich beim Heilpraktiker und da ich mir nicht mehr weiter zu helfen wusste, habe ich den Hausarzt gewechselt. Der 2. Hausarzt sah nur das Problem des Sodbrennens und verschrieb mir Säure-hemmer, die ich voraussichtlich bis an mein Lebensende nehmen müsste. Die Haut wurde nicht behandelt, der Hautzustand wurde immer schlimmer.

Ein weiterer Hausarztwechsel brachte mich zu einer Hausärztin, die mich weder körperlich untersuchte (!) – keine Gewichtsmessung, EKG-Kontrolle, oder Sonstiges. Sie hat lediglich die von mir übergebenen Fach-arztbefunde übernommen. Während dem ¾ Jahr in ihrer Behandlung wurde lediglich ein Laktosetest durch-geführt sowie Testung auf Allergien vorgenommen.
Ansonsten ging ich zu dieser Hausärztin nur zur Berichterstattung, kam mir wie eine Märchenerzählerin vor. Frau Doktor ging von einer Fehlernährung und von beruflichem Stress aus, so daß sie mich für psychisch angeknackst hielt.

Ein erneuter Hausarztwechsel fand statt, bei dem ich mit mittlerweile 40 Jahren das erste Mal (!) per Ultra-schall untersucht wurde auf Funktion der inneren Organe. Nach anschließender Überweisung zum Urologen wurde Nierenversagen der linken Niere festgestellt, das sofort mittels Harnleiterschienung behoben wurde. Weitere Nachforschungen meinerseits über Gynäkologen, der eine Bauchspiegelung durchführte, ergaben, daß ich an einer ausgedehnten Endometriose litt, die sich hinter dem Bauchfell ausbreitete, unter anderem den Harnleiter sowie einen Teil des Darmes einschnürte. Laut Aussage des Gynäkologen bestand das Problem schon länger.

Inzwischen ist die Endometriose mittels 6-stündiger OP entfernt worden, auch die Harnleiterschiene wurde inzwischen wieder entfernt. Für mich bedeutete das insgesamt:


5 Klinikaufenthalte,
½ Jahr keine Teilnahme am öffentlichen Leben
3 Jahre Suche in Eigenregie
½ Jahr Heilpraktikerbehandlung mit entsprechenden Kosten
2 x Darmspiegelung
2 x Magenspiegelung
Keine Möglichkeit in Restaurants zum Essen zu gehen, aufgrund massivster Darmprobleme, sobald ich etwas gegessen hatte – Verlust der Lebensqualität

Erschwerend kommt hinzu, daß Kinderwunsch besteht, der auch allen Hausärzten bekannt war. Die Partnerschaft zerbrach unter anderem an diesem Problem und mir wurde von einem weiteren Arzt in Erding mitgeteilt, daß ich in dieser Zeit gar nicht hätte schwanger werden dürfen, da Minocyclin fruchtschädigend ist. Es hätte sonst eine Abtreibung stattfinden müssen!

Meine Fragen hierzu nun:

1) Kann ich eine Entschädigung vom ersten Hausarzt verlangen, aufgrund der Tatsache, daß er
a) nur auf „Verdacht“ behandelte
b) Hätte der Hausarzt nicht an weitere Fachärzte zur Weiterbehandlung überweisen müssen (es wurde lediglich 2x an Hautarzt überwiesen)
c) Wie ist die Mino-Gabe im Zusammenhang mit Kinderwunsch vertretbar und kann ich hier etwas geltend machen?
d) Mir wurde seitens Rechtsanwalt gesagt, daß ich nachweisen muß, daß die Gesund- heitsprobleme erst während der langen Jahre bei meinem Hausarzt entstanden sind und vorher nicht bestanden.
Hätte der erste Hausarzt Kenntnis über eine Krankheit namens Endometriose haben müssen? (Allgemeine Weiterbildung?)
Es ist bekannt, daß Endometriose in 5-10 Jahren wächst. Reicht diese Argumentation als „Nachweis“?
e) Muß der Hausarzt für meine entstandenen Kosten (Heilpraktiker und Medikamente) aufkommen?
f) Kann ich Schadensersatz verlangen für die jahrelangen gesundheitlichen Probleme, wenn ja, in welcher Höhe?
g) Kann ich Schadensersatz verlangen für die zerstörte Lebensplanung, wenn ja in welcher Höhe?
h) Kann ich den Hausarzt dafür haftbar machen, daß mir ein Stück vom Darm entfernt werden musste, ebenso ein Teil des Harnleiters, wenn man davon ausgeht, der Hausarzt hätte bei richtiger Behandlung und Überweisung an Fachärzte das Problem eher erkennen müssen?

