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Adoption und Vaterschaftsfeststellung

02.09.2008 18:01 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von


Ich bin Mutter eines Sohnes. Er ist derzeit 21 Jahre alt.

Der Vater ist mir bekannt. An der Vaterschaft zweifle ich nicht. Er ist Algerier.

Über das Jugendamt habe ich nach der Geburt meines Kindes die Vaterschaftsanerkennung und Kindesunterhalt verlangt. Doch beides ignorierte der Vater. Bis heute ist also in der Geburtsurkunde des Kindes kein Vater eingetragen.

Zwar habe ich, als mein Kind 2 Jahre alt war, eine Klage gegen den Vater im Ausland über einen Anwalt eingereicht (mit PKH). Doch die Aussichten eines erfolgreichen Prozesses und einer erfolgreichen Vollstreckung (Algerien) schienen mir sehr schlecht. Ich habe deshalb die Klage zurücknehmen lassen. Mein Kind hat also bis heute nie Unterhalt bekommen.

Später lernte ich einen anderen Mann kennen, den ich auch heiratete. Er war wie ein leiblicher Vater zu meinen Kind, wir haben auch noch ein weiteres gemeinsames Kind. Eine Adoption hielten wir für überflüssig, ist also auch nie gemacht worden. Auch hat mein Sohn ein sehr gutes Verhältnis zu seinem Stiefvater, er betrachtet ihn als seinen Vater.

Neuerdings kam es zu Versuchen des "biologischen Vaters", mit mir und meinen Sohn per email Kontakt aufzunehmen. Mein Sohn lehnt dies rigoros ab. Für ihn hat er sich nie um ihn gekümmert. Für ihn ist sein Vater der eigentliche Stiefvater.

Doch der biologische Vater schreibt nun neuerdings emails, in denen er seinen Sohn als sein Kind quasi akzeptiert und insbesondere auf die Blutsverwandschaft aufmerksam macht. Forderungen irgendeiner Art sind aber nie gestellt worden.

Natürlich habe ich den Verdacht, dass es ihn eigentlich nur darum geht, aus Algerien dauerhaft nach Deutschland zu bekommen.

Jetzt zu meinen Fragen:

Im Verhältnis Kind-Eltern existieren Unterhaltspflichten. Ich denke, dass derzeit nicht die Gefahr besteht, dass mein Sohn irgendwann dem "biologischen Vater" Unterhalt zahlen muss. Doch die Rechtslage würde sich verschieben, wenn die Vaterschaft feststeht.

Wenn der biologische Vater beispielsweise Unterhalt von meinen Sohn einklagen würde, dann wird sicherlich in einem Prozeß auch die Frage zu klären sein, ob er denn tatsächlich der Vater ist. Der Einwand, er hat den Unterhalt verwirkt, weil er selber nie dem Kind Unterhalt leistete, ist mir bekannt.

Wie wäre es, wenn der Stiefvater mein Kind adoptiert? Wäre dann dem "biologischen Vater" nicht der Weg zur Vaterschaftsfeststellung verbaut? Oder wäre dann nachträglich die Adoption anfechtbar?

Ich mache mir Sorgen, dass irgendwann einmal jemand auf mein Kind zukommt und Unterhalt für seinen "biologischen Vater" verlangt.

02.09.2008 | 19:52

Antwort

von


(513)
Groner Landstr. 59
37081 Göttingen
Tel: 05513097470
Web: http://www.Kanzlei-Lars-Liedtke.de
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Sehr geehrte Fragestellerin,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Zunächst möchte ich darauf hinweisen, dass dieses Forum lediglich die Funktion hat, Ihnen einen ersten Überblick über die Rechtslage zu geben. Eine persönliche Beratung/Vertretung kann und soll hierdurch nicht ersetzt werden. Hinzufügen oder Weglassen wesentlicher Tatsachen kann zu einer anderen Beurteilung des Falles führen. Unter Berücksichtigung Ihrer Sachverhaltsangaben und des von Ihnen gebotenen Einsatzes beantworte ich Ihre Frage wie folgt:

Das deutsche Familienrecht unterscheidet streng zwischen einer Adoption Minderjähriger und einer Adoption Volljähriger. Eine Adoption Volljähriger ist gem. § 1767 BGB nur zulässig, wenn sie "sittlich gerechtfertigt" ist, was insbesondere der Fall ist, wenn zwischen dem Anzunehmenden und dem Annehmenden bereits ein Elter-Kind-Verhältnis entstanden ist, was im vorliegenden Fall wohl gegeben ist.

Jedoch sind auch die Rechtsfolgen einer Erwachsenenadoption andere als bei der Adoption Minderjähriger. Die Volljährigenadoption lässt die verwandtschaftlichen Beziehungen zu den leiblichen Eltern unberührt und beschränkt die Wirkung der Adoption auf das Verhältnis des Annehmenden zum Angenommenen.

Gem. § 1772 BGB kann das Vormundschaftsgericht in bestimmten Fällen auf Antrag jedoch bestimmen, dass sich die Wirkungen der Volljährigenadoption nach den Vorschriften über die Minderjährigenadoption bestimmen (sog. Volladoption). Ein solcher Fall dürfte hier ebenfalls gegeben sein. Zum einen ist dies nämlich der Fall, wenn der Anzunehmende bereits als Minderjähriger in die Familie des Annehmenden aufgenommen worden ist, und zum anderen wenn der Annehmende das Kind seines Ehegatten annimmt.

Im Falle einer Volladotion würde das Verwandtschaftsverhältnis zum leiblichen Vater Ihres Sohnes erlöschen. Damit würde auch eine Verpflichtung zum Verwandtenunterhalt entfallen.

Eine wirksame Adoption kann nur auf Antrag des Annehmenden oder des Angenommenen aufgehoben werden. Eine Anfechtung durch Dritte ist nicht möglich. Daher wäre der leibliche Vater, wenn die Vaterschaft denn juristisch feststehen würde, vorher am Verfahren zu beteiligen und anzuhören.

Beachten Sie bitte folgendes: Es muss zwischen Annehmendem und Anzunehmendem ein notariell beurkundeter Vertrag geschlossen werden. Besonders wichtig ist zudem, dass der an das Vormundschaftsgericht zu stellende Antrag ausdrücklich auf Volladoption gerichtet sein muss. Eine nachträgliche Hochstufung der Adoptionswirkung ist ansonsten nicht mehr möglich.

Ich hoffe, Ihnen einen ersten Überblick über die Rechtslage gegeben zu haben.

Abschließend möchte ich Sie bitten, diese Antwort zu bewerten, um dieses Forum für andere Nutzer transparenter zu gestalten.

Mit freundlichen Grüßen,

Lars Liedtke
Rechtsanwalt


Rechtsanwalt Lars Liedtke

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