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Abzugsfähigkeit von Umzugskosten und gleichzeitig Fahrtkosten

| 10.02.2010 09:32 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von


Folgende Situation:
Wir wohnten bis Januar 2009 in A-Stadt. Dort war auch mein Arbeits- bzw. Einsatzort. Meine Frau hatte ihren Arbeitsplatz im 150km entfernten B-Stadt. Dieser Arbeitsplatz war ab Beginn 01/2007 zunächst auf 2 Jahre befristet, daher entschieden wir uns, in A zu bleiben, sie pendelte am Wochenende und hatte in B eine kleine Zweitwohnung.
Als dieser Arbeitsplatz zu 01/2009 dann auf unbefristet verlängert wurde, suchten wir nach einer Möglichkeit, das Wochenendpendeln zu Gunsten eines geeigneten gemeinsamen Wohnortes/Hausstandes zu beenden.
Ich ersuchte bei meinem Arbeitgeber nach der Möglichkeit eines Einsatzortswechsels, und dort wurde mir in Aussicht gestellt, ab Nov 2009 den Einsatzort nach C-Stadt zu verlegen. C liegt zwischen A und B, aber deutlich näher an B (A-C=100km, B-C=50km).
Die 50km kann meine Frau täglich mit dem ÖPNV erledigen, und da ich meinen Einsatzort im Durchschnitt nur 2-3x in der Woche aufsuchen muss, waren die 100km, zumal mit dem Kfz in 50min zurückgelegt, kein Problem, zumal dies nur vorübergehend, also vom Jan-Nov 2009, der Fall war. Seit Nov 2009 bin ich nun, wie von meinem Arbeitgeber versprochen, dauerhaft in C eingesetzt.

Es dürfte steuerrechtlich unstrittig sein, dass wir die Umzugskosten von A nach C (Umzugsfirma und vorallem Maklercourtage) absetzen können, sowohl aufgrund der Verlegung meines Einsatzortes nach C, aber auch der Auflösung des 2. Hausstandes, somit also Begründung eines gemeinsamen Hausstandes. Das tägliche Pendeln meiner Frau über eine Distanz von 50km dürfte sich steuerlich nicht schädlich auf die Gesamtsituation auswirken, da das Gesamtsaldo aus ersparten Fahrtstrecken positiv ist, ausserdem ist keine Zweitwohnung mehr steuerlich abzugsfähig.

Die Frage, die sich nun stellt ist folgende:
Kann ich trotzdem auch meine Fahrten von C nach A, die im Zeitraum Jan - 31.10.2009 bis zur endgültigen Verlegung des Einsatzortes nach C stattfanden, parallel steuerlich ansetzen oder erwartet das FA, dass beides, also Umzug (sofern steuerlich als abzugsfähig beantragt) und die (deutlich) verkürzte Fahrstrecke zeitlich kongruent sind, also im Bereich von wenigen Wochen organisiert werden?
Meiner Meinung nach muss beides im gleichen Jahr stattfinden, innerhalb dieses (Steuer-)Jahres können Ereignisse wie Umzug bei zunächst vergrößerter Fahrstrecke zeitlich versetzt stattfinden.

Für die Beantwortung im Voraus vielen Dank.

10.02.2010 | 11:38

Antwort

von


(1412)
Hochwaldstraße 16
61231 Bad Nauheim
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Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich auf Grundlage Ihrer Angaben wie folgt beantworte:

Maßgebliche Regelung für die Geltendmachung von Umzugs- und Fahrtkosten findet sich in § 9 EStG . Grundsätzlich besteht die Möglichkeit neben den Fahrtkosten zur Arbeitsstelle auch Umzugskosten geltend zu machen.

Der BFH hat in einem Urteil vom 22.11.1991 AZ: VI R 77/89 , BStBl. II 1992, 494 (Vorinstanz:FG Münster) entscheiden, dass einem Arbeitsplatzwechsel nachfolgender Umzug dann als beruflich veranlaßt anzusehen ist, wenn durch den Umzug die gesamte Fahrzeit zwischen Wohnung und Arbeitsstätte um insgesamt eine Stunde verringert wird und damit für den Arbeitnehmer eine solche tägliche Wegezeit verbleibt, wie sie im Berufsverkehr als normal angesehen wird