2) Wie sieht es bei den anderen beiden Hausärzten aus, die ebenfalls keinerlei Behandlung zur Verbesserung des Krankheitsbildes unternommen haben?
Hätte ich den Hausarzt nicht gewechselt, hätte ich eine Niere verloren.
Wäre hier Aussicht auf Schadenersatz, besonders bei der letzten Ärztin, die auf psychische Unzurechenfähigkeit tippte? (Frage der Ärztin an mich, ob ich jetzt total verrückt geworden bin!)

In Erwartung Ihrer geschätzten Antwort verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen

J.W.

Sehr geehrte Ratsuchende,

ich bedanke mich für die eingestellten Frage, die ich Ihnen aufgrund des geschilderten Sachverhalts gerne wie folgt beantworten möchte:

Voraussetzung für die Geltendmachung eines Arzthaftungsanspruch ist zunächst eine Fehlbehandlung des Arztes. Dies bedeutet, dass er gegen die Regeln der ärztlichen Kunst verstoßen haben muss. Dies kann sowohl durch ein aktives Tun oder Unterlassen einer Untersuchung geschehen, als auch beispielsweise durch Unkenntnis aufgrund mangelnder Fortbildung. Ein Fehler Ihres Arztes kann beispielsweise darin liegen, dass er nicht die notwendigen Untersuchungen durchgeführt hat. Dabei muss die Krankheit nicht zwangsläifog erst während seiner Behandlung aufgetreten sein. Auch wenn diese vorher schon bestand, so hätte er eine entsprechende Diagnose treffen müssen. Fraglich ist in dem Zusammenhang, ob die Untersuchungen aufgrund der geschilderten Symptome notwendig gewesen wären oder ob Sie an einen anderen Facharzt hätten verwiesen werden müssen. Ein Behandlungsfehler ist in der Regel nur durch einen Gutachter nachweisbar. Es gibt die Möglichkeit, die gesamten Patientenunterlagen, auf deren Herausgabe in Kopie Sie einen Anspruch haben, der Gutachterkommission der Ärztekammer vorzulegen. Allerdings dauert es in der Regel über ein Jahr, bis Sie eine entsprechende Stellungnahme erhalten. Alternativ kann auch ein Privatgutachten erstellt werden, wobei Sie für die Kosten zunächst selber aufkommen müssen.

Kommt die Kommission oder ein Gutachter zu dem Ergebnis, dass der Arzt tatsächlich einen Behandlungsfehler begangen hat, d.h. hätte er die Erkrankung erkennen und behandeln müssen, so muss dieser ursächlich für einen materiellen oder immateriellen Schaden gewesen sein. Dabei wäre zu klären, welche der in der Folgezeit durchgeführten Behandlungen und Operationen vermeidbar gewesen wären. Gleiches gilt auch für entstandene Kosten. Diese sind zu ersetzen, soweit diese notwendig gewesen sind. Der Arzt bzw. dessen Haftpflichtversicherung hätte ein Schmerzensgeld in jedem Falle zu leisten, wenn die Operationen bei frühzeitiger Erkennung und Behandlung vermeidbar gewesen wären. Soweit Ihnen ein Stück des Darms sowie des Harnleiters entfernt worden sind gilt es zu klären, ob hierdurch Spätfolgen zu erwarten oder andere gesundheitliche Beeinträchtigungen aufgetreten sind. Bzgl. der Mino-Gabe ist ebenfalls entscheiden, ob es zu gesundheitlichen Problemen gekommen ist. Da keine Schwangerschaft vorlag, kann hierfür kein Anspruch geltend gemacht werden. Im übrigen könnte auch ein immaterieller Schaden entstanden sein. Hierfür müssten genaue Angaben zu psychischen Probleme etc. durch einen Sachverständigen bescheinigt werden. Auch der Verlust an Lebensqualität etc. ist zu ersetzen, sofern ein Behandlungsfehler nachgewiesen werden kann. Die Kosten für den Heilpraktiker könnten durchaus zu ersetzen sein, wenn man zu dem Ergebnis gelangt, dass aufgrund der andauernden Beschwerden eine Behandlungserfolg nicht erfolgte, dies aber hätte geschehen müssen. So kann durchaus ein Interesse Ihrerseits bestehen, einen Heilpraktiker alternativ aufzusuchen.

