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Adoptionsunterlagen


21.06.2006 14:10 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht



Sehr geehrte Damen und Herren,

lange Zeit vor unserer Ehe gab meine jetzige Ehefrau schweren Herzens ein unehelich geborenes Kind zur Adoption frei. Der eigentliche Verwaltungsakt liegt 42 Jahre zurück. Für meine Frau wird diese Kapitel aber wohl nie abgeschlossen sein. Um ihre Schuldgefühle etwas abzumildern, wünscht sie sich nichts mehr, als zu erfahren, wie es "ihrem Kind" geht. Da wir aber über keinerlei Informationen zu den Adoptiveltern verfügen ( und dies aus gutem Grund auch nicht dürfen), ist es nicht möglch, die Frage nach dem Wohl des Kindes zu beantworten.

Vor einiger Zeit erfuhren wir, daß das jeweils zuständige Jugendamt aber die Möglichkeit hat, einen schriftlichen Kontakt zu dem "Kind" herzustellen (natürlich nur mit dessem Einverständniss und unter Wahrung seiner Anonymität). Meine Frau bat also das entsprechende Jugendamt um Hilfe. Hier wurde ihr telefonisch bestätigt, dass es diese Kontaktmöglichkeit grundsätzlich gibt, aber in ihrem Fall nicht möglich ist, da die Unterlagen nicht mehr existieren. Von anderer Stelle erfuhren wir nun, dass diese Unterlagen 50 Jahren aufbewahrt werden müssen, dass aber solche bitten von den Jugendämtern, die ja bekantlich sowieso überlastet sind, gerne abgewimmelt werden.

Meine Frage: Gibt es diese Aufbewahrungszeit für Adoptionsunterlagen von 50 Jahren wirklich und wenn ja, habe ich rechtliche Möglichkeiten, die Behörde zu zwingen, uns zu helfen?

Vielen Dank für die Beantwortung

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Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre Anfrage, welche ich auf Grundlage Ihrer Sachverhaltsschilderung gerne wie folgt beantworte:

Das Jugendamt kann sich nicht darauf berufen, die Akten seien nicht mehr verfügbar, so dass der ge-wünschte Kontakt nicht herzustellen sei. Es ist leider festzustellen, dass die Jugendämter beabsichtigen, die Aufbewahrungsdauer von Akten neu zu regeln und dabei die Fristen gegenüber der bisherigen Praxis wesentlich zu verkürzen. Bei Adoptionsakten, die ursprünglich auf Dauer aufbewahrt werden sollten, wur-de beispielsweise für das Saarland nach dem Bericht des Datenschutzbeauftragten für die Jahre 2003 und 2004 unter Hinweis auf die Bestimmung des § 9 b Adoptionsvermittlungsgesetz (Neufassung vom 22.12.2001) die Frist auf 60 Jahre festgesetzt. Diese Regelung gilt nur für das Saarland, in anderen Bun-desländern mag es eine ähnliche Regelung geben. Grundsätzlich gilt allerdings, dass Adoptionsakten überhaupt nicht vernichtet werden sollten.

Wenn das Jugendamt die Akten aber tatsächlich vernichtet hat, wird es sich zu bemühen haben, den Kontakt anderweitig herzustellen, also ohne eigene Akten. Hier können die Adoptionsakten des Gerichtes weiterhelfen. Gemäß § 1758 BGB hat das Vormundschaftsgericht das hinsichtlich der Adoptionsumstän-de bestehende Offenbarungs- und Ausforschungsverbot zu beachten. Das Adoptionsgeheimnis schütz den Erfolg der Kindesannahme, die eine vollständige Herauslösung des Kindes aus seiner Ursprungsfa-milie sowie die Begründung einer neuen Bezugsfamilie mit sich bringt. Das Akteneinsichtsrecht ist daher beschränkt. Die Gewährung von Akteneinsicht setzt daher gemäß § 34 FGG ein berechtigtes Interesse des Antragstellers voraus. Das Jugendamt könnte also, sofern die Daten der Adoption noch irgendwo verzeichnet sind, durch Akteneinsicht beim Gericht Kenntnis davon erhalten, wer die Adoption damals vollzogen hat.

Unabhängig davon kann sich das Jugendamt durch Einsicht in den Geburtseintrag (Abstammungseintrag in den Personenstandsbuch Kenntnis davon verschaffen, wer die Adoptiveltern sind. Die tatsächliche Abstammung des Kindes ist lediglich aus der Abstammungsurkunde zu ersehen; in der Geburtsurkunde werden nur die Adoptiveltern als Eltern angegeben (§ 62 Abs. 2 Personenstandsgesetz).

Sie sollten zunächst durch beharrliches Nachfragen beim Jugendamt erst einmal feststellen, ob die Akten tatsächlich vernichtet wurden. Dies ist meines Erachtens nicht rechtmäßig. Wenn Sie die Mitarbeiter des Jugendamtes dann darauf hinweisen, werden diese möglicherweise aktiv, um den Kontakt dann doch noch herzustellen, auch wenn es hierzu eines größeren Aufwandes bedarf.


Das OVG Münster hat im Urteil vom 20.6.1984 - 8 A 846/83 (NJW 1985, 1107) entschieden, dass das Jugendamt dem Abtragsteller Auskunft erteilen muss. Hier besteht aber ein pflichtgemässes Ermessen, dessen Ausübung nicht dazu führen muss, dass der Antragsteller einen Anspruch auf die Massnahme des Jugendamtes in jedem Fall hat. Einen Anspruch auf einen Bescheid gibt es aber; dieser ist auf dem Verwaltunsgrechtsweg auch gerichtlcih durchsetzbar.

Ich hoffe, Ihre Anfrage ist hiermit hinreichend beantwortet worden.

Mit freundlichen Grüßen


R. Pössl
Rechtsanwalt


Janssen & Pössl
Anwaltskanzlei
Kevelaerer Str. 11
47652 Weeze
02837 2222
info@janssen-poessl.de


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