Privaten Motive für die Auswahl der Wohnung stehen dann dem Abzug der Umzugskosten als Werbungskosten nicht entgegen.
Da Ihnen Ihr Arbeitgeber auf Ihren Wunsch hin einen Wechsel des Arbeitsortes in Aussicht gestellt hat, erfolgte die Entscheidung nach B zu ziehen als Folge dieser Entscheidung des Arbeitgebers. Insoweit war dieser Umzug auch beruflich veranlasst. Unschädlich ist aus meiner Sicht, dass während einer Übergangszeit bis zum endgültigem Wechsel nach C, Sie noch weiterhin in A tätig waren. Der Wechsel wäre eigentlich erst für Nov. 2009 vorgesehen, so dass ein vorgreifender Umzug aufgrund der wechselnden Einsatzorte zwischen Jan- Nov. 2009 durchaus nachvollziehbar und gut begründbar ist.

Die Geltendmachung der Fahrtkosten für den Zeitraum Jan-Nov. 2009 für die Fahrten von C nach A sehe ich weniger problematisch und sollten in jedem Fall geltend gemacht werden. Im Umkehrschluss hätten Sie auch die Fahrtkosten von A nach C geltend machen können, wenn der Umzug erst im Nov. 2009 stattgefunden hätte, Sie aber zwischen Jan und Nov. Im Vorgriff der Versetzung bereits am Arbeitsort C tätig geworden wären.

Der Hauptaugenmerk ist hier auf die Begründung zu legen, dass der Umzug nach C beruflich veranlasst war.

In diesem Zusammenhang wäre auch daran zu denken, die Umzugskosten Ihrer Frau für den Umzug von B nach C geltend zu machen. Eine berufliche Veranlassung wäre dahingehend zu sehen, dass sich die Fahrtzeit Ihrer Frau derart verkürzt, dass ein Zweitwohnsitz nicht mehr erforderlich ist.

Nach einer Entscheidung des FG Brandenburg vom 01.03.2000 - 6 K 1185/98 E können bei einem Umzug folgender Aufwand geltend gemacht werden:

Beförderung Umzugsgut
Mietentschädigung
Pauschale Umzugskosten
Reisekosten Umzugstag

Zusammengefasst sind als Werbungskosten bei einem beruflich veranlassten Umzug Auslagen abzugsfähig, die aus Anlass eines dienstlich angeordneten Umzuges nach dem BUKG als Umzugskostenvergütung erstattet würden. Dies gilt jedoch nur insoweit, als die Regelungen des BUKG mit dem allgemeinen Werbungskostenbegriff vereinbar sind (BFH, Urteil vom 27. Mai 1994 VI R 67/92 , Urteil vom 06. November 1986 VI R 135/85 ,).
Mit dem Werbungskostenbegriff sind jedoch solche Aufwendungen nicht vereinbar, die zu den Aufwendungen für die Lebensführung i.S.d. § 12 Abs. 1 Satz 1 EStG zählen.

Ich hoffe ich konnte Ihnen einen ersten hilfreichen Überblick verschaffen.

Mit besten Grüßen


Rechtsanwalt Marcus Schröter, MBA

Rückfrage vom Fragesteller 10.02.2010 | 12:23

Sehr geehrter Herr RA Schröter,

vielen Dank für Ihre schnelle Antwort, die meine Frage bzw. den ganzen Komplex umfangreich und strukturiert, zudem unter Benennung von Quellen, beantwortet.

Bezüglich der Umzugskosten bestanden ja von Anfang an keine Zweifel.
Eine weitere, mein Begehren stützende Argumentation wird das "Saldierungsverbot" sein, d.h. die Umzugskosten können schon dann angegeben werden, wenn nur ein Ehepartner eine Verkürzung der Fahrtzeit erfährt, und sogar dann noch, wenn der andere Ehepartner durch diesen Umzug bedingt eine längere Fahrtzeit hat.
Da dies in unserem Falle nur vorübergehend war in Hinblick auf die absehbare Verlegung meines Einsatzortes nach C, sollte seitens des FA nicht mit einer Ablehnung zu rechnen sein, und wenn doch, sehe ich einem Einspruch positiv entgegen.

MfG

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 10.02.2010 | 15:28

Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank für die Nachfrage. Aufgrund des beruflich veranlassten Umzuges sehe ich keine Grundlage, dass die Fahrtkosten nicht anerkannt werden sollten.

Mit besten Grüßen

Bewertung des Fragestellers 10.02.2010 | 12:27

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