Bzgl. der anderen Ärzte wäre ebenfalls zu prüfen, ob diese die Erkrankung hätten erkennen und entsprechend behandeln müssen. Ist auch ihnen ein Behandlungsfehler vorzuwerfen, so haften die Ärzte gesamtschuldnerisch, letztere ab dem Zeitpunkt der Konsultation. Sie können sich dann an jeweils einen halten, diese müssten den Schaden dann untereinander ausgleichen.

Ich hoffe, dass ich Ihnen eine erste Orientierung geben konnte. Bitte beachten Sie, dass an dieser Stelle nur eine allererste Einschätzung erfolgen kann. Es müssten sämtliche Behandlungsunterlagen aller Ärzte, die Krankenhausbefunde usw. heraungezogen werden. Ich empfehle Ihnen deshalb, sich mit einem Kollegen vor Ort in Verbindung zu setzen. Selbstverständlich können Sie auch meine Dienste hierfür in Anspruch nehmen. Im übrigen verweise ich zunächst auf die kostenlose Nachfragefunktion.

Mit freundlichen Grüßen

RA Jeremias Mameghani

Rechtsanwälte Vogt
Bolkerstr.69
40213 Düsseldorf
Tel. 0211/133981
Fax. 0211/324021

Nachfrage vom Fragesteller 06.07.2009 | 21:45

Sehr geehrter Herr RA Mameghani,

vielen Dank für Ihre sehr schnelle und aufschlußreiche Antwort.

Mich würde noch interessieren, wie hoch Ihr Stundensatz ist, den Sie berechnen. Ich fühle mich von meinem derzeitigen Rechtsbeistand nicht gut beraten und überlege, den RA zu wechseln. Wäre ein Auftrag an Sie möglich auch im Hinblick auf die räumliche Distanz?

Soweit ich weiß, müßte ich die Kosten des ersten Rechtsanwaltes selbst übernehmen, da meine Rechtschutzversicherung die Kosten des zweiten RA übernimmt.

Nach Ihren Ausführungen ist es auf jeden Fall ratsam, ein Gutachten erstellen zu lassen (für den Fall einer weiteren Vorgehensweise). Da seitens der gegnerischen Versicherung Frist gewährt wurde bis zum Jahresende 2009 habe ich leider kein Jahr mehr Zeit. Ist Ihnen bekannt, mit welchen Kosten ich ca. rechnen müßte, im Falle eines Privatgutachtens? Und können Sie mir hier jemanden empfehlen?

Haben Sie Erfahrungswerte, wie lange solch ein Verfahren dann dauert, wenn ein ärztliches Gutachten vorliegt, das einen Behandlungsfehler bescheinigen würde?

Vielen Dank für Ihre Bemühungen und beste Grüße,
J.W.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 06.07.2009 | 21:53

Sehr geehrte Ratsuchende,

ich stehe Ihnen natürlich gerne für ein solches Verfahren zur Verfügung. Unsere Kanzlei verfügt über hinreichende Erfahrung auf dem Gebiet. Eine Vertretung ist auch auf Distanz möglich. Alle weiteren Modalitäten würde ich gerne außerhalb dieses öffentlichen Forums mit Ihnen besprechen. Ich stehe Ihnen gerne per Mail oder per Telefon zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

RA J.Mameghani

Bewertung des Fragestellers 06.07.2009 | 21:47

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FRAGESTELLER 06.07.2009 5/5,0